Die Veranstaltung war ein gelungenes Event mit guter Beteiligung. Die Wasser-, Literatur-, Musik- und Kunstfachleute (zu gleich in ihren Genres "Transformationsspezialist:innen") haben verschiedene Perspektiven auf das Thema Wasser allgemein und auf die Elbe speziell aufgezeigt - die gerade den niedrigsten Pegelstand anzeigt, der bislang registriert wurde. Es entwickelten sich Gespräche zwischen den Fachleuten und dem Publikum. Das Hörspiel " Der Elbe-Ebbe-Algorithmus" war ein guter Einstieg. Wer es sich in Ruhe anhören möchte (16 Minuten) hier geht es zum Hörspiel.
Zuschauer und Zuschauerinnen fragten, ob das eine regelmäßige Veranstaltung wird. Vielleicht einmal im Jahr, um auf den niedrigen Elbpegel hinzuweisen der uns leider erstmal erhalten bleiben wird. Mal sehn. Danke an alle Beteiligten, ins besondere auch an die Hilfe im Hintergrund von Ulf, Hartwig und Wolfgang. Unsere Gruppe hat den Arbeitstitel "Glaswurzler" mit dem Motto "Transparenz von unten!"Transformation in Echtzeit verfolgen: Hoffnungen, Skepsis, Freude und Sorgen begleiteten die geplante Ansiedlung der Magdeburger Intel-Chip-Fabriken. Das ist Geschichte. Aber die Transformation geht weiter. Seit Januar 2023 kommentiere ich den Transformationsprozess im Kontext der Ereignisse in Politik, Wirtschaft und Umwelt, mal journalistisch, dann wieder satirisch oder in kleinen Storys. Ich danke Albrecht Franke für die Unterstützung bei der Abfassung der Texte.
Sonntag, 9. August 2026
Montag, 31. März 2025
# 090 Einladungen: „Intel – da war doch … und dann …?“ Herbert Karl von Beesten und der Transformationsstammtisch stellen sich vor.
Im Rahmen der Landesliteraturtage 2025 und zugleich anlässlich der Nacht der Bibliotheken am Freitag, 4. April 2025 in der Zentralbibliothek erfolgt um 17:30 Uhr zuerst der Blick zurück: „… da war doch was …" ein Rückblick mit „Best-of-Artikeln“ aus dem Intel-Blog seit 2023 mit eher literarischen Texten (Parabel, Satire, Essay) … und dann … Vorstellung des neuen Transformationsstammtisches.
Früher oder später geht es auf dem Magdeburger Eulenberg mit einem großen oder mehreren kleinen Leuchtturmprojekten weiter. Bis dahin wird sich der TranformationRoundTable, wie der Stammtisch auch genannt wird, mit den Mühen der Ebene der Transformation beschäftigen. Was haben die Protagonisten dieser Runde vor? Wer kann noch mitmachen? Diese Fragen sollen beantwortet werden.
Die Gruppe trifft sich zu ihrem 3. Treffen schon am Montag wieder, den 7. April 2025, ab 17:00 Uhr in der Stadtbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109 im Seminarraum 3. OG. Das ist eine offene Runde und neue Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind gerne gesehen.
Sonntag, 2. März 2025
# 085 Einladung zur zweiten TRANSFORMATIONSRUNDE - 10. März 2025
Bitte
kontaktieren Sie Beesten@herbertbeesten.de oder max.heywood@magdeburg-international.de für
weitere Informationen und um Ihr Interesse an einer Teilnahme zu bekunden. Die Teilnahme
ohne Anmeldung ist auch möglich.
Freitag, 31. Januar 2025
# 083 Transformation durch Kultur - C the unseen im Januar 2025

Mir fällt ein Gespräch mit einer Kollegin ein. Sie ist
etwa so alt wie ich, und sie erinnerte sich an fahrende Züge. An einen
Sonderzug gar. Nach Karl-Marx-Stadt im Mai 1967. Es war warm zum Pfingsttreffen
der FDJ, es gab wohl noch den Optimismus des Aufbruchs, der Jugendlichkeit. Der
Sonderzug bestand aus Güterwagen, trotzdem empfand man die Mitfahrt als
Auszeichnung. Achtzigtausend oder neunzigtausend junge Menschen, atemlos
gewissermaßen bei der Abenteuersuche. Es gab den „Oktober-Klub“ zu sehen, man
sang mit, war fröhlich. „Ich war nicht mehr dort, seit Karl-Marx-Stadt wieder
Chemnitz heißt“, schloss sie.
„C the unseen“ passt, denke ich. Aber kein Sonderzug nach
Chemnitz, kein RE nach Leipzig, nur Nebel. Unplanmäßig sind wir in Halle, von
dort mit der S-Bahn nach Leipzig, endlich den RE 6 Richtung Chemnitz erwischt.
Im Vorbeifahren lerne ich mir bislang unbekannte Ortsnamen kennen: Großpösna,
Otterwisch ... Reisen bildet. Ein gutes Omen: Blauer Himmel in Chemnitz, C sees
the sun. Bunter Empfang. Menschen, Hinweisschilder, Alte, Junge, Programmflyer,
Familien. Philipp zu seinem, ich erstmal zu meinem Hotel, Rucksack abwerfen.
Schwarzer Block? Demo vor meinem Hotel, junge Menschen aus
der Antifa-Bewegung, Basswummern, Parolen gegen die Rechten. Am Telefon der
Kollege: Die Braunen marschieren gerade vor seinem Hotel. Polizisten müssen
sich an dem Katz-und-Maus-Spiel beteiligen. Bunter und größer: Die dritte Demo
kommt mir entgegen: Alt, Jung, Familien, Lachen, Luftballons und bunte Fahnen,
Kinderwagen, Lieder, Transparentaufschriften fordern Zusammenhalt.
Die Fröhlichkeit der Menschen in der Innenstadtstadt lässt
die Demos vergessen. Volksfest mit Musik, auch Infostände, Bühnen, Tanz und
Sport, Sanitäter, Nachmittags-Outdoor-Rave, Bier, Würstchen, Polizei, Döner,
Straßenkünstler, Sportlerinnen auf Bühnen. Große Monitor-Wände, die die
Eröffnungsfeier aus der Oper live übertragen. Davor geduldige Schlangen an den
Bierbuden, die Menschen reden miteinander, haben wache Augen, manche lächeln.
Wir behalten die gestylten Plaste-KUL-TUR-BECHER als Souvenir.
Wir sichern uns Stehplätze vor der großen Bühne. Noch fast
zwei Stunden bis zur Show, die Sonne sinkt, es geht auf null Grad zu, der Platz
füllt sich. Wie in sich ruhend das Karl-Marx-Monument, in C liebevoll „Nischel“
genannt, in dezentem grau-weißen-Licht, die überdimensionale Showtreppe steht
ihm bis zum Hals, wie Schweiß von der Denkerstirn perlt ihm helle
Taubenscheiße. Der Riesenkopf, der sich „Das Kapital“, ausdachte, wie
eingefangen unter dem Halbrund des transparenten Bühnendachs. C „The Capital of
Culture“. Es dämmert. Rechts und links der Bühne Batterien von Scheinwerfern,
die Lichtfächer in den Dunst stanzen. Im Hintergrund dezente
Elektro-Lounge-Musik. Warmhalten und die Logistik klären! Wo sind die
Toiletten? Noch einen heißen Kinderpunsch, Glühwein, eine Bratwurst oder
Falafel. Oder doch ein Bier? Es wird voller, enger. Mäntel und Jacken gehen auf
Tuchfühlung.
„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, uns warmhalten,
vielleicht eine Aktion mit den Leuten um uns herum?“, versuche ich meinen
Kollegen zum Mitmachen zu motivieren. „Es dauert noch eine halbe Stunde, bis es
losgeht.“ „Du hast doch bestimmt schon eine Idee, oder?“, vermutet er. Der Ball
ist wieder bei mir. Hinter uns ist eine
gut gelaunte Frauen-Clique in fast aufgekratzter und übermütiger Stimmung.
Einiges habe ich von ihren Gesprächen mitbekommen, manches wegen ihrer
sächsischen Aussprache nicht. Ich spreche sie an, ob sie mitmachen würden, die
anderen zum gemeinsamen Aufwärmen zu bringen. „Jetzt gehts los! Jetzt gehts
los!“, skandieren wir, klatschen im Takt mit. Leider steckt es andere nicht an, aber wir kommen ins Gespräch und "outen" uns als
Magdeburger. "Wir wären auch gern Europas Kulturhauptstadt geworden, aber
ihr habt das Rennen gemacht. Herzlichen Glückwunsch, wir wünschen euch ein
schönes Jahr!" „O je,
bei euch ist ja das Schreckliche passiert, schlimm.“ Die erste Reaktion. Ja,
schlimm.
Es sind begeisterte Chemnitzerinnen, sie schwören auf
europäische Verständigung. Ich lerne, dass zu Karl-Marx-Stadt-Zeiten die
Abkürzung KMS sächsisch so vernuschelt wurde, dass „CMZ“ als vernischeltes
„Chemnitz“ verstanden werden konnte, wenn man wollte. Aber die Frauen stehen zu
ihrem Karl. Auch wenn seine Ideen vom Sozialismus inzwischen Patina
angesetzt haben: Sie hatten etwas! Nur was daraus gemacht wurde ... Ich
glaube, sie mögen ihren „Nischel“.
Wir erzählen von unseren Städten und finden Gemeinsamkeiten in Größe, Struktur, Geschichte. C und MD haben beide keinen regulären ICE-Anschluss. Das solidarisiert.
Nun wie vorher wieder die gediegene Lounge-Musik, der
Marx-Kopf wieder in stabilen Grautönen, die Scheinwerfer wieder Richtung Himmel
ausgerichtet. Soll C jetzt auch von oben gut sichtbar sein, denke ich. Die
Menschen bleiben noch am Platz, müssen wohl wie wir dieses
60-Minuten-Power-Feuerwerk in den Köpfen abkühlen, sacken lassen. Es wird
geredet, gelacht, die Ess- und Trinkbuden werden belagert. Wir verabschieden
uns von der netten Frauengruppe, die weiterziehen will. „Kommt unbedingt
wieder, es gibt so viele tolle Sachen in Chemnitz und Umgebung zu entdecken“,
motivieren sie uns für ein Wiedersehen im „Unseen“.
Wir lassen uns im Gewühl treiben zwischen Techno auf dem
Marktplatz, Rave in einem kleinen Park, zwischen Elektro auf Bühnen und den
Gassen mit Straßenmusikern.
Zwischenmahlzeit, asiatisches Schnellrestaurant,
Glückskeksbotschaften: „Dein Leben wird durch Eindrücke und Bekanntschaften
bereichert“ und „Sie können Ihrem Traum begegnen“. Philipp und ich erkundigen uns nach Traum-Events oder Begegnungsmöglichkeiten
in Clubs für die Nacht. Aber die sind überfüllt. In der „Open Oper“ gerade
Ende des Swing-Konzerts, aber noch rappelvoll. Kein bekanntes Gesicht. Meine
Euphorie nimmt ab. Die Beine schwer. Zurück ins Hotel.
Rückzüge und Rückblicke
Der Alltag holt uns am Sonntag mit
Bahn-Resilienz-Roulette auf dem Rückweg ein. Verspätung fürchtend, nehme ich
einen früheren und pünktlichen Zug nach L, um dort sicher den Anschluss nach MD
zu erreichen. Im Abteil komme ich mit einem älteren Paar, das mit großen
Koffern unterwegs ist, ins Gespräch. Ob sie auch bei der Eröffnung gewesen
sind? „Klar, wir waren gestern auch dabei, das wollten wir nicht verpassen, wir
haben unsere Kreuzfahrt ab Hamburg dafür extra später terminiert. „Und: Wie
fanden Sie es?“ „Einfach toll, wir waren begeistert!“
Phillip nimmt in C den späteren, von uns ursprünglich
geplanten Zug nach L, der auch pünktlich ist. Gemeinsam und pünktlich, positiv
für die Verspätungsstatistik und meinen Bahn-Optimismus, geht es von L weiter
nach MD.
Am Montagmorgen sehe ich auf der Titelseite der
Magdeburger „Volksstimme“ ein Bild von der Bühne mit dem „Nischel“, darunter in
gleicher Größe ein Bild von der Demonstration der rechtsextremistischen Gruppierung
„Freie Sachsen“. Das ergibt ein falsches Gesamtbild.
Bad news bleiben schlechte Nachrichten, sie helfen nur bei
der Pflege von Narrativen, wie etwa: „Der Osten ist mehrheitlich
rechtsradikal.“ Hier wäre mehr Sorgfalt vonnöten gewesen. Schade.
Ich reihe meine Erfahrung mit der Stimmung in C in andere
persönliche Erlebnisse ein: Etwa meinen Besuch der Olympischen Spiele 1972 in
München und in Jahr 2000 auf der Expo in Hannover, mein Dabeisein, als R.E.M.
auf dem Magdeburger Domplatz zum 1200. Stadtjubiläum spielten, mein Miterleben
des Public-Viewing-Sommermärchens 2006, meine Reisen in die
Kulturhauptstadtregion Ruhrgebiet 2010 und zur Expo in Mailand 2015. „Und
zwischen 1972 und 2000 gab es kein wichtiges Erlebnis für dich?", würde
Philipp mich fragen, da er doch in diesem Zeitraum in Magdeburg geboren
wurde. Doch, doch, würde ich antworten, zum Beispiel, der Mauerfall 1989.
Der gehört auch in die Reihe als Beginn einer Transformation, auch in die von
C.
Chemnitz, wir sehen uns!
Video von unserem Besuch unter
Fotos von Herbert Karl von Beesten
und Philipp Schmidt
Sonntag, 29. Dezember 2024
# 079 „Transformation in Magdeburg“ - Einladung - Offener Stammtisch/Round Table am 20.1.2025
Fortsetzung der Bibliotheksveranstaltungen zum Thema „Intel“ in einer Gruppe unter der Überschrift „Transformation in Magdeburg“
- „Post-Intel-Blog“ – Transformation geht weiter
- Transformationsmitgestaltende gesucht
- Start am Montag, 20.1.2025, 17:00 Uhr
Gemeinsam mit Max Heywood, einem glühenden
Magdeburg-Optimisten, planen wir einen „Kick-off-Transformationsstammtisch“
(Arbeitstitel) am Montag, dem 20. Januar, um 17 Uhr in meinem
kreALTiv-Labor in der Brandenburger Str. 9, Kultur- und
Kreativwirtschaftszentrum, 1. OG, Raum 1.15.
Max und ich möchten für die gemeinsame Arbeit in der Gruppe
folgende Ideen einbringen:
- Bildung einer offenen Gruppe aus unterschiedlichen Kreisen,
- regelmäßiger Blick auf Magdeburgs Zukunft mit Fragen, Vorschlägen, Ideen und Anregungen,
- monatlicher Stammtisch und ca. alle drei Monate ein „öffentliches“ Format mit geladenen Gästen,
- die Bibliothek bietet uns einen „Stammplatz“ für die monatlichen Treffen und öffentlichen Veranstaltungen,
- dieser Blog kann uns als Hinweisgeber für unsere öffentlichen Veranstaltungen dienen und bietet zugleich die Möglichkeit zur stringenten Zusammenfassung unserer Zusammenkünfte, denn es wird Diskussionen geben!
Max und ich sind sicher, dass die endgültige Organisation
und die Inhalte sich gruppendynamisch ergeben. Transformation ist, wie in
vielen der vorhandenen 78 Blogartikeln deutlich wurde, „ein weites Feld“ und
betrifft längst nicht nur die ursprünglich geplante Intel-Ansiedlung.
Dazu gehören:
- moderne Technologie im Kontext mit der Natur,
- Entwicklungen in der lokalen Politik und Kultur,
- Verwaltung versus Bürokratie,
- demokratische Partizipation und Einmischung gegen den Rückzug ins Private,
- Willkommenskultur,
- künstliche Intelligenz contra natürliche Empathie usw.
- Bist Du dabei? Sind Sie dabei?
Bist Du dabei? Sind Sie dabei?
Dann freuen wir uns auf Beteiligung und Mitmachen. Das Ziel
des ersten Treffens ist, eine Gruppe zusammenzubringen, um weitere Details und die
Perspektiven der Gruppe gemeinsam zu definieren.
Damit wir etwas planen können, freuen wir uns über eine
kurze Interessensbekundung oder Teilnehmerzusage in Vorfeld des Treffens am
20.1.2025 per Mail an Max Heywood (max.heywood@magdeburg-international.de)
oder an Herbert Karl von Beesten (Beesten@HerberetBeesten.de).
Bis bald also – und transformiert euch!
Donnerstag, 12. Dezember 2024
# 076 Ausgemistelt - Hinterm Horizont nichts weiter? Magdeburger Transformation
Dort, wo in Magdeburg der Breite Weg die Ernst-Reuter-Allee kreuzt, steht auch Ende 2024 in der Advents- und Weihnachtszeit am Allee-Center ein Objekt der Lichterwelt. Es heißt in diesem Jahr in der offiziellen Liste (MD_Lichterwelt-Karte_2024.pdf) noch „Intel-Mistelzweig“.
Intel ausgemistelt?
Der Standort ist aber in dem dazugehörenden Lageplan nicht
eingezeichnet. Ist man an der besagten Kreuzung, befindet sich dort doch die
Lichtinstallation, allerdings ohne den Spruch der beiden letzten Jahre: „Happy
to be in Magdeburg“, das krönende Intel-Logo darüber fehlt. Die Intel-Version ist
aber noch als Foto auf der Startseite der Lichterwelt-Internetseite zu sehen. Virtuell
ist der „Intel-Mistelzweig“ noch vorhanden, in der Realität ist erst einmal
ausgemistelt. Symptomatisch für die aktuelle Situation?
Ich möchte kein Salz in noch frische Wunden streuen und die Vorweihnachtszeit
nicht mit schlechter Stimmung vermiesen, denn geblieben ist der hoffnungsvolle,
stilisierte Mistelzweig unterhalb der Spitze der sich kreuzenden Tannengrünbögen.
Missgeschick ‒ Intel-Mistel-Kiss verpasst
Um den Mistelzweig ranken sich viele Mythen, viele Bräuche
sind damit verbunden. Hätte man sie ernster nehmen müssen? Hätten sich unsere
Oberbürgermeisterin Simone Borris und der gerade ausgeschiedene Intel-CEO Pat Gelsinger
sich in der Adventszeit 2022 unter diesem Mistelzweig geküsst … Wäre es vielleicht
dann nicht zur Trennung (auf Zeit) gekommen?
Hätte Ministerpräsident Reiner Haseloff unter dem Mistelzweig
am Allee-Center einen Bruderkuss mit Pat Gelsinger im Advent 2023 getauscht,
wäre dann die schwebende Scheidung nicht aufs Tableau gekommen? Aber Bruderküsse
führen nicht immer zum Zusammenbleiben, wie die Geschichte beweist. Erich
Honecker und Leonid Breschnew schienen sich auch zu mögen und küssten sich, wie
noch heute das ikonografische Graffiti an der Berliner Mauer zeigt. Was wäre
passiert, wenn die beiden die Zärtlichkeiten unter einem Mistelzweig
ausgetauscht hätten?
Mistel-Mythen und Sagen wagen
Die weißbeerige Mistel (botanisch Viscum album) ist auch weiterhin
ein freundlicher Magdeburger Willkommensgruß. Sie wird seit dem 19. Jahrhundert
als Weihnachtsschmuck verwendet und ist beispielsweise als Türdekoration sehr
beliebt, auch wenn sie als Halbparasit ihrem Wirt Wasser und Nährstoffe
entzieht. So bei Wikipedia nachzulesen.
Der Mistel werden geheime Kräfte zugesprochen. Die Pflanze
soll Gesundheit, Fruchtbarkeit, Mut und Glück bewirken. Die Griechen der Antike
sahen in ihr ein Mittel gegen Gift. Andere Völker, wie beispielsweise die
Germanen, waren der Ansicht, dass sie die Menschen beschütze. Den Druiden diente
sie als magische Beigabe und war auch für Miraculix in „Asterix und Obelix“ eine
wichtige Zutat für den Zaubertrank.
Man tut also gut daran, die Misteltradition in Magdeburg fortzuführen. Wer weiß, von wem der zukünftige Intel-CEO, wenn er einmal nach Magdeburg kommen sollte, geküsst wird. Die Mistel ist das richtige Symbol für die Perspektive, die ich aufzeigen möchte.
![]() |
| Manche Bilder brauchen Worte, manche nicht ... |
Neulich stand ich an einem ungemütlichen, nasskalten
Dezembertag an der schon fertiggestellten B-81-Abfahrt zur geplanten Intel-Ansiedlung.
Die Abbiegespur aus Richtung Magdeburg wird nach nur wenigen Metern mit fünf
kräftigen Betonpollern blockiert, als wäre dahinter ein Weihnachtsmarkt.
Hundert Meter weiter endet der glänzende Bitumenpfad stumpf am Bördeacker, dem
Feldhamster-Niemandsland, wo sich Fuchs und Hase in Kürze „Frohe Weihnachten“
und „Prosit Neujahr““ wünschen werden.
Keine Märchen
Diese Straße wird früher oder später weitergebaut, da bin ich sicher. Vielleicht führt sie doch noch zur Intel-Chipfabrik? Zurzeit scheint es wahrscheinlicher zu sein, dass sie in einigen Jahren zu einem anderen Großunternehmen führt, oder ‒ ist die Abfahrt für breite Großkonzerne verpollert ‒, so gibt es zwischen den Pfosten Lücken, durch die schmale Unternehmen schlüpfen könnten. Transformation wird auf jeden Fall stattfinden, sie lässt sich nicht aufhalten, so oder so. Durch die nun zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit könnte sie heilsamer, ökonomischer und ökologischer werden, auch wenn bis dahin noch viel Wasser die Elbe hinunterfließen wird. Alles fließt, panta rhei. Auch die Zeit, in der die durch das „Projekt Intel“ geschlagenen Wunden im gegenseitigen Respekt geheilt werden könnten. Engagement in Sachen Transformationsbegleitung ist also weiter gefragt. Wenn man auf dem Foto des Straßenstumpfes ganz genau hinsieht, sind auf der Baumreihe am Horizont eine große Menge dieser kugelförmigen Mistelgebilde zu entdecken. Genug für viele Küsse, ausreichend für Zaubertränke. Von wegen: Am Horizont nichts weiter.
Blog geht weiter – Round Table zur Transformation
Auch dieser Blog geht weiter, wenn auch nicht mit der
bisherigen Schlagzahl, Slow Motion ist angesagt. Ich fühle und zähle also weiter
den Pulsschlag der Magdeburger Transformation.
Ich werde auch darüber berichten, wie sich aus dem harten
Kern der Teilnehmer meiner Vorträge in der Stadtbibliothek ein
Round-Table-Gesprächskreis aus Magdeburgern und Magdeburgerinnen entwickelt und
was dort passiert. Einige Personen haben dafür Interesse gezeigt. Ein erster
Termin für Januar 2025 ist in Vorbereitung und wird an dieser Stelle in Kürze
veröffentlicht. Machen Sie, lieber Blogleser und liebe Blogleserin, auch mit?
Dann bekunden Sie mir gerne unter beesten@HerbertBeesten.de Ihr Interesse. Sie bekommen den Termin direkt zugesandt. Ich
freue mich auf euer Kommen!
Mit meinem Lektor Albrecht Franke, der immer im Hintergrund
für Blog-Qualitätskontrolle gesorgt hat, wünsche ich allen Followern angenehme
Feiertage und einen guten Rutsch und neue Jahr, mit oder ohne Mistelzweig!
Mittwoch, 23. Oktober 2024
# 072 Nach dem Theater ist vor dem Theater - Lesung und Gespräch zum Intel-Blog
Post-Intel-Transformation: Machen Bürger und Bürgerinnen mit MUT weiter?
· Angela Mund von der Theatergruppe
„bühnenfrei“: „Und sie träumten von der Sonne"
Am Montag, dem 4. November 2024, findet in der Magdeburger
Stadtbibliothek ab 17 Uhr wieder die Lese- und Gesprächsveranstaltung von
Herbert Karl von Beesten (HKvB) statt. Diesmal ist als Gast die Theatermacherin
Angela Mund dabei. Die Veranstaltung soll in dieser Form die letzte ihrer Art
werden. Trotzdem könnten das Thema und die Veranstaltung in anderer Form
weitergeführt werden. Allerdings wünscht sich HKvB, dass sich die bisherigen
Interessenten, die Stamm-Zuschauerinnen und Mitdiskutanten als eigenständige
Gruppe weiter organisieren und treffen. Dabei arbeitet HKvB gern als „normaler“
Teilnehmer weiter mit. Seinen seit Anfang 2023 initiierten Blog wird er
weiterführen.
In der letzten Veranstaltung wurde deutlich, dass es trotz und
unabhängig von der „Intel-Hängepartie“ positive Ansätze und Entwicklungen in
und um Magdeburg gibt, die eine weitere Begleitung und Unterstützung des
Transformationsprozesses sinnvoll machen, als „Magdeburg Unterstützergruppe für
gelungene Transformation“, kurz MUT. Oder international klingend: „pi:PP"
für „post intel: positive perspectives. Die endgültige Entscheidung
der Namensgebung sollte bei der neuen Gruppe liegen.
Beim letzten Treffen wurde als bisherige positive Auswirkung
schon festgestellt:
- Eine überraschend schnelle Verwaltung in Stadt und Land bezüglich der Umsetzung und des Genehmigungsverfahrens.
- Dass Entscheidungen getroffen wurden, ohne lange abzuwarten, ob auch alles funktioniert und zu 150 % abgesichert ist.
- Die zunehmende Internationalität in der Stadt, z. B. auch durch englischsprachige Hinweise für internationale Stadtbesucher.
- Die schon erfolgte Verbesserung des Nahverkehrs durch eine neue „Intel-S-Bahnlinie“ von Burg über Magdeburg nach Schönebeck.
- Mehr Sensibilität für Umwelt (Wasser und Boden) und dass ein weiteres Wasserwerk geplant wird, um Magdeburgs Wasserversorgung auch ohne Intel resilienter zu machen.
- Neue (Förder-)Chancen für den Mittelstand, der jetzt mehr im Fokus stehen wird.
Vielleicht ist der 4. November 2024 in der Stadtbibliothek
der Anfang einer eigenständigen und selbststeuernden Gruppe, die MUT
macht.
Als Fachfrau für die künstlerische Auseinandersetzung mit
dem Thema „Transformation“ ist Angela Mund von der freien Theatergruppe „bühnenfrei“
aus Magdeburg anwesend. Diese Gruppe gibt es seit nunmehr 10 Jahren, regelmäßig
führt sie abendfüllende Theaterstücke auf, meist Stückentwicklungen zu
gesellschaftlich relevanten Themen. Man hat den Anspruch, humorvoll und
grotesk, aber auch diskutierbar zu sein. Angela Mund ist Theaterpädagogin und
Ausbilderin für Theaterpädagogik, sie hat die Gruppe zusammen mit engagierten
Mitstreiterinnen gegründet. Die aktuelle Produktion heißt „Und sie träumten von
der Sonne". Nur „zufällig und fiktiv“ geht es in dem Stück um die
Ansiedlung eines großes Technologieunternehmens und die daraus folgenden
Auswirkungen auf die Menschen und die Natur. Dass das Stück Intel nicht
namentlich nennt, war weise Voraussicht der Autorin, denn es geht ums Prinzip.
Und für Magdeburg bleibt das Thema so oder so auf der Tagesordnung. Wenn nicht
Intel, dann wird früher oder später eine andere große Industrieansiedlung am
Magdeburger Eulenberg wieder zum Träumen anregen.
Dienstag, 1. Oktober 2024
Freitag, 13. September 2024
# 067 Pro-Intel-Demo in Magdeburg!
Es tut sich was : Intel muss kommen!
Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen der „Intel-Mania“ *)
‒
einer Magdeburger Vereinigung von Intel-Enthusiasten, die sich bislang aber nicht
als Gruppe in der Öffentlichkeit zu erkennen gegeben hat – wurde mir ein
Demonstrationsaufruf zugespielt. Ich habe mich nach gründlicher Abwägung
entschlossen, ihn hier zu veröffentlichen. Da er an die breite Öffentlichkeit
gerichtet ist, passt er gut in diesen Blog. Von dieser Vorveröffentlichung geht
vielleicht auch ein gewisser moralischer Druck auf das im kalifornischen Santa
Clara tagende Intel-Board aus. Es dürfte deutlich werden, dass Intel den Magdeburgern
und Magdeburgerinnen nicht egal ist, dass sie proaktiv hinter Intel stehen, und
nicht nur die Luft anhalten und alles über sich ergehen lassen.
*) Informationen zur „Intel-Mania“-Vereinigung finden Sie
unter: https://herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com/2023/12/11-verwandeln-verbergen-gesundbeten.html
Interessant auch: INTEL - Nur die Paranoiden überleben https://herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com/2023/12/25-ein-gastbeitrag-von-dr-franz-will.html
| Das mir zugespielte Flugblatt |
Der Aufruf als Text
intel-Mania-DEMONSTRATION
Magdeburg, Domplatz.
Montag, 7. Oktober 2024, 20 Uhr.
intel muss kommen!
Wir, die intel-Mania-Vereinigung, fordern,
wie auch weite Kreise der Magdeburger Bevölkerung, die sofortige Realisierung
der intel-Ansiedlung.
Wir verlangen von allen verantwortlichen
Stellen in Stadt und Land außergewöhnliche Bemühungen, die Magdeburger intel-Ansiedlung
trotz der temporären wirtschaftlichen Krise bei intel zu einem Erfolgsmodell zu
machen. Die intel-Mania-Vereinigung, Vertreter aus Wirtschaft, Politik,
Gewerkschaften, Wissenschaft und Kirchen fordern mit ihrer Teilnahme an der
Demonstration den Bau der Chipfabriken in Magdeburg.
Die Ansiedlung ist für Magdeburg eine
einmalige Transformationschance in eine neue Epoche. Sie darf nicht verspielt
werden!!
Magdeburg braucht mehr Industrie und moderne
Arbeitsplätze. Magdeburg braucht neue wirtschaftliche Impulse. Magdeburg soll
wachsen, internationaler werden und erfolgreich im Wettbewerb mit anderen
Städten als attraktive und lebenswerte Großstadt bestehen können.
Setzen auch Sie sich dafür ein. Tragen
Sie sich in die Unterschriftenlisten ein. Kommen Sie zu der Demonstration. Wir
sind sicher, dass auch die breite Masse der Magdeburger und Magdeburgerinnen
das intel-Projekt ebenso unterstützt wie die Vertreter der intel-Mania, die auf
dem Podium sprechen.
intel ‒ Wenn nicht hier, wo dann?
Ihr seid willkommen, um zu bleiben!
Das kleine „i“ von „intel“ ist das
große i-Tüpfelchen für Magdeburg!
intel muss her, sonst wird es für
Magdeburg schwer!
Letzte Ausfahrt für den Fortschritt:
intel an der A14!
Magdeburgs natürliche Essenz: Chips
für künstliche Intelligenz!
Magdeburg und Ostdeutschland brauchen
intel!
Wir warten auf intel! Bis Weihnachten
das endgültige „GO“!
Skandieren Sie mit uns: Hopp, hopp, hopp, Chips-Fabs jetzt ganz flott!
(Ein
Vorbereitungstreffen zur Demo und eine Einweisung der Ordner finden am 7.
Oktober 2024 um 17 Uhr in der Magdeburger Stadtbibliothek statt. Dort verantwortlicher
Redner: HKvB)
Sonntag, 4. August 2024
# 062 Kulturtipp: Transformationssommertheater in Magdeburg im August 2024
Wer geht mit auf die Reise?
Im Magdeburger Wissenschaftshafen
findet wieder ein besonderes Theaterevent statt. Vom Samstag, dem 24. August,
bis Dienstag, den 27. August 2024, präsentiert das Theaterensemble „Das letzte
Kleinod“ jeweils ab 18:00 Uhr das Stück „HOTEL EINHEIT“. Aufgeführt wird es im
und am theatereigenen ozeanblauen Zug, mit dem die Theatertruppe in Deutschland
unterwegs ist und wo es während der Tournee auch lebt. Das Publikum ist „aufgefordert“,
mit dem Ensemble eine Eisenbahnfahrt in die Vergangenheit von DDR-Hotels anzutreten.
Ich hatte die Gelegenheit, mit Juliane Lenssen und Sven Reese von „Das letzte
Kleinod“ zu sprechen.
Worum geht es?
Hotels, z. B. Interhotels, waren in der DDR einer der wenigen Orte, in denen sich Menschen aus Ost und West begegnen konnten. Die Restaurants, Nachtbars und Zimmer boten den Gästen einen ungewohnten Luxus. Überwachung durch die Stasi war in den Hotels alltäglich. Ehemalige Mitglieder des Personals von Hotels in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) steuerten als Zeitzeugen ihre Erinnerungen an den Hotelbetrieb für das dokumentarische Theaterstück. Die Aufführung wird in mehreren Eisenbahnwaggons gezeigt, die mit originalen Möbeln und Objekten aus der DDR ausgestattet sind. Infos zu dem Stück sind unter www.das-letzte-kleinod.de zu finden.
| Juliane
Lenssen vom Eisenbahntheater „Das letzte Kleinod“ stellt das neue Stück "HOTEL EINHEIT" im Wissenschaftshafen vor. |
Im letzten Sommer konnte ich die Theatertruppe mit dem Stück „Über den Zaun“ an gleicher Stelle erleben, ich erwarte auch in diesem Jahr eine beeindruckende Inszenierung. Ich gehe davon aus, dass Zuschauern, die zu jung für eigene Erinnerungen an die dargestellte Zeit sind, sich diese durch kluge und emotionale Inszenierung - wie üblich bei dieser Theatergruppe - erschließen wird. Aber auch ältere Menschen ohne „klassische DDR-Biografie" werden sich zurückversetzt fühlen - so erlebte ich es 2023.
Die Gruppe aus Schauspielern,
Schauspielerinnen, Support- und Organisationspersonal ist bunt gemischt: aus
Ost und West. Mit dem in Stendal geborenen Sven Reese, der 1999 und 2000 auch in
den Magdeburger „Freien Kammerspielen“ als Schauspieler auf der Bühne stand,
gibt es vielleicht für einige Zuschauer ein Wiedersehen.
Und was hat das
mit der Intel-Ansiedlung zu tun?
In den nächsten drei,
vier Jahren werden voraussichtlich ca. 7.000 Menschen aus Deutschland und dem
Ausland Magdeburg zusätzlich bevölkern, um die Intel-Chip-Fabs aufzubauen.
Viele davon werden in Hotels, Pensionen und Gästewohnungen „untergebracht“ sein.
Die Magdeburger Hotelbranche und andere Beherbergungsstätten werden davon
profitieren, sie stellen sich schon darauf ein. (Siehe auch meinen Blog-Beitrag
über ein „spezielles Hotelerlebnis“ https://herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com/2023/12/11-verwandeln-verbergen-gesundbeten.html
)
Was werden die vielen
Gäste neben der Arbeit in Magdeburg machen? Wird sich daraus eine geschlossene
Gesellschaft entwickeln, deren Integration die Magdeburger Bevölkerung nicht
kümmert, weil sie ja doch wieder „weiterzieht“? Wie kann man für diese Gruppe
nicht nur deutschsprachige Angebote im Bereich der Kultur, des Sportes und der Unterhaltung
schaffen, die nicht an „Gastarbeiter-“ oder „Vertragsarbeiterzeiten erinnern? Welche
Probleme, aber auch Chancen ergeben sich, mit denen wir als Magdeburger umgehen
müssen?
Willkommenstrainingslager
| Schauspieler Sven Reese vom Ensemble „Das letzte
Kleinod“ spielt vor alten Eisenbahnwagen am Wissenschaftshafen eine Szene aus dem Stück „Hotel Einheit“ |
Ausblick
Montag, 22. Juli 2024
# 058 Intel in Magdeburg - Chance oder Challenge? Eine Podiumsdiskussion
Wollen wir oder wollen wir nicht? - Eine Podiumsdiskussion
Dort saßen, wie auf den Bildern zu sehen,
- Jan Schumann, Korrespondent der Mitteldeutschen Zeitung,
- Susanne Wiedemeyer, DGB-Landesleiterin Sachsen-Anhalt,
- Mathias Grabow, Sozialkombinat Ost,
- Dr. Jürgen Ude, Staatssekretär für Strukturwandel und Großansiedlungen in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt.
Der Saal war mit etwa 80 - 90 Personen bis auf den letzten
Platz besetzt. Etwa die Hälfte des Publikums bestand aus jungen Menschen, wahrscheinlich
Studierenden der Hochschule. Ich entdeckte auch ältere Teilnehmer und
Teilnehmerinnen, die ich schon bei ähnlichen Veranstaltungen gesehen hatte.
Neben Privatleuten auch Vertreter der (Wohnungs-)Wirtschaft, der Politik und der
Hochschulen. Ich konnte noch in der letzten Reihe neben einem jungen Mann einen
Sitzplatz ergattern.
Ein „Kreuzverhör“ wurde es auf der Bühne nicht. Eine Gruppe von Studierenden um die beiden Moderatoren hatte die Veranstaltung im Rahmen eines Seminars vorbereitet und die naheliegenden Fragen zusammengestellt. Anfangs etwas holprig, aber dann lockerer und spontaner werdend, nahm die Veranstaltung ihren Lauf. Viel sachlich Neues zur Intel-Ansiedlung war für mich nicht zu erfahren. Für den einen oder die andere mag aber auch Neues dabei gewesen sein.
Falsch war die Aussage der Moderatorin, dass die Chips zwei
Nanometer groß wären. Dieses Maß betrifft die kleinsten Strukturen in den zukünftig
in Magdeburg zu produzierenden Chips. Die Chips selbst sind „nackt“ und
unverpackt einige Hundert Quadratmillimeter „groß“. Mehrere Quadratzentimeter
groß in einem Chip-Gehäuse mit Anschlüssen, nachdem sie anschließend in Polen
„verpackt“ worden sind.
Als richtig empfand ich die Besetzung des Podiums – nicht als so typisch wie bei vielen anderen Intel-Veranstaltungen. So wurden verschiedene Perspektiven auf das Projekt möglich. Intensiv wurden die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt diskutiert– speziell auch die Lage auf „Nebenschauplätzen“ des Fachkräftemangels, etwa in Schulen und Kitas. Dazu passte auch die Forderung nach „ordentlichen“ Tarifabschlüssen und angemessener Bezahlung, nicht nur für die Intel-Beschäftigten.
Auf dem Podium:
Visionen, Befürchtungen, Fragen, Trost, Hoffnungen, Zweifel, Antworten und
Widersprüche - in Stichworten
- Schon wahrzunehmende Preissteigerungen im Wohnungs- und Immobilienmarkt.
- Zu langsamer Ausbau der Nahverkehrs-Infrastruktur und überregionalen Verkehrsanbindungen, inklusive einer witzig gemeinten ICE-Anspielung.
- Das Problem Arbeitsplätze kontra Fachkräftemangel kann man lösen. Aber wie?
- Kommen die kleinen und mittelständischen Unternehmen „unter die Räder“?
- Kann die Stadtplanung das Tempo mithalten?
- Die neue Mobilitätsstudie mit Blick in die Zukunft soll am 19. September von der zuständigen Ministerin vorgestellt werden.
- Die Frage nach den tatsächlichen Inhalten der bislang geheim gehaltenen Verträge mit Intel wurde nicht beantwortet.
- Zieht Intel das in der jetzigen, unsicheren Marktsituation durch?
- Könnten durch höhere Steuereinnahmen auch mehr Sozialleistungen ermöglicht werden?
- Das Gehaltsniveau steigt, Ostdeutschland ist nicht mehr abgehängt.
- Willkommenskultur hat noch Luft nach oben.
- Durch mehr Englischkenntnisse in der Bevölkerung ist auch mehr Öffnung möglich.
- Intel soll bei Wasserverbrauch und Kommunikation kein Tesla 2.0 werden.
- Blick nach Leipzig zeigt, was dort mit den Ansiedlungen von DHL, BMW und Porsche gelungen ist.
- Bevölkerungszuwachs und Ausbau der Hochschul- und Institutslandschaft.
- Das sind Probleme, die nicht an der Intel-Ansiedlung festgemacht werden dürfen, denn die gelten für ganz Deutschland.
- Gefahr einer Zweiklassen-Ausländer-Gesellschaft.
Verständnisschwierigkeiten:
Im Gespräch mit dem jungen Mann neben mir erfahre ich, dass er Ausländer ist
und Maschinenbau an der Hochschule Magdeburg-Stendal studiert. In der
Hochschule wurde viel Reklame für die Veranstaltung gemacht. Er findet das
Thema sehr interessant. Aber die Tonqualität der Lautsprecheranlage ist
schlecht, auf der Bühne wird obendrein oft undeutlich und sowieso zu schnell
gesprochen. Obwohl mein Nachbar gut Deutsch spricht, kann er kaum folgen und
ist etwas verärgert. Ich selbst kann auch nur mit Mühe folgen.
Was sagt das Publikum?
Zum Ende der Veranstaltung wurde auch dem Publikum die Gelegenheit
gegeben, Fragen an das Podium zu stellen. Dabei stand, wie zu erwarten, das Thema
Wasser, Boden und Energie im Mittelpunkt. Der Staatssekretär verwies auf das
Konzept – als wäre das alles schon endgültig – wie über die Elbe, den Mittellandkanal
und die Ohre der nötige Nachschub für das zusätzlich beanspruchte Grundwasser
in der Colbitz-Letzlinger Heide und somit für das Magdeburger Wasserwerk
gewährleistet werden kann.
Ich erinnere mich an die Verhandlung der Einwände zur
Teilgenehmigung der Intel-Ansiedlung vom 29. Mai 2024 in der Johanniskirche. Da
wurde das vom Staatssekretär vorgestellte Wasserkonzept als noch nicht
ausgereift diskutiert und bedurfte noch weiterer Untersuchungen und Genehmigungen.
Eine der offenen Fragen war auch die noch nicht einschätzbare Beeinflussung des
Feuchtgebietes und Biosphärenreservates Drömling. Siehe dazu auch- Aufwärtskompatibel?
Neue Industriekultur in Magdeburg durch Intel?: # 055 Ja und Amen? Die
Anhörung. (herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com)
Als die kritischen Stimmen sich mehrten und mit Applaus bedacht
wurden, stellte der Staatssekretär die ultimative Frage, die etwa so klang: Wollen wir Intel oder wollen wir Intel nicht?
Er versuchte, so einen Konsens im und mit dem Publikum herbeizuführen.
Konsens oder Konsent?
Dass man mit einem „Brechstangen-Konsens“
nicht immer gut fährt, war bereits Andrew Grove, einem der Intel-Gründer,
bewusst. Er propagierte, als einer der ersten in der Wirtschaft, das Prinzip
des Konsents. Es bedeutet, dass zwar eine Konsensentscheidung angestrebt werden
soll, wenn es aber schwerwiegende Einwände gibt, darf man sich nicht einfach
darüber hinwegsetzen. Wie man einen „Konsent“ in der Wirtschaft managt, hat
Andrew Grove schon in den 70er-Jahren mit dem Prinzip „Disagree and commit”,
also: „Nicht einverstanden sein und sich trotzdem verpflichten“ beschrieben.
Das wurde und wird gewiss bei Intel gelebt, es gehört also gewissermaßen zur DNA
von Intel. (Infos zum „Konsent“ findet man auch unter: https://digitaleneuordnung.de/blog/konsent/
)
Mit dem Konsent hat man in der Wirtschaft gute Erfahrungen
gemacht, man findet ihn auch in der „Agilen Methode“ in der Software-Branche. Warum
sollte das Prinzip nicht auch für die Politik bei der Durchsetzung der
Intel-Ansiedlung gelten? Bei einem „erzwungenen“ Konsens – also entweder oder! Vogel, friss oder stirb! – besteht die Gefahr, dass die Politik früher
oder später doch von den schwerwiegenden Einwänden eingeholt wird, obwohl man
offiziell alle Genehmigungen durchgepaukt
hat.
Andrew Grove hat noch andere verblüffende Überlegungen angestellt.
Dazu ein Gastbeitrag hier im Blog: https://herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com/2023/12/25-ein-gastbeitrag-von-dr-franz-will.html
Am Ende
Der Student neben mir verabschiedete sich Mein Nachbar
verabschiedete sich kurz vor Ende der Veranstaltung plötzlich mit einem bedauernden
Kopfschütteln und deutete an, dass er wohl nicht viel verstanden habe. Schade,
ich wollte ihn nach der Veranstaltung noch fragen, ob er sich vorstellen
könnte, nach seinem Studium in Magdeburg eine Arbeit bei Intel oder den
Zulieferern aufzunehmen. Diese Chance war dahin.
Die finale Frage: Chance oder Challenge? Die wurde
abwechselnd von der Moderatorin
und dem Moderator an die vier auf der Bühne gestellt. Sie sollten sich für das
eine oder andere entscheiden. Das Ergebnis: 3:1 für die Chance!
Mein Vorschlag: Die zukünftige Chance für Magdeburg durch die Intel-Ansiedlung ist auch zugleich eine große Challenge, also eine riesige Herausforderung. Das „oder“ sollte durch ein „und“ ersetzt werden: „Chance UND Herausforderung?“ So hätte die Antwort auf der Bühne 4:4 heißen können.
Weitere Herausforderungen:
Fakt ist, dass das endgültige „Go“ noch an viele Voraussetzungen
gebunden ist. Nicht nur an die Freigabe der deutschen Subventionen in Brüssel,
sondern auch von weiteren Genehmigungen zu den Themen Wasser, Boden sowie für den
eigentlichen Betrieb der Intel-Gesamtanlage.
Dazu titelt das „Handelsblatt“ in Newsletter vom 18.7.24: „Down dank Donald: Trump-Äußerung lässt Chip-Kurse einbrechen.“ Siehe auch den Artikel: ASML, Nvidia, TSMC, AMD: Aktienkurse der Chiphersteller brechen ein (handelsblatt.com). Allerdings kommt die Intel-Aktie dabei gegen den Trend gut weg, weil Intel eigene Chipfabriken auch in den USA hat. Zu positive Intel-Einschätzungen verhindern dagegen Probleme im Alltagsgeschäft mit Intel-Prozessoren https://www.ntg24.de/Intel-Totalausfall-18072024-AGD-Aktien
Wie wird wohl die Kritik und die Auswertung der Seminargruppe
aussehen, die die Veranstaltung vorbereitet und durchgeführt hat? Ob sie meiner
Einschätzung folgen?
Noch zwei
interessante Podcast-Links:
Wasser und Intel: https://www.deutschlandfunk.de/130-liter-4-6-wie-intel-mit-wasser-versorgt-werden-soll-dlf-7340224b-100.html
PFAS (auch bei der Halbleiterproduktion verwendet) PFAS
im Rhein - Wie Chemikalien Wasser für immer verschmutzen (deutschlandfunk.de)











