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Mittwoch, 20. Mai 2026

Eisenbahntheater über die Stahlindustrie - Transformationen

Gerne veröffentliche ich hier die Pressemitteilung dieser Theater-Company, auch mit Blick auf Magdeburg. Zum dritten Mal gastiert diese zugfahrende Truppe mit Blick auf Transformationen in der Industriegesellschaft im Magdeburger Wissenschaftshafen.



"HÜTTENWERK - Eisenbahntheater über die Stahlindustrie/ Aufführungen mit dem Ozeanblauen Zug Ende Mai in Magdeburg

Das Letzte Kleinod realisiert im Frühjahr 2026 ein Eisenbahntheater über die Stahlindustrie. Das dokumentarische Theaterprojekt HÜTTENWERK erzählt von der Entwicklung der Stahlindustrie in Ost und West. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die in der Stahlindustrie gearbeitet haben. Einige Interviews wurden in Salzgitter, weitere in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) geführt, die Vorstellung basiert auf diesen Erzählungen. HÜTTENWERK wird vom 29. bis 31. Mai 2026 in Magdeburg aufgeführt. Bereits zum vierten Male gastiert der Ozeanblaue Zug des Theaters in Magdeburg, diesmal wieder im Wissenschaftshafen.

Das Erz kam per Eisenbahn aus der kasachischen Steppe, die Kohle aus Polen. Auf den Kränen, Lokomotiven und am Hochofen arbeiteten oft Frauen, die für die Stahlindustrie der DDR unentbehrlich waren. Von Eisenhüttenstadt ging der Stahl in die Fabriken und Häfen des Westens, um gegen Devisen verkauft zu werden.

Im Frühjahr 2026 fährt der theatereigene Zug mit sechsachsigen Flachwagen durch Deutschland, beladen mit tonnenschweren Brammen, Stahlträgern und Coils. Auf und in den Waggons gibt das Eisenbahntheater HÜTTENWERK Einblick in die damalige Vorzeigeindustrie der DDR und die Verbindungen zum Westen. Die Geschichten werden mit Schauspielenden in einer Szenerie aus Stahl gespielt, die auf Eisenbahnwagen zu den Aufführungsorten fahren. Auf Drehgestellflachwagen werden Coils (Rollen von gewalzten Blechen) und Brammen (Stahlblöcke für die Weiterverarbeitung zu Blechen) angeordnet und mit Licht und Schauspiel in Szene gesetzt. Der Stahl wird von mehreren Stahlwerken zur Verfügung gestellt.

Bereits Anfang April 2026 begannen erste Proben in Salzgitter und Eisenhüttenstadt. Darstellende erhielten einen Einblick am Hochofen, in der Stranggussanlage, bei Kran- und Lokführern und an den Bändern. Ab Mai 2026 reist der Ozeanblaue Zug mit der Vorstellung HÜTTENWERK nach Frankfurt (Oder), Magdeburg, Gräfenhainichen, Salzgitter, Duisburg und Brake.

Das Theaterprojekt wird an Industriestandorten gespielt, an denen Stahl produziert oder umgeschlagen wird, die Vorstellung wird im weltweit einzigartigen Theaterzug auf Gütergleisen gespielt. Das Publikum erlebt die Vorstellung als Stationentheater an und in verschiedenen Waggons.

HÜTTENWERK

Eisenbahntheater über die Stahlindustrie Wissenschaftshafen, Niels-Bohr-Straße 51, 39106 Magdeburg

Freitag, 29.05.2026 um 19:00 Uhr

Samstag, 30.05.2026 um 19:00 Uhr

Sonntag, 31.05.2026 um 19:00 Uhr

Tickets: www.das-letzte-kleinod.de

Die Vorstellung dauert ca. 90 Minuten, findet unter freiem Himmel statt und ist nicht barrierefrei.

Buch und Regie Jens-Erwin Siemssen

Ensemble Kristina Günther, Lisa Indorf, Sophia Hahn, Anna Pasieka, Jens-Uwe Richter, Oliver Walter, Margarita Wiesner"



Mittwoch, 13. Mai 2026

 Public Hearing mit „WASSERSTANDSMEINUNGEN“

·     Intel-Aktie mit über 100 US-Dollar auf Allzeithoch!
·     Ölpreis auf über 100 US-Dollar je Fass gestiegen!
·     Der Elbpegel nach 2025 auf neuem Allzeittief?

Wasser. Ein emotionales, alltägliches, politisches und zugleich existenzielles Thema – besonders in Magdeburg. Auch wenn Intel Geschichte ist: Fragen nach Veränderung, Bewahrung und Transformation bleiben. Und Wasser ist eines der Themen, das früher oder später wieder auf dem Tisch liegt.

Dieser „Tisch“ wird am Sonntag, dem 2. August 2026, im Rahmen eines Kulturprogrammes „gedeckt“:

„Wasserstandsmeinungen“ – Ein Sonntagsnachmittagsvergnügen

Nicht (nur) fiktional katastrophal, sondern auch positiv konstruktiv!

Einladung an Magdeburg, gemeinsam über Wasser, Wandel und Zukunft ins Gespräch zu kommen.

Mit der Gruppe von Mitstreitern ist es mir ein Anliegen, „Transparenz von unten“ zu unterstutzen: Besser verstehen, besser leben, miteinander ins Gespräch kommen. Mit „Wasserstandsmeinungen“ starten wir ein neues Format, das in Zukunft in unregelmäßiger Folge auch andere Themen aufgreifen wird.

Worum geht es? Im Sommer 2026 planen wir eine offene Sonntagsnachmittagsveranstaltung. Ein Ort zum Zuhören, Mitreden, Mitmachen – draußen, ohne Eintritt, ohne Anmeldung, mit Picknick, Musik und Kunst.

Wir möchten einen Raum schaffen, in dem spontane Gespräche entstehen – auch zwischen Menschen mit gegensätzlichen Ansichten. Wenn Fachleute anwesend sind, können Hintergründe erklärt, Schwellen abgebaut und Widersprüche sichtbar gemacht werden. Kein Eintritt – Keine Anmeldung.

Der Ablauf (Stand Mai 2026):

Termin: Sonntag, 2. August 2026, 13:30–16 Uhr.

Ort: Elbtreppe am Magdeburger Domfelsen, Schleinufer 30.

2022 fand eine ähnliche Veranstaltung am Magdeburger Domfelsen statt.

Vorläufiges Programm:


  • Public Hearing: Hörspiel „Der Elbe-Ebbe-Algorithmus“ (ca. 15 Minuten) – Mithören als Impuls (Zum Hörspiel )
  • Wasserstandsmeinungen zu der Frage: Wie könnten sich die Wasserstände am Domfelsen in 10 bis 20 Jahren entwickeln? Kurzbeiträge von Fachleuten:
    • Prof. Rinke, Gewässerforscher.
    • Jörg Claus, Landwirt.
    • Paul Dörfler, Biologe.
    • Vertreter der Trinkwasserversorgung Magdeburg (angefragt). 
    • Aus literarischer Perspektive unserer Stadtschreiberin Anne Hahn.
    • Junge Leute erzählen von einem Brunnenprojekt in Afrika. 
    • Anschließend entwickeln sich vielleicht Gespräche in Kleingruppen. → Mitreden.
  • Musik: Live Looping Improvisation von Raschid Aliyev, vielleicht ein Chor. → Mitsingen.
  • Kunst: Malerinnen und Zeichner arbeiten live am Elbufer an Elbemotiven. → Mitmalen.
  • Picknick / Cake Sharing: Wer möchte, bringt Kaffee und Kuchen mit. → Mitessen.

Gefördert durch den Fachbereich Kulturförderung der Landeshauptstadt Magdeburg und der WoBau. 


Ansprechpartner: Herbert Karl von Beesten, Tel 0152 2606 11 79 beesten@kulturfrachtschiff.eu

Freitag, 23. Mai 2025

# 093 Intel – Hintergrundrauschen im Mai 2025

Was tut sich auf dem Intel-Grundstück auf dem „Eulenberg“?

Die High-Tech-Park-GmbH des Landes Sachsen-Anhalt setzt die Erschließung des Geländes weiter fort. Im Mittelpunkt steht aktuell die Errichtung eines Umspannwerkes für die Versorgung des Areals mit elektrischer Energie. Zu diesem Zweck finden umfangreiche Arbeiten statt, die die Gesellschaft „50Hertz“ beauftragt hat. Als Hauptfirmen sind dort STRABAG und Siemens tätig, zu sehen auf den von mir im April 2025 geschossenen Fotos vom Gelände. Wenn ich die Informationen aus der Presse richtig interpretiere, wird die erste Ausbaustufe nicht die Leistung bereitstellen, die für die ersten beiden Intel-Chip-Fabs notwendig gewesen wäre. 



Auch das gehört zur Transformation: Die komplette Baumschulen-Siedlung wurde seinerzeit von der Stadt Magdeburg gekauft und gehört nun zum Intel-Areal. Die Siedlung ist nicht mehr bewohnt, wartet, verfällt zusehends und lockt mit ihrem morbiden Charme Menschen an, die die Zeit bis zur endgültigen Entscheidung nutzen, um sich dort auszutoben oder nach noch Brauchbarem zu suchen. Manches davon wird dann doch wieder liegengelassen. Mit einem Bild habe ich versucht, diese Stimmung einzufangen.
Stimmung in der verlassenen Baumschulensiedlung auf dem Intel-Gelände

Intel beauftragte eine Gesellschaft mit der landwirtschaftlichen Nutzung ihres Geländes. So soll dort Mais angebaut werden, um eine Wiederbesiedlung der Fläche durch geschützte Feldhamster-Populationen zu verhindern. Es bleibt abzuwarten, ob und welche Tierarten sich dort trotzdem ansiedeln werden.


Gibt es Alternativen zu Intel?

Auch wenn sich das Kernareal von ca. 400 Hektar weiter im Besitz von Intel befindet, schauen sich die Stadt Magdeburg und das Land Sachsen-Anhalt nach potentiellen großen und mittleren Ansiedlungen für die insgesamt ca. 1.000 Hektar große Fläche um. So zum Beispiel auf internationalen Immobilien-Messen. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze forderte mehr Rüstungsindustrie in den ostdeutschen Bundesländern („MDR“), und ich vermute, dass er dabei auch an den Eulenberg gedacht haben könnte. Immerhin kann Magdeburg hier an eine Tradition anschließen, die auch von Intel in einem gewissen Maße weitergeführt worden wäre.

 

Wie „tickt“ Intel selbst?

Ob Intel nun kommt oder nicht – und die Intel-Entscheidung bis Oktober 2026 noch aufgeschoben wird, ist nicht abzusehen. Der Konzern wird abhängiger von den wirtschaftlichen und politischen Randbedingungen in seinem Stammland Amerika werden. Die eigene wirtschaftliche und technologische Krise dauert an: 20% des Personals stehen zur Disposition. Investitionen werden gestreckt. Der Börsenkurs könnte eine Übernahme und dann die Aufteilung des Konzerns begünstigen. Der neue Intel-CEO, Tan Lip-Bu, ist nicht unumstritten („Handelsblatt“). Die Politik, auch Ministerpräsident Reiner Haseloff, forderte eine baldige Entscheidung vom neuen CEO („Volksstimme“). Im Prinzip „sitzt“ Intel ohne zeitlichen Bauzwang auf dem Gelände. Magdeburg hat nur ein Vorkaufsrecht, vermutlich zu dem Preis, den auch ein potenzieller Käufer zahlen würde. Welche Flexibilität Stadt und Land innerhalb eines solchen Vorgangs haben, wird sich möglicherweise zeigen, wenn eine Offenlegung der Verträge erfolgt. Die aufwendige Genehmigung für die Errichtung der zwei Chip-Fabs, erteilt im September 2024, läuft nach einer Frist von zwei Jahren aus und müssten erneuert werden. Eine Genehmigungsverfahren für den eigentlichen Betrieb der Chip-Fabriken ist meines Wissens von Intel noch nicht in Gang gesetzt worden.

 

Was ist mit dem runden Tisch zur Transformation? geworden?

Es haben sich in den angekündigten Treffen (erstes Treffen) insgesamt 12 Personen zusammengefunden. Den größeren Teil der Teilnehmenden kannte ich schon von meinen Veranstaltungen aus dem letzten Jahr (2024) in der Stadtbibliothek, andere folgten den von mir platzierten Einladungen in der Magdeburger „Volksstimme“.

KI-generiertes Bild mit MS-Creater
Wie weiter?
Die Runde entwickelte sich zu einem Männerclub im Alter von ca. 30 bis 75 Jahren, geschätztes Durchschnittsalter ca. 60 bis 65. Wir suchten nach einem gemeinsamen Transformationsthema außerhalb der zurückgestellten „Intel-Ansiedlung“. Mit dem wollten wir uns in den nächsten Monaten beschäftigen und das Ergebnis in einer öffentlichen Veranstaltung präsentieren. Danach sollte eine neue Aufgabe angegangen werden. Es waren engagierte Teilnehmer in der Runde, die sich gern für eine von ihnen favorisierte Frage zur Transformation einsetzen wollten. Als erstes konzentrierten wir uns auf die Magdeburger Stadtplanung und es fand eine Begehung eines Planungsgebietes im Bereich des Hasselbachplatzes statt. Aber in der Gruppe wurde das Ziel wieder infrage gestellt. So ging es auch mit anderen Themen, wie z.B. der Durchführung einer Umfrage bei Menschen, die sich an der Elbtreppe am Domfelsen aufhalten: Was ist ihnen wichtig? Was sollte man in Magdeburg verändern oder was ist zu verbessern? Andere ungewöhnliche Ideen fanden auch keinen Konsens. So wunderte es nicht, dass die Treffen für alle Beteiligten unbefriedigend waren und dass ohne Themensetzung durch eine Art Leitung kein gemeinsamer roter Faden gefunden werden konnte. So pausiert die Runde erstmal bis auf Weiteres. 

 

Resümee:

Die Intel-Ansiedlung wird immer unwahrscheinlicher. Es wird spannend werden zu sehen, welche Ansiedlungen dort ihre Heimat finden werden. Das Areal am Eulenberg bietet dafür viele Möglichkeiten, und es ist zu hoffen, dass die damit verbundenen Transformationen transparent den Magdeburgern und Magdeburgerinnen kommuniziert und auch von ihnen mitgestaltet werden können. Da hätte dann ein Transformationsstammtisch wieder eine konkrete Aufgabe. 

Mittwoch, 26. März 2025

# 088 TRT - Transformation-Roundtable am 10.3.2024

Protokoll: TRT - TransformationRoundTable am 10.3.2024 von 17:00 bis 18:30 Uhr im kreALTiv-Labor, Brandenburger Str. 9, Magdeburg.

 Gesprächsführung/Protokoll: Herbert Karl von Beesten (HKvB)

  • 10 Personen stellten sich gegenseitig vor, mit ihren Interessen und Ideen. Die sind vielseitig und in einer Art Brainstorming kamen folgende Ideen/Anregungen zusammen:
    • Energie sparen / Warum wird die Tangente beleuchtet? /PV-Anlagen
    • Campingplatz mitten in der Stadt oder auf der Elb-Insel
    • Infragestellung/Veränderungen des Konsums, was können wir uns noch leisten?  (Graswurzelbewegung, Nachhaltigkeit, Steinzeit 2.0)
    • Kreislaufwirtschaft
    • Wandel in der Industrie. Was passiert mit dem Intel-Gelände. Welche Firmen passen?
    • Attraktivere Innenstadträume – Transformation von der Einkaufscity zu anderen Schwerpunkten?
    • Ulrichplatz-Bebauung

  • Beim nächsten Treffen am 7.4.25 um 17 Uhr in der Stadtbibliothek (HKvB klärt Raum) werden die Erkenntnisse ausgetauscht. HKvB wird etwas zum Thema „Promenadologie“ und den Gedanken dazu von Lucius Burckhardt erzählen Lucius Burckhardt – Wikipedia.

  • Unsere Gruppe hat die Möglichkeit, sich innerhalb des Vortrages von HKvB am 4.4.2025 ab 17:30 anlässlich der „Nacht der Bibliothek“ in der Bibliothek sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Felix und Max wollen dabei sein.

Mittwoch, 12. März 2025

# 087 Transformationen am Magdeburger Stammtisch - im März 2025

Ein Stammtisch in Magdeburg im Winter 2021: In einem Magdeburger Kulturzentrum kann sich wieder eine kleine, engagierte Runde von Menschen treffen, auch, um über die lokale Politik zu diskutieren. Die Stimmung ist gedrückt. Die Corona-Wirren stecken noch in den Knochen, gescheitert ist die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas. Die Inflation steigt. Einige am Tisch müssen am nächsten Morgen wieder sehr früh raus, damit sie als Pendler noch rechtzeitig vor den Staus Wolfsburg erreichen können. Andere fragen nach den Verdienstmöglichkeiten der Pendler und bedauern, dass solch lukrative Jobs in Magdeburg leider rar sind. Woher soll das Geld kommen für den viel teurer gewordenen Tunnel in der Innenstadt? Seit fast 10 Jahren wird daran gebaut, die Fertigstellung steht noch in den Sternen. Es geht nicht voran. Magdeburg eben. Wo bleibt der Optimismus, wo die Zuversicht?

Der Stammtisch im Sommer 2022: Intel will eine riesige Chip-Fabrik in Magdeburg bauen! Hoffnung! Bei einigen Euphorie. Es passiert etwas, Veränderungen stehen an, gut bezahlte Arbeitsplätze sind möglich. Magdeburg kann es doch. Silicon-Hill am Eulenberg. 400, 600, 1.000 Hektar Industriegebiet. 3.000, 10.000, 15.000 Arbeitsplätze. 10, 20, 30 Milliarden Investition, Rückenwind aus Berlin: Endlich ein ostdeutscher Leuchtturm von internationalem Format. Autobahnring, Ausbau der Nahverkehrsinfrastruktur, ICE-Züge im Hauptbahnhof. Der Tunnel ist fast fertig. Der FCM ist aufgestiegen. The sky is the limit! Aber auch Zweifel, Bedenken: Haben wir genug Wasser, was passiert mit den guten Bördeböden, Mieten und Immobilienpreise werden steigen. Woher die Energie? Stehen so viele Arbeitskräfte überhaupt zur Verfügung? Trotzdem Optimismus und Zuversicht!

Der Stammtisch im Frühjahr 2025: Intel kommt doch nicht. Enttäuschung am Tisch, bei einigen eher Aufatmen. Das beinahe inflationär zu nennende Anwachsen der Stimmen für Rechte, die Haushaltsprobleme in Stadt und Land und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Kulturszene werden diskutiert. Dann der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt. Schlimm. Wird die Sanierung der Stadthalle rechtzeitig bis 2027 abgeschlossen sein? Und zu welchen Kosten? Einige am Tisch müssen am nächsten Morgen wieder sehr früh raus, damit sie als Pendler noch vor den Staus Braunschweig erreichen können. Anderen reichen zwei Bier, mehr kann man sich bei den Preisen und den Magdeburger Verdienstmöglichkeiten nicht leisten, mäkeln die anderen. Die Stimmung: Magdeburg kann es nicht. Die Mieten und Nebenkosten sind gestiegen, trotzdem. Von den 500 Milliarden werden wir hier bestimmt wenig sehen, wenn überhaupt, heißt es. Es geht nicht voran! Wo bleibt der Optimismus, wo die Zuversicht?              

Konstruktiv in die post-intel Ära:
Der Nukleus des „anderen“ Round Table

Oder anders: Der Stammtisch im Frühjahr 2025: Intel wird wohl nicht mehr kommen. Angeregt von Thema „Transformation … –und was jetzt?“ kommen Magdeburger und Magdeburgerinnen zusammen, um sich gegen die depressive Stimmung, zu der leider auch der Anschlag auf dem Weihnachts- markt beigetragen hat, zu stellen. Transformation geht weiter, jetzt erst recht. Aber wie? Die großen Entscheidungen in dieser Richtung werden von der Politik und Verwaltung geprägt. Aber auch im Kleinen kann etwas passieren, in ihrer Stadt will sich die Bürger- und Bürgerinnenrunde engagieren und einmischen. Welche Chancen bieten sich nun auf dem Intel-Gelände? Aber die Gruppe entschließt sich, erstmal klein anzufangen, konzentriert sich auf die wichtigen Transformationsthemen „Energie und Wasser“ und wird sich das im Magdeburger Stadtteil „Altstadt“ genau ansehen. Wo ist Potenzial für Photovoltaik? Welche Ansätze gibt es dort nach dem Prinzip der Schwammstadt? Die Gruppe macht sich auf den Weg. Ein nächstes Treffen ist vereinbart und wird die ersten Erkenntnisse bringen. Es geht was.


Samstag, 21. Dezember 2024

# 077 Tradition und Transformation in der Magdeburger Börde – Flashback

Transformation ist in der Magdeburger Börde seit der geplanten Intel-Ansiedlung nichts Neues. Die Agrarlandschaft wirkte auch früher industrialisiert, etwa durch Ziegeleien, Zuckerfabriken, Eisenbahnen, Feldbahnen, Maschinenbau, Saatzuchtbetriebe.

Der Schriftsteller Albrecht Franke beschreibt in seinem Hörspiel „Remkersleber Vorbeimarsch“ Aspekte der Transformationsbewegungen in dem zur Gemeinde Wanzleben gehörenden Bördedorf. Heute ist Remkersleben ein Teil von Wanzleben und befindet sich so in der Nachbarschaft des gerade entstehenden High-Tech-Parks, im direkten Umfeld des Intel-Ansiedlungsgeländes.

Dass man das Thema Transformation als einen weit ausgreifenden gesellschaftlichen Prozess begreifen muss, also nicht nur im unmittelbaren Kontext mit der Industrialisierung, sondern dass sich durch Politik, Religion, Wirtschaft die Gesellschaft insgesamt bis in familiäre Strukturen hinein, verändert, wird in Albrecht Frankes Hörspiel deutlich.

Wir hören und sehen Aspekte dieser Transformationen in Remkersleben in den letzten 150 Jahren: Die Einflüsse fünf verschiedener politischer Systeme, die Wandlung der Bedeutung der Technik und Religion, die wechselnden hierarchischen Strukturen in der Börde, bis hin zur Veränderung der Einstellung zum Militarismus und dem Verschwinden des Bördeplatts, werden hier, angelehnt an eine authentische Familiengeschichte, deutlich. Aber keinesfalls verklärend und romantisierend, wie in manchen Remkersleber Erinnerungen des in dem Hörspiel zitierten Schriftstellers Franz Herwig (1880 – 1931).

Das Hörspiel ist eine Art Flashback des Autors mit Assoziationen, eigenen Erinnerungen und Zitaten aus Recherchen über die letzten 150 Jahre in Remkersleben.

Details und Uraufführung:

Weitere Details zu dem Hörspiel und eine Hörprobe sind auf Youtube unter https://youtu.be/jBQ5OstNv5U zu finden.

Die Uraufführung des Hörspiels im Beisein des Autors und des Produktionsteams wird am 24. Januar 2025 ab 18 Uhr im Remkersleber Bürgerhaus (Hauptstr. 17, 39164 Wanzleben-Börde Ortsteil Remkersleben) stattfinden.

Dienstag, 30. Juli 2024

# 059 Das Protokoll der „Intel-Anhörung“ vom 29. Mai.2024

... über Wasser, Abwasser, Klima-, Boden-, Arten- und Naturschutz, Energie und Immissionen.

Mir liegt seit Kurzem das ausführliche Protokoll des öffentlichen Erörterungstermins der Einwendungen gegen die erste Teilgenehmigung der Intel-Ansiedlung vom 29. Mai 2024 vor.

Genau gesagt: Es ging es um Einwendungen gegen den

„Antrag der Intel Magdeburg GmbH zur Errichtung einer Halbleiterfabrik zur Herstellung von elektronischen Bauelementen einschließlich Tests auf Basis von Siliziumtechnologien unter Einsatz von Substraten am Standort Magdeburg“

Parallel habe ich das 149-seitige Protokoll nur bei der „Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft - DBG“ über einen Download-Link entdeckt. Hier der Download-Link:  https://www2.dbges.de/assets/Aktuelles/Intel_Schwarzerde/Wortprotokoll-EOeT-29.-Mai-2024.pdf

Das Protokoll ist eine passende Ergänzung zu meinem Blogbeitrag über die gleiche Veranstaltung, siehe Aufwärtskompatibel? Neue Industriekultur in Magdeburg durch Intel?: # 055 Ja und Amen? Die Anhörung. (herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com)

Das Protokoll gibt recht genau die „Zwischentöne“ wieder und erinnert daran, dass noch manches endgültig geklärt werden muss, was mitunter als schon gegeben dargestellt wurde. Es wird auch deutlich, dass die Wassergewinnung für die Fabrik nicht Gegenstand des Genehmigungsverfahrens ist.

Wenn jemand Anmerkungen oder Hinweise zu dem Protokoll hat, gern per Mail an: Beesten@HerbertBeesten.de

Mittwoch, 5. Juni 2024

# 055 Ja und Amen? Die Anhörung.

Beobachtungen beim: Öffentlichen Erörterungstermin der Einwendungen zum Genehmigungsverfahren für die erste Teilgenehmigung zur Intel-Ansiedlung am 29. Mai 2024 in Magdeburg.

So kompakt und nominal klang das in der Magdeburger Johannis-Kirche. Über die Veranstaltung haben im Nachgang viele regionale, überregionale sowie ausländische Medien, wie Volksstimme, MDR, Radio SAW, FAZ, dpa, Deutschlandfunk, Tagesschau, wallstreet ONLINE, Kronenzeitung etc,. berichtet. Widerhall fand sie auch in den online-Nachrichten der Börsen- und Finanzwelt. Das Narrativ von der „Schwarzerde“ macht seitdem bei LinkedIn-Usern die Runde. In den Artikeln und Berichten sind die fachlichen Details und die Vielfalt überschaubar, weil sie sich inhaltlich zumeist auf die gleiche dpa-Meldung beziehen. Für diejenigen, die sich schon länger und intensiver mit dem Thema beschäftigt haben oder aufmerksame Leser und Leserinnen dieses Blogs sind, gab es grundsätzlich und inhaltlich in der Veranstaltung nicht viel Neues. Einige Details während der Erörterungen waren allerdings interessante Ergänzungen. Ich möchte die atmosphärische Stimmung, das Setting und die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte hier in den Mittelpunkt stellen. Wegen der Vielzahl der Personen verzichte ich auf die Nennung von Namen.

„Gottes Wort mit uns in Ewigkeit“ steht in goldenen Lettern am Denkmalsockel der Statue eines übergroßen Martin Luther. Die Johannis-Kirche im Rücken, in der Rechten die Bibel, die Linke auf dem Herzen, schaut er mit festem Blick auf das auf Rathaus gegenüber.

Der sonnige Maivormittag macht mir die Fahrrad-Anfahrt möglich, vorbei an dem Martin-Luther-Denkmal zu den noch reichlich vorhandenen freien Plätzen an den Fahrrad-Anlehnungsbügeln. Ich bin wohl schon im zu erwarteten Bürokraten-Sprech-Modus.

Halb zehn, noch Zeit, mich umzuschauen und mit mir bekannten Menschen der Presse, der Stadtverwaltung, von Intel, auch mit einigen Einwendern und Einwenderinnen (wie sie hier genannt werden) ins Gespräch zu kommen. Doch zuerst einen Platz im Zuschauerraum sichern. Allerdings verwehren mir zwei stämmige Security-Herren den Zutritt: Zuschauer, also keine Verfahrensbeteiligte (wie ihre Bezeichnung hier lautet) erhalten erst kurz vor dem offiziellen Beginn Einlass.

Abwarten, was passiert. So schaue ich mich weiter um, entdecke weiteres Sicherheitspersonal. Eine Frau von der Pressestelle des Landesverwaltungsamtes trägt die Pressevertreter in eine Liste ein. Sie spricht mich auch an und trägt meine Kontaktdaten und die Webseite ein. Sie möchte im Nachhinein gern lesen, erklärt sie, was wir so schreiben. Auf dem der Kirche schräg gegenüberliegenden Parkplatz, fast diskret von einer hohen Hecke verdeckt, ein Kleinbus der Polizei.

Das Landesverwaltungsamt will wohl auf Nummer sicher gehen. Erwartet man Störungen oder sind das mittlerweile leider übliche Sicherheitsvorkehrungen? Oder befürchtet man ‒ die Ereignisse bei Tesla in Grünheide im Hinterkopf ‒ ein Umschwenken von Teilen der Bevölkerung, weg von der bisherigen insgesamt eher braven Pro-Intel-Stimmung?

Reformation früher / Transformation heute? In einigen Wochen jährt sich zum fünfhundertsten Mal das spontane und flächendeckende Umschwenken fast der gesamten Magdeburger Bevölkerung und Kirchen vom katholischen zum evangelischen Glauben. In dieser St.-Johannis-Kirche hat Martin Luther am 24. Juni 1524 Klartext gepredigt. Der Beginn der Magdeburger Reformation. Steht am gleichen Platz hier heute ein wichtiger Schritt zur Transformation der Magdeburger Stadtgesellschaft bevor?

Mittlerweile lehnen sich viele Fahrräder an. Lässt das auf den Charakter der Zuschauer schließen? Aber ein Ansturm wie vor 500 Jahren – damals fasste das Kirchenschiff nicht die Zuhörer – ist hier nicht zu erkennen.

Einlass: Taschen und Rucksäcke müssen an der Garderobe abgeben werden, heißt es kurz vor zehn. Und: Bitte beachten Sie das Fotografier- und Filmverbot während der Veranstaltung. Etwas eingeschüchtert bin ich schon. Die hier präsentierten Fotos entstanden selbstverständlich legal vor und nach der Veranstaltung oder in der Pause.

Anspannung liegt in der Luft. Keiner weiß genau, wie das hier ausgehen wird. Zwischen entspannt-harmonisch und hektisch-kontrovers scheint alles möglich zu sein. Wer ist da? Ist jemand „auf Krawall gebürstet“?

Aus Gesprächen schnappe ich auf: Die Räumlichkeiten sind heute bis 21 Uhr reserviert, und wenn das nicht reicht, soll es morgen weitergehen. Gut, dass ich vorsorglich etwas zu trinken und Butterbrote eingepackt habe. Noch schnell zur Toilette im Kellergeschoss des modernen Kirchen-Anbaus im Bauhausstil. Dort erinnern die Reste einer Gruft an Otto von Guericke, den Innovator und Politiker des 17. Jahrhunderts, neben Kaiser Otto I. auch ein früher Influencer der „Otto-Stadt“ Magdeburg.

Das Setting und die Regie. Was sagt mir das gewählte „Setting“ des Veranstalters in der entweihten Kirche, die nach ihrer vierten Zerstörung im letzten Weltkrieg im Jahr 1999 auferstand aus einer Ruine als weltliches Veranstaltungs- und Konferenzzentrum?

Im erhöhten, ehemaligen Altarraum, zentral an einem Tisch, die schwarz-weißen Kirchenfenster im Rücken, drei „Hohepriester“ des Landesverwaltungsamtes. In der Mitte die Moderatorin und Leiterin, die souverän in die Veranstaltung einführt und noch ein beachtliches Textpensum absolvieren wird. Die beiden Herren links und rechts schweigen und werden nach meiner Beobachtung auch im Verlauf der offiziellen Veranstaltung kein Wort sagen. Alle stellen sich persönlich vor, nur die beiden lassen sich von der Moderatorin präsentieren. Sind sie „Back-ups“ oder Aufpasser?

Rechts, vom Zuschauerraum aus gesehen, auf gleicher Höhe, schräg aufgestellt eine Tischfront, dahinter noch zwei weitere Tischreihen mit insgesamt ca. 20 Vertretern der „Antragsstellerin“, also mit Personen von Intel oder mit von Intel beauftragten Personen. In der ersten Reihe links ein Rechtsanwalt, der sich als eloquenter Wortführer der Intel-Interessen herausstellen wird. Daneben in der ersten Reihe weitere Berater und Beraterinnen von Intel für spezielle Fachfragen. In der zweiten und dritten Reihe sind auch einige nur Englisch sprechende Mitarbeiter von Intel, die über Kopfhörer eine Simultanübersetzung hören können. Von der zweiten und dritten Intel-Reihe wird man im Verlauf der Veranstaltung nichts öffentlich hören, außer von der Geschäftsführerin der „Intel Magdeburg GmbH“, die auch in der hinteren Reihe ihren Platz hat. Sie eröffnet den Vortragsreigen zu Beginn mit einem „Goodwill speech“ als atmosphärischer Lockerungsübung, unterstützt durch repräsentative und gestylte PowerPoint-Folien auf dem Großbildschirm, der wie von unsichtbaren dünnen Fäden über dem Intel-Team in der Schwebe gehalten wird. Wir sind gekommen, um zu bleiben und wollen eine gute Nachbarschaft. Das ist der Kern ihrer Botschaft.

Links im Altarraum ‒ oder nennen wir ihn doch lieber Bühne? ‒ auch eine schräg aufgestellte Tischfassade und eine zweite Reihe dahinter, mit ca. 15 Plätzen für die Vertreter und Vertreterinnen der Unternehmen, die für die Infrastruktur des Projektes verantwortlich sind: SWM (Stadtwerke Magdeburg), HTP (High-Tech-Park-Sachsen-Anhalt), TWM (Trinkwasserversorgung Magdeburg), Gelsenwasser (Abwasserreinigung) und Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt.

Die drei, mit cremefarbenen Tischhussen repräsentativ ausgestatteten Tischfronten, präsentieren sich pompös und öffnen sich zum drei Stufen niedrigeren Zuschauerraum. Dort vorn zwei nackte Tischreihen (also ohne Hussen) für insgesamt ca. 30 Einwender und Einwenderinnen mit Blickrichtung auf die erhöhte Bühne. Nicht alle Plätze sind dort besetzt. Dahinter im ehemaligen Kirchenschiff die Stuhlreihen für die „Passagiere“, die bei den öffentlichen Erörterungen mitgenommen werden möchten. Rederecht haben sie nicht, wird von der Moderatorin klargestellt. Jeder der Plätze an den Tischen, oben wie unten, ist mit einem Mikrofon ausgestattet. Wie überhaupt alles Technische gut ausgestattet und im Ablauf gut organisiert ist.

Publikum. Ich habe den Eindruck, dass mehr Menschen an den Tischen auf und vor der Bühne sitzen als auf den Einzelsitzen im Zuschauerraum. Aber die Reihen füllen sich nach und nach weiter mit vielleicht 100 bis 120 Personen. Hier und da entdecke ich Kommunal- und Landespolitiker und Politikerinnen. Vor mir verfolgen die Wirtschaftsbeigeordnete und der Baubeigeordnete der Stadt Magdeburg interessiert die Vorträge von den Zuschauerrängen aus. Gefühlt bleiben ca. 200 Stühle im Zuschauerraum leer. Warum ist das Interesse nicht größer? Sollte für die Magdeburger und Magdeburgerinnen schon alles in trockenen Tüchern sein? Die Einwender und Einwenderinnen bekamen keine Extra-Einladung, da der heutige Termin mehrfach öffentlich in der Zeitung und im Amtsblatt ausgewiesen war. Andererseits ist ein Tagestermin, aus dem auch zwei Tage werden könnten, für die arbeitenden Menschen schwierig einzurichten. Ich freue mich über meine „privilegierte“ Situation, die mir die Teilnahme ermöglicht.

Wasser. Gleich zu Beginn geht es um die Wasserversorgung. Woher kommen die ca. sieben Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr? Die Intel-Vertreter können sich bezüglich der Wasserversorgungsproblematik formal zurücklehnen, da die Stadt Magdeburg in den Verhandlungen die Versorgung mit geeignetem (Trink)Wasser vertraglich garantiert hat. Der Rechtsanwalt und Intel-Redeführer weist auch darauf hin, dass deshalb die Frage, woher das Wasser kommt, nicht Gegenstand dieses Genehmigungsverfahrens ist. Das Verfahren ist im Übrigen (nur) eine Teilgenehmigung für den Bau der Anlage. Später (2025, 2030?) wird noch eine weitere (Teil)Genehmigung für den Betrieb der Anlage notwendig werden. Trotzdem wird von einem Vertreter der Gemeinde Burgstall – nördlich von Magdeburg gelegen – eine weitere extreme Absenkung des Grundwassers sehr befürchtet. Es wird in den Diskussionen deutlich, dass das in einem Video https://youtu.be/GssEFGhRjjk?si=-_xKEhiRputtsclS auf der Homepage der Stadt Magdeburg vorgestellte Konzept (kurz: Wasser aus der Elbe über den Mittellandkanal in die Ohre zur weiteren Versickerung als Grundwasser für das Wasserwerk in Colbitz leiten) noch nicht mit realen Planungen und Konzepten unterlegt ist, es somit fraglich ist, ob es auch funktioniert und in einem anderen Verfahren genehmigt werden muss.

Vom „pro Elbe e.V.“ wird gefordert, dass eine Wasserentnahme aus der Elbe nur beim Wasserstand oberhalb des mittleren Pegels erfolgen dürfe. Dass die Erhöhung der Fördermengen für die Versorgung von Intel dem Niveau um 1990 entspricht und die derzeitige geplante Entnahmemenge selbst bei niedrigem Elbpegel nur ca. 1% des Durchflusses entspricht, ist für die Einwenderin nicht überzeugend. Auch wenn die TWM auf ausreichende Wasserrechte aus „alten DDR-Zeiten“ verweist. Der Aspekt des seitdem fortgeschrittenen Klimawandels und die weiteren Wasserentnahmen durch neue Industrieanlagen entlang der Elbe bedeutet für die Einwender eine ungünstige Perspektive für die Elbe und Grundwasser. Die Wasserprobleme werden nicht kleiner. Aber, wie gesagt, strenggenommen ist das Thema „Wasser“ gar nicht Gegenstand dieses hier verhandelten Genehmigungsverfahren.

Abwasser. Ich bin nicht sicher, ob ich den Hinweis des Rechtsanwaltes und Intel-Redeführers richtig verstanden habe, dass auch das Thema Abwasser nicht Gegenstand der beantragten Genehmigung sei. Die Stadt Magdeburg oder die HTP-Sachsen-Anhalt bzw. die von ihr beauftragte Gelsenwasser-AG hat die Aufgabe, das Problem zu lösen, möglicherweise mit einem anderen Genehmigungsverfahren.

Übrigens: „Das ist nicht Gegenstand dieses Genehmigungsverfahrens!“ und „Das Thema ist bislang hinreichend erörtert und ich beziehe mich auf die bisherigen Stellungnahmen in diesem Verfahren!“, sind die vom Intel-Wortführer an diesem Tag gebetsmühlenartig gebrauchten Sätze. Aber dafür hatte er bei der Einführung schon um Nachsicht und Verständnis gebeten, weil formal-juristisch notwendig.

Trotzdem stellt einer der Einwender die Frage, ob die Vertreterin der Fa. Gelsenwasser, die auf die Trinkwasser-Qualität am Abfluss der zukünftigen Kläranlage hinwies, das Wasser auch selbst trinken würde. Darauf antwortet sie nicht. Es wird aber deutlich, dass das „Trink-Abwasser“ nicht die ausreichende Qualität haben wird, um es wieder dem Prozess der Reinstwasser-Aufbereitung für die Chip-Produktion zuzuführen. Schade, das wäre ein wünschenswertes Wasser-Abwasser-Wasser-Kreislauf gewesen. Die Frage der „pro Elbe e.V.“-Vertreterin nach PFAS, den so genannten Ewigkeitschemikalien im Abwasser, wird wie andere Fragen und Hinweise vom Landesverwaltungsamt im Rahmen der Genehmigungsprozedur zu Protokoll genommen und im weiteren Verfahren von der Genehmigungsbehörde bewertet.

Nun geht es in eine 30-minütige Mittagspause. Danach sind weniger Zuschauer zu sehen und auch einige Plätze bei den Einwendern nicht mehr besetzt. Die Mittagssonne lässt die vor einigen Jahren neu gestalteten Kirchenfenster im südlichen Seitenschiff der Johanniskirche intensiv und farbig aufflammen.

Boden. Ein ausführlich behandelter Diskussionspunkt ist der Bodenschutz. Die Vertreter vom BUND und von einer Vereinigung zum Bodenschutz tragen ihre Bedenken engagiert und fachkundig vor, sodass ich den sich entwickelnden Fachgesprächen zwischen Einwendern und Vertretern des HTPs sowie der Stiftung Kulturlandschaft kaum folgen kann. Aber es ist trotz unterschiedlicher Einschätzungen ein sachlicher und respektvoller Umgang, wie es anfangs und auch zwischenzeitlich von den Personen auf der Bühne gewünscht wurde. Beim Bodenabtrag gibt es anscheinend eine Aufgaben- und Verantwortungsteilung zwischen der HTP und Intel, sodass beide für eine Lösung in der Pflicht stehen. Es wird – ähnlich wie bei der Wasserfrage - deutlich, dass das bisher in den Genehmigungsunterlagen dargestellte sehr pauschale und einfache Konzept nicht greift und grundsätzliche Konzepte und Verfahren noch erarbeitet werden müssen.

Mich überrascht, dass in der ersten Ausbaustufe (mit zwei Chip-Fabs), entgegen vielen Befürchtungen nur ca. 15% der Fläche versiegelt werden sollen. Wie das bei insgesamt acht Chip-Fabs aussehen wird, ist nicht Gegenstand dieses Genehmigungsverfahrens. Ich bin erstaunt, wie komplex auch das Thema „Boden“ ist und wie viele Vorschriften und Gesetze beachtet werden müssen, bevor der Boden transformiert werden darf. Die Vertreter der HTP teilen mit, dass aktuell für über eine Million Kubikmeter Boden Abnehmer in Aussicht stehen.

Da am heutigen Tag in der „Volksstimme“ berichtet wird, dass der Baustart um ein weiteres Jahr, jetzt auf 2025 verschoben wird, ergibt sich auch hier Möglichkeit, dass die Konzepte und Planungen für die Entfernung der Schwarzerde nicht mehr mit der heißen Nadel gestrickt werden müssen.

Naturschutz. Intensiv wird die Diskussion noch einmal beim Arten- und Naturschutz, als es um die gefährdeten Feldhamster- und Feldlerchenpopulationen geht. Ich habe die Gelegenheit, auch zu diesem Thema einiges Neue zu lernen, auch die Wichtigkeit zu erkennen, und warum dieses Thema nicht belächelt werden darf. In einem FAZ-Artikel wird zwei Tage später unseriös getitelt werden, als ob versucht würde, mit acht Feldhamstern eine 30-Milliarden Investition zu verhindern. Im Gegenteil: Bei den Einwendern war von so einer Forderung überhaupt nicht die Rede.

Abschluss. Es ist nicht einmal 16 Uhr und alle Punkte sind schon abgehandelt. Die Versammlung löst sich nach vorsichtigem Beifall und Klopfen auf. Hier und da entstehen Grüppchen, die diskutieren. Einige Medienvertreter machen noch Filmaufnahmen, interviewen Vertreterinnen von Intel als auch Einwender. Es macht sich eine entspannte Erleichterung, ein Aufatmen bei fast allen Beteiligten breit, wie das abschließende, entlassende und entlastende Amen in der Kirche.

Eine Einwenderin ist nicht zufrieden und sagt mir, dass sie sehr genau in das Protokoll schauen und verfolgen wird, inwieweit ihre Einwendungen in dem weiteren Prozess Niederschlag finden werden. Also ist möglicherweise die letzte Messe noch nicht gesungen.

Mein Resümee. Ich habe schon öffentlichen Erörterungen zu städtischen Bebauungsplänen beigewohnt, bei denen es wesentlich lauter, hektischer und kontroverser zuging. Ich hätte es aber passender gefunden, wenn man eine Anordnung gefunden hätte, bei der auch die Einwender auf Augenhöhe gemeinsam mit den anderen Gruppen auf der Bühne positioniert gewesen wären. Das umso mehr, weil auch die Einwender so genannte Verfahrensbeteiligte sind, die Gruppe der „Infrastruktur“ formal nicht, wenn ich das richtig verstanden habe.

In dem gesetzten Veranstaltungsrahmen wurde themenbezogen vorstrukturiert, die Leitung der Veranstaltung war trotzdem flexibel und offen. Es wurde immer wieder nach Wortmeldungen von den Einwendern gefragt. Fast alle Einwender und Einwenderinnen gaben zu Protokoll, dass sie dem Projekt prinzipiell positiv gegenüberstehen und nicht das Ziel haben, es zu verhindern. Das trug insgesamt zur kooperativen Stimmung bei. Die Einwender und Einwenderinnen sollten weiterhin mit ihren Argumenten ernstgenommen werden, denn sie erwarten ein Überdenken von vielen bislang noch nicht ausgegorenen Details des Vorhabens. Auch seitens der beteiligten Planer wurde deutlich, dass durch die zeitliche Verschiebung des Baustartes die zusätzliche Zeit genutzt werden muss, die Wasser- und Boden-Konzepte zu konkretisieren. Letztlich wird es darauf ankommen, was die Genehmigungsbehörde, also das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, der Antragsstellerin mit ins „Gebetbuch“ schreibt.

Da es sich bei dem Antrag um eine Teilgenehmigung handelt, werden weitere Genehmigungsverfahren im Kontext der Intel-Ansiedlung folgen. Hat aber der erste große Genehmigungsschritt erstmal den Segen, wird ein „Zurück“ immer schwieriger. Ist der „Point of no return“ schon erreicht? War das hier im Kirchenschiff die Kiellegung des großen Dampfers „Intel-Ansiedlung“ oder schon der Stapellauf?

Man wird abwarten müssen, ob die Einwände gegen das Genehmigungsverfahren letztlich zur Zufriedenheit der Einwender Eingang in die Umsetzung finden oder ob hier Anlässe für spätere gerichtliche Klärungen einen Ausgangspunkt haben. Ob die weitere Verzögerung des Baustartes ausschließlich an der noch ausstehenden „Formalie“ der Subventionsgenehmigung durch die EU liegt, wird sich erst bei tatsächlichem Baubeginn zeigen.  

Thema verfehlt? War das hier auch teilweise auch so? Ich bleibe verwirrt zurück, weil ich nach den   Aussagen der Veranstaltungsleiterin und des Intel-Vertreters nicht sicher bin, ob und welche der vorgebrachten Einwendungen überhaupt für die Teilgenehmigung relevant sind. Vielleicht beichtet mir der eine oder die andere, was tatsächlich relevant für das Verfahren war. Schließlich leben wir hier doch nicht in Kafkas Welten, auch wenn Kafka-Jahr ist.

Mein Fahrrad finde ich allein zwischen den Anlehnungsbügeln wieder und ich werfe beim Wegfahren noch einmal einen Blick auf die Luther-Statue. „Gottes Wort mit uns in Ewigkeit“, lese ich noch einmal. Besser ewig das Wort Gottes im Ohr als Ewigkeitschemikalien im Wasser, tröste ich mich.

Dienstag, 21. Mai 2024

# 052 Eine Klasse für sich - Natur oder Technik als Lehrmeisterinnen?

Was hat Stadtfeld-West (an der Schrote) mit Halle-Ost (an der Saale) zu tun?

Ich habe in den letzten Wochen zwei spezielle Klassenräume kennengelernt, die unterschiedlicher kaum sein können, aber doch etwas miteinander zu tun haben. Aber dazu später.

„Ottos grünes Klassenzimmer“

Anfang Mai traf ich Felix Bosdorf und weitere Mitglieder der Initiative „Otto pflanzt!“ e. V. in „Ottos grünem Klassenzimmer“. Ein ehemaliger Schulgarten in Stadtfeld West, zuletzt zu DDR-Zeiten bewirtschaftet. Nach dem Eintritt durch das offene Gartentor: Links und rechts wuchernde und schon voll im Saft stehende wild verwachsene Bäume und Sträucher. Mir fällt spontan „Grüne Hölle“ ein. Diese Bezeichnung wäre umso berechtigter, wenn man von den gepflegten Parkanlagen beiderseits der Schrote oder von der nüchternen Harsdorfer Straße in dieses vergessene Gartenreich kommt.  

Aber so möchte Felix das schätzungsweise vier- bis fünftausend Quadratmeter große Areal zwischen Schrote, Gartenparzellen des Kleingartenvereins „Eichelschanze“ und den Plätzen des Tennisklubs „Germania“, nicht genannt hören. „Hölle“ könnte negativ konnotiert sein, Kindern Angst machen, meint er. Was passt besser?, frage ich ihn. „Paradies?“, ist seine Idee? Vielleicht sogar „Green Paradise?“, lege ich nach. Nein, vom „Paradies“ möchte er doch Abstand nehmen. Also einigen wir uns auf „Grünes Klassenzimmer“, sollen hier doch ab dem nächsten Schuljahr Schüler und Schülerinnen der benachbarten Montessori-Schule mithelfen, diesen alten Garten zu wecken, ihn zu beleben ‒ und dabei gleichzeitig etwas lernen.

Birgit Habenicht in Aktion

Dafür wird im wahrsten Sinne des Wortes das (Lern)-Feld vorbereitet. Ich treffe auf Birgit Habenicht, Lehrerin im Ruhestand. Mit Arbeitshandschuhen, Schubkarre und Gartenschere ausgestattet, sucht sie Altholz und Baumschnitt zusammen, um damit ein Totholzbiotop anzureichern oder einen Flechtzaun weiterzubauen. Sie kann sich auch vorstellen, später im Garten dort die Kinder der Klassen eins bis vier im Garten zu betreuen. Von wegen Ruhestand! Später kommt Ralf Dounz-Weigt dazu, der dieses Areal entdeckt hat und über seine Verbindung zur Montessori-Schule den Lernort der besonderen Art anbieten möchte. 

Flechtzaum um einen Apfelbaum

„Otto pflanzt!“ hat sich noch viel mehr vorgenommen. Einige der 242.000 Bäume, die der Verein auch als Stadtwald-Projekt anpflanzen möchte, werden hier ihre Wurzeln schlagen, denn der alte Baumbestand soll durch junge Obstbäume ergänzt werden. So werden die Kinder mit den Bäumen aufwachsen, Apfel-, Birnen- und Beerensorten kennenlernen, eine Ahnung von dem Nutzen einer Streuobstwiese bekommen und begreifen, dass Apfel nicht gleich Apfel ist. Und: Wie sieht ein Johannisbeerstrauch aus? Was ist das für ein Kraut, warum gibt es mal mehr weiße, mal gelbe und dann wieder viele rote Blüten?  

Ist es nicht weltfremd, heutige Stadtkinder mit Gartenthemen von TikTok, dem Fernsehen und anderen kommerziellen Kids-Events weglocken zu wollen? Da sprechen die Erfahrungen eine andere Sprache, berichtete mir Felix. Die Gartenwelt kann für Kinder ein Abenteuerplatz sein, eine vertraute Wildnis, eine nützliche Ressource oder ein Versteckspiel-Dorado. Gerade diese natürliche Vielfalt, die sich in den letzten zwanzig, dreißig Jahren hier entwickelt hat, sei besser als viele Social-Media-Klicks und Likes, wenn die Kinder das erstmal kennen- und liebengelernt haben. Innerhalb von Schulprojekten habe die „Otto pflanzt!“-Crew schon positive Erfahrungen gemacht, so dass neben Aktionen in der Schule die Kinder sogar in der Freizeit ihren Eltern mit Begeisterung beim Bäumepflanzen geholfen haben.

Unser Gespräch wird immer wieder von lautem Motorengeräusch gestört. Eine Motorsense als mechanische Machete, um Freiflächen für das grüne Klassenzimmer zu schaffen?, fährt mit durch den Kopf.

Brunnenloch mit Grundwasser

Es ist eine Motorpumpe, stellt sich heraus. Ein Mitarbeiter einer Brunnenfirma ist dabei, einen alten Grundwasserbrunnen zu reaktivieren. Ein Rohr steckt senkrecht in der Erde, einen halben Meter über und fünf, sechs Meter tief in der Erde. Tatsächlich, in circa 1,8 Meter Tiefe ist der Wasserspiegel zu erkennen. Der Brunnen ist ergiebig, das Wasser aus dem Pumpenschlauch wird gleich in große Tanks gefüllt, für trockene Zeiten. Felix, Birgit und Ralf stehen zusammen, ihre Freizeit- und Arbeitskleidung lässt sie zupackend aussehen. Sie freuen sich, dass der Brunnen funktioniert und so der Garten auch in Zukunft bewässert werden kann. Wie es im Sommer aussehen wird, bleibt allerdings fraglich. Die benachbarte Schrote war in den letzten Jahren im Hochsommer immer wieder trockengefallen. Das war, wie Felix es aus den Erzählungen seines Vaters kennt, seit 1968 bis Anfang der 2000er-Jahre nur einmal vorgekommen, aber in den Jahren danach schon dreimal, was auf einen heute deutlich niedrigeren Grundwasserstand hindeutet. Aber vielleicht genügen die fünf Meter Brunnentiefe, auch wenn die Ergiebigkeit geringer sein wird.

Felix Bosdorf - Birgit Habenicht - Mitarbeiter
der Pumpenfirma -Ralf Dounz-Weigt

Apropos Wasser. Ich hatte Felix bei meiner Lesung mit Gespräch zu meinem Intel-Blog am Tag vorher in der Stadtbibliothek kennengelernt, bei dem auch ein Gewässerbiologe als Fachmann zugegen war. Felix fiel mir zu dem umstrittenen Thema „Intel und der Wasserverbrauch“ als engagierter Disputant auf. Ich erinnere mich, dass der Biologe vom Helmholtz-Institut es nicht sehr kritisch sah, wenn das Wasser als Uferfiltrat der Elbe entnommen würde, denn der Schutz des Grundwassers sei von viel elementarer Bedeutung. Das könnte doch eine praktische Unterrichtseinheit im grünen Klassenzimmer werden, rege ich an.

Baumkunst der Crew "Fruchtschnitten" (Obstbaumbeschneider)

Im weiteren Gespräch wird deutlich, dass es sich bei dem Verein „Otto pflanzt!“ nicht um naive Gartentraumwandler handelt, sondern dass sie auch konstruktiv auf das Thema Technik und Natur eingehen. Wenn es sich abzeichnet, dass das Intel-Projekt im Sinne der Magdeburger Realität wird, dann wollen sie als Verein mithelfen, für die Natur und ihre Ressourcen das Beste daraus zu machen. Dies feststellend, gibt Felix gleich ein Beispiel: „Wir sind keine Technikverweigerer, sondern setzen mit den Kindern auch mal die Handy-App „Flora Incognita“ oder andere Apps mit KI-Funktionen ein, um Pflanzen zu identifizieren, um mehr über sie zu erfahren. Aber etwas exotisch wirkt für mich die Verstellung doch: Ein Handy mit KI-App in dieser grünen Naturvielfalt.

Bei meiner Recherche zu diesem Beitrag schaute ich mir auf der Webseite https://www.ad-magazin.de/artikel/pflanzen-apps noch andere Pflanzenerkennungs-Apps an, und, Zufall oder KI-Algorithmus, es poppte prompt eine Web-Anzeige von Intel mit www.jobs.intel.com.germany auf. 

„Classroom for the future“

Intel. Ich erinnere mich an eine Parallelwelt zu „Ottos grünem Klassenzimmer“, an meine Teilnahme an der feierlichen Eröffnung des „CLASSROOM OF THE FUTURE“ am 19. April 2024. Was gibt es da im Rückblick als grüne Brücke?

Ein amerikanisches Gemeinschaftsprojekt von Intel und seinem größten Kunden DELL im sachsen-anhaltischen Halle an der Saale. Der überfüllte große Veranstaltungsraum, vereinzelt von abgestandenen Gummibaum-Monokulturen flankiert. Dagegen dominierte bei den Ehrengästen, den Rednern und der Rednerin formaler Business-Dress. In den hinteren, gut besetzten Reihen und auf den Stehplätzen, augenscheinlich Teile der DELL-Belegschaft, überwog der Casual-Friday-Dresscode.

Veranstaltungsraum mit Gummibaumgrün

Durch ein Labyrinth von langen kahlen Fluren, ein nüchternes Treppenhaus und zu querenden Großraumbüros gelangte man nach dem offiziellen Teil zum „CLASSROOM OF THE FUTURE“. Es scheiterte der Versuch, die ca. 250 Personen aus dem Veranstaltungsraum in diesem ca. sechs mal zehn Meter großen Raum unterzubringen. Das Gedränge groß, so viele Menschen und Technik in einen Raum beeindruckend. Mehr „ging“ nicht. Schüler- oder Lehrerschwemme?

Hochbetrieb in der Zukunft des Klassenzimmers

Mittendrin Präsident und Minister, die sich von einer jungen Intel-DELL-Crew – dem „Team Wonderful“, wie auf den T-Shirts zu lesen war – zeigen ließ, was man schon gelernt hatte. Auf den Fotos, die ich gemacht habe, konnte ich später tatsächlich im Hintergrund die grünen Spitzen von ein paar Yucca-Büro-Palmen entdecken. Ich lernte, dass es kein Klassenraum für Schüler und Schülerinnen ist, sondern für Lehrer und Lehrerinnen. Sie sollen die Vielfalt des IT-Angebotes – alles im minimalistischen Design, in vornehmen Anthrazit- und matten Silbertönen – und dessen Einsatz und Möglichkeiten im späteren Unterricht in DELL-Seminaren kennen lernen. Also: „Train the trainer“, um mit deren Unterstützung die Hard- und Softwarekomponenten in möglichst viele „CLASSROOMs OF THE FUTURE“, in die „Fläche“ zu bringen.

Team "Wonderfull" im "CLASSROOM FOR THE FUTURE"

Der Kreis schließt sich zum Kreislauf

Kehren wir gedanklich wieder zurück nach Magdeburg, ins Stadtfeld, in Ottos grünes Klassenzimmer, zum Wasser, zum Grundwasser. Felix sprach davon, dass „Otto pflanzt!“ sich auf einen Aufruf von Intel hin beworben hat. Da sollten Vorschläge gemacht werden, wie Intel seine Wasserbilanz insgesamt so verbessern könnte, dass unterm Strich mehr Wasser dabei herauskommt als der Natur durch die Intel-Werke entzogen wird. Intel möchte bis 2030 „wasserpositiv“ werden, so ist das Ziel bestimmt. Es gab dazu eine Intel-Video-Call-Runde, an denen neben „Otto pflanzt!“ circa 30 Gruppen, NGOs und Initiativen aus ganz Deutschland beteiligt waren. Da wurden verschiedene Projektideen vorgestellt. Dabei ging es, wenn ich es richtig verstanden habe, um Kompensationsmaßnahmen – ähnlich, wie man durch Zertifikate seine CO₂-Bilanz verbessern kann – wie man mit (finanzieller?) Unterstützung von Intel Wasserreservoirs retten, schützen oder ausbauen kann. Intel möchte auch mit lokalen Initiativen zusammenarbeiten, die zum Beispiel dazu beitragen, den Grundwasserspiegel zu erhöhen. Der Vorschlag von „Otto pflanzt!“ war, so erinnert sich Felix, mit Bäumen und Wäldern positiv auf die Wasserbilanz in der Region einzuwirken. Was aus der Zusammenarbeit mit Intel wird, ist noch nicht klar. Das Auswahlverfahren der Projekte läuft noch.

Felix am Grundwasserbrunnen

Wer weiß, vielleicht werden die heutigen Kinder in „Ottos grünem Klassenzimmer“ durch die dortige Natur sensibilisiert, bringen mehr Grün in die „CLASSROOMs OF THE FUTURE“, um dann durch KI motiviert, anschließend ein Studium der Biologie oder Sustainable Resources oder Advanced Semiconductor Nanotechnologies zu absolvieren. Und werden später Intel-Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter. Und wenn sie in zwanzig, dreißig Jahren im Hochsommer, nach Feierabend von Intel kommend, entlang der Schrote zurück in ihr Stadtfeld fahren, Felix im grünen Klassenzimmer zuwinken und feststellen, dass die Schrote trotz längerer Trockenheit auf natürliche Weise doch noch immer Wasser führt, dann haben sie (wir?) vielleicht vieles richtig gemacht.

Für mich bleibt die Frage: Wer braucht wen mehr? „Otto pflanzt!“ Intel? Oder Intel „Otto pflanzt!“?

Informationen zu „Otto pflanzt!“ e. V. und „Ottos grünem Klassenzimmer“ finden Sie unter www.ottopflanzt.de. Der Verein freut sich über ehrenamtliche Mithilfe.