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Mittwoch, 12. März 2025

# 087 Transformationen am Magdeburger Stammtisch - im März 2025

Ein Stammtisch in Magdeburg im Winter 2021: In einem Magdeburger Kulturzentrum kann sich wieder eine kleine, engagierte Runde von Menschen treffen, auch, um über die lokale Politik zu diskutieren. Die Stimmung ist gedrückt. Die Corona-Wirren stecken noch in den Knochen, gescheitert ist die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas. Die Inflation steigt. Einige am Tisch müssen am nächsten Morgen wieder sehr früh raus, damit sie als Pendler noch rechtzeitig vor den Staus Wolfsburg erreichen können. Andere fragen nach den Verdienstmöglichkeiten der Pendler und bedauern, dass solch lukrative Jobs in Magdeburg leider rar sind. Woher soll das Geld kommen für den viel teurer gewordenen Tunnel in der Innenstadt? Seit fast 10 Jahren wird daran gebaut, die Fertigstellung steht noch in den Sternen. Es geht nicht voran. Magdeburg eben. Wo bleibt der Optimismus, wo die Zuversicht?

Der Stammtisch im Sommer 2022: Intel will eine riesige Chip-Fabrik in Magdeburg bauen! Hoffnung! Bei einigen Euphorie. Es passiert etwas, Veränderungen stehen an, gut bezahlte Arbeitsplätze sind möglich. Magdeburg kann es doch. Silicon-Hill am Eulenberg. 400, 600, 1.000 Hektar Industriegebiet. 3.000, 10.000, 15.000 Arbeitsplätze. 10, 20, 30 Milliarden Investition, Rückenwind aus Berlin: Endlich ein ostdeutscher Leuchtturm von internationalem Format. Autobahnring, Ausbau der Nahverkehrsinfrastruktur, ICE-Züge im Hauptbahnhof. Der Tunnel ist fast fertig. Der FCM ist aufgestiegen. The sky is the limit! Aber auch Zweifel, Bedenken: Haben wir genug Wasser, was passiert mit den guten Bördeböden, Mieten und Immobilienpreise werden steigen. Woher die Energie? Stehen so viele Arbeitskräfte überhaupt zur Verfügung? Trotzdem Optimismus und Zuversicht!

Der Stammtisch im Frühjahr 2025: Intel kommt doch nicht. Enttäuschung am Tisch, bei einigen eher Aufatmen. Das beinahe inflationär zu nennende Anwachsen der Stimmen für Rechte, die Haushaltsprobleme in Stadt und Land und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Kulturszene werden diskutiert. Dann der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt. Schlimm. Wird die Sanierung der Stadthalle rechtzeitig bis 2027 abgeschlossen sein? Und zu welchen Kosten? Einige am Tisch müssen am nächsten Morgen wieder sehr früh raus, damit sie als Pendler noch vor den Staus Braunschweig erreichen können. Anderen reichen zwei Bier, mehr kann man sich bei den Preisen und den Magdeburger Verdienstmöglichkeiten nicht leisten, mäkeln die anderen. Die Stimmung: Magdeburg kann es nicht. Die Mieten und Nebenkosten sind gestiegen, trotzdem. Von den 500 Milliarden werden wir hier bestimmt wenig sehen, wenn überhaupt, heißt es. Es geht nicht voran! Wo bleibt der Optimismus, wo die Zuversicht?              

Konstruktiv in die post-intel Ära:
Der Nukleus des „anderen“ Round Table

Oder anders: Der Stammtisch im Frühjahr 2025: Intel wird wohl nicht mehr kommen. Angeregt von Thema „Transformation … –und was jetzt?“ kommen Magdeburger und Magdeburgerinnen zusammen, um sich gegen die depressive Stimmung, zu der leider auch der Anschlag auf dem Weihnachts- markt beigetragen hat, zu stellen. Transformation geht weiter, jetzt erst recht. Aber wie? Die großen Entscheidungen in dieser Richtung werden von der Politik und Verwaltung geprägt. Aber auch im Kleinen kann etwas passieren, in ihrer Stadt will sich die Bürger- und Bürgerinnenrunde engagieren und einmischen. Welche Chancen bieten sich nun auf dem Intel-Gelände? Aber die Gruppe entschließt sich, erstmal klein anzufangen, konzentriert sich auf die wichtigen Transformationsthemen „Energie und Wasser“ und wird sich das im Magdeburger Stadtteil „Altstadt“ genau ansehen. Wo ist Potenzial für Photovoltaik? Welche Ansätze gibt es dort nach dem Prinzip der Schwammstadt? Die Gruppe macht sich auf den Weg. Ein nächstes Treffen ist vereinbart und wird die ersten Erkenntnisse bringen. Es geht was.


Samstag, 21. Dezember 2024

# 077 Tradition und Transformation in der Magdeburger Börde – Flashback

Transformation ist in der Magdeburger Börde seit der geplanten Intel-Ansiedlung nichts Neues. Die Agrarlandschaft wirkte auch früher industrialisiert, etwa durch Ziegeleien, Zuckerfabriken, Eisenbahnen, Feldbahnen, Maschinenbau, Saatzuchtbetriebe.

Der Schriftsteller Albrecht Franke beschreibt in seinem Hörspiel „Remkersleber Vorbeimarsch“ Aspekte der Transformationsbewegungen in dem zur Gemeinde Wanzleben gehörenden Bördedorf. Heute ist Remkersleben ein Teil von Wanzleben und befindet sich so in der Nachbarschaft des gerade entstehenden High-Tech-Parks, im direkten Umfeld des Intel-Ansiedlungsgeländes.

Dass man das Thema Transformation als einen weit ausgreifenden gesellschaftlichen Prozess begreifen muss, also nicht nur im unmittelbaren Kontext mit der Industrialisierung, sondern dass sich durch Politik, Religion, Wirtschaft die Gesellschaft insgesamt bis in familiäre Strukturen hinein, verändert, wird in Albrecht Frankes Hörspiel deutlich.

Wir hören und sehen Aspekte dieser Transformationen in Remkersleben in den letzten 150 Jahren: Die Einflüsse fünf verschiedener politischer Systeme, die Wandlung der Bedeutung der Technik und Religion, die wechselnden hierarchischen Strukturen in der Börde, bis hin zur Veränderung der Einstellung zum Militarismus und dem Verschwinden des Bördeplatts, werden hier, angelehnt an eine authentische Familiengeschichte, deutlich. Aber keinesfalls verklärend und romantisierend, wie in manchen Remkersleber Erinnerungen des in dem Hörspiel zitierten Schriftstellers Franz Herwig (1880 – 1931).

Das Hörspiel ist eine Art Flashback des Autors mit Assoziationen, eigenen Erinnerungen und Zitaten aus Recherchen über die letzten 150 Jahre in Remkersleben.

Details und Uraufführung:

Weitere Details zu dem Hörspiel und eine Hörprobe sind auf Youtube unter https://youtu.be/jBQ5OstNv5U zu finden.

Die Uraufführung des Hörspiels im Beisein des Autors und des Produktionsteams wird am 24. Januar 2025 ab 18 Uhr im Remkersleber Bürgerhaus (Hauptstr. 17, 39164 Wanzleben-Börde Ortsteil Remkersleben) stattfinden.

Donnerstag, 12. Dezember 2024

# 076 Ausgemistelt - Hinterm Horizont nichts weiter? Magdeburger Transformation

Dort, wo in Magdeburg der Breite Weg die Ernst-Reuter-Allee kreuzt, steht auch Ende 2024 in der Advents- und Weihnachtszeit am Allee-Center ein Objekt der Lichterwelt. Es heißt in diesem Jahr in der offiziellen Liste (MD_Lichterwelt-Karte_2024.pdf) noch „Intel-Mistelzweig“.

Intel ausgemistelt?

Der Standort ist aber in dem dazugehörenden Lageplan nicht eingezeichnet. Ist man an der besagten Kreuzung, befindet sich dort doch die Lichtinstallation, allerdings ohne den Spruch der beiden letzten Jahre: „Happy to be in Magdeburg“, das krönende Intel-Logo darüber fehlt. Die Intel-Version ist aber noch als Foto auf der Startseite der Lichterwelt-Internetseite zu sehen. Virtuell ist der „Intel-Mistelzweig“ noch vorhanden, in der Realität ist erst einmal ausgemistelt. Symptomatisch für die aktuelle Situation?

Ich möchte kein Salz in noch frische Wunden streuen und die Vorweihnachtszeit nicht mit schlechter Stimmung vermiesen, denn geblieben ist der hoffnungsvolle, stilisierte Mistelzweig unterhalb der Spitze der sich kreuzenden Tannengrünbögen.

Missgeschick Intel-Mistel-Kiss verpasst

Um den Mistelzweig ranken sich viele Mythen, viele Bräuche sind damit verbunden. Hätte man sie ernster nehmen müssen? Hätten sich unsere Oberbürgermeisterin Simone Borris und der gerade ausgeschiedene Intel-CEO Pat Gelsinger sich in der Adventszeit 2022 unter diesem Mistelzweig geküsst … Wäre es vielleicht dann nicht zur Trennung (auf Zeit) gekommen?

Hätte Ministerpräsident Reiner Haseloff unter dem Mistelzweig am Allee-Center einen Bruderkuss mit Pat Gelsinger im Advent 2023 getauscht, wäre dann die schwebende Scheidung nicht aufs Tableau gekommen? Aber Bruderküsse führen nicht immer zum Zusammenbleiben, wie die Geschichte beweist. Erich Honecker und Leonid Breschnew schienen sich auch zu mögen und küssten sich, wie noch heute das ikonografische Graffiti an der Berliner Mauer zeigt. Was wäre passiert, wenn die beiden die Zärtlichkeiten unter einem Mistelzweig ausgetauscht hätten?

Mistel-Mythen und Sagen wagen

Die weißbeerige Mistel (botanisch Viscum album) ist auch weiterhin ein freundlicher Magdeburger Willkommensgruß. Sie wird seit dem 19. Jahrhundert als Weihnachtsschmuck verwendet und ist beispielsweise als Türdekoration sehr beliebt, auch wenn sie als Halbparasit ihrem Wirt Wasser und Nährstoffe entzieht. So bei Wikipedia nachzulesen.

Der Mistel werden geheime Kräfte zugesprochen. Die Pflanze soll Gesundheit, Fruchtbarkeit, Mut und Glück bewirken. Die Griechen der Antike sahen in ihr ein Mittel gegen Gift. Andere Völker, wie beispielsweise die Germanen, waren der Ansicht, dass sie die Menschen beschütze. Den Druiden diente sie als magische Beigabe und war auch für Miraculix in „Asterix und Obelix“ eine wichtige Zutat für den Zaubertrank.

Man tut also gut daran, die Misteltradition in Magdeburg fortzuführen. Wer weiß, von wem der zukünftige Intel-CEO, wenn er einmal nach Magdeburg kommen sollte, geküsst wird. Die Mistel ist das richtige Symbol für die Perspektive, die ich aufzeigen möchte. 

Manche Bilder brauchen Worte, manche nicht ...


Neulich stand ich an einem ungemütlichen, nasskalten Dezembertag an der schon fertiggestellten B-81-Abfahrt zur geplanten Intel-Ansiedlung. Die Abbiegespur aus Richtung Magdeburg wird nach nur wenigen Metern mit fünf kräftigen Betonpollern blockiert, als wäre dahinter ein Weihnachtsmarkt. Hundert Meter weiter endet der glänzende Bitumenpfad stumpf am Bördeacker, dem Feldhamster-Niemandsland, wo sich Fuchs und Hase in Kürze „Frohe Weihnachten“ und „Prosit Neujahr““ wünschen werden. 

Keine Märchen

Diese Straße wird früher oder später weitergebaut, da bin ich sicher. Vielleicht führt sie doch noch zur Intel-Chipfabrik? Zurzeit scheint es wahrscheinlicher zu sein, dass sie in einigen Jahren zu einem anderen Großunternehmen führt, oder ist die Abfahrt für breite Großkonzerne verpollert , so gibt es zwischen den Pfosten Lücken, durch die schmale Unternehmen schlüpfen könnten. Transformation wird auf jeden Fall stattfinden, sie lässt sich nicht aufhalten, so oder so. Durch die nun zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit könnte sie heilsamer, ökonomischer und ökologischer werden, auch wenn bis dahin noch viel Wasser die Elbe hinunterfließen wird. Alles fließt, panta rhei. Auch die Zeit, in der die durch das „Projekt Intel“ geschlagenen Wunden im gegenseitigen Respekt geheilt werden könnten. Engagement in Sachen Transformationsbegleitung ist also weiter gefragt. Wenn man auf dem Foto des Straßenstumpfes ganz genau hinsieht, sind auf der Baumreihe am Horizont eine große Menge dieser kugelförmigen Mistelgebilde zu entdecken. Genug für viele Küsse, ausreichend für Zaubertränke. Von wegen: Am Horizont nichts weiter.


Blog geht weiter – Round Table zur Transformation

Auch dieser Blog geht weiter, wenn auch nicht mit der bisherigen Schlagzahl, Slow Motion ist angesagt. Ich fühle und zähle also weiter den Pulsschlag der Magdeburger Transformation.

Ich werde auch darüber berichten, wie sich aus dem harten Kern der Teilnehmer meiner Vorträge in der Stadtbibliothek ein Round-Table-Gesprächskreis aus Magdeburgern und Magdeburgerinnen entwickelt und was dort passiert. Einige Personen haben dafür Interesse gezeigt. Ein erster Termin für Januar 2025 ist in Vorbereitung und wird an dieser Stelle in Kürze veröffentlicht. Machen Sie, lieber Blogleser und liebe Blogleserin, auch mit? Dann bekunden Sie mir gerne unter beesten@HerbertBeesten.de Ihr Interesse.  Sie bekommen den Termin direkt zugesandt. Ich freue mich auf euer Kommen!

Mit meinem Lektor Albrecht Franke, der immer im Hintergrund für Blog-Qualitätskontrolle gesorgt hat, wünsche ich allen Followern angenehme Feiertage und einen guten Rutsch und neue Jahr, mit oder ohne Mistelzweig!

Dienstag, 5. November 2024

# 074 Stammtisch der Transformierten - November 2024

Vorab zur Erklärung der unterschiedlichen Farben und Schreibweisen:

  •   Protokoll durch KI-System erstellt

KI mischt sich ein (rot)                                         

Frei gesprochener Text von Prof (blau, kursiv)

(Wir befinden uns am Anfang einer Versammlung)

„Hallo, ich bitte um etwas Ruhe!“ Mein Name ist Professor B.

Bei unserem letzten Treffen wurde ich angesprochen, ob ich ein Protokoll erstellen könnte. Das war gar nicht so einfach. Aber dank unseres Transformationschronisten HKvB, der mit einem Aufnahmegerät dabei war, konnte ich seine Tondatei, auch mit seinen Kommentaren, mithilfe der KI transkribieren und automatisch in ein Protokoll umsetzen. Da heute viele neue Teilnehmer dabei sind, die beim letzten Mal nicht oder erst später gekommen waren, bin ich von meinen Stammtischbrüdern und -Schwestern gebeten worden, das Protokoll zu Beginn unseres heutigen Treffens allen zur Kenntnis zu bringen. Es ist ja doch einiges passiert –an dem Abend.

Wenn der Ausdruck manchmal etwas seltsam ist, so liegt das an der Künstlichen Intelligenz, die vielleicht nicht alles richtig verstanden hat oder manches noch lernen muss.

Ich zitiere also die KI „Check-d-H“, Version 2.0.24. Ob die KI mit „inside Intel“ oder mit „NVIDEA transform power“ arbeitete, ist mir nicht bekannt.

  • Protokoll Transformationsstammtisch, 21. Oktober 2024
  • Ort: M2“ am Magdeburger Hasselbachplatz
  • Beginn:: 20:12 Uhr
  • Anwesenheitsliste (Link = zur Geschichte der Kunstfigur im Blog)
  • Hermann, Alt-Ingenieur im Ruhestand, temporär abwesend (Link),
  • Kalle, Betreiber eines Antiquitäten- und Raritätenladens (Link),
  • Professor B., Dozent im Bereich VR,  Prof im Folgenden (Link),
„Also, das ist meine Wenigkeit. Aber jetzt weiter im Protokoll:“

  • Edlef, Hoteldirektor, Direktor im Folgenden (Link),
  • Dr. Dr. Liane Müller-Utsch, Stadtplanerin), nur Liane im Folgenden (Link),
  • Václav Versicherungsdirektor aus Prag (Link),
  • Frau Dr. Louisa Salomone, Psychologin, kurz Lo im Folgenden (Link),
  • Herbert Karl von Beesten, Transformationschronist, hier HKvB.
  •  Die wichtigsten Ergebnisse des Abends in Kurzform:
  • Tonaufnahme mit „Test, Test, Test“ von HKvB, gestartet um 19:45 Uhr.
  • Hermann trifft als Erster ein (15 Minuten vor offiziellem Beginn). Nimmt in der Mitte am reservierten Sechserstammtisch Platz. Bestellt heißes Wasser für seinen mitgebrachten Alnus-Tee.
  • Kalle kommt als Nächster. Setzt sich Hermann gegenüber.
  • Begrüßung. Hermann zu Kalle: „Na, du altes Schlachtross“. Er darf so etwas sagen.
  • Bedienung bringt Kalle einen schweren Rotwein in einem opulenten Bleikristallpokal.
  • Sein Ritual: Er befeuchtet seine Lippen ausgiebig mit der Zunge, nimmt den ersten Schluck fast steif und preußisch. Erwähnt, dass der Kelch  aus der Biedermeierzeit stammt und ein Geschenk an Markus, den Wirt, war.
  • Kalle lobt den gut gekühlten Wein und versucht, Hermann ins Gespräch zu ziehen:  Und sonst so?“
  • Prof und Direktor kommen herein, nehmen ihre Plätze neben Kalle und Hermann ein.
  • Begrüßung durch Prof und gegenseitige Sticheleien über Verspätungen und die neue Duz-Regelung am Stammtisch.
  • Hermann erklärt, dass Liane vom Bahnhof Václav abholt und dass deren Verspätung mit den Straßenbahnstellen Straßenbahnbaustellen zu tun hat.
  • Prof und Direktor sind stolz auf die Unabhängigkeit von der Straßenbahn, sie sind SUV-Fahrer.
  • Prof und Direktor diskutieren über den Fort- beziehungsweise Rückschritt des Intel-Projekts, Kalle bleibt skeptisch. Murmelt etwas Unverständliches.
  • Stimmung wird ruhig, alle nippen an ihren Getränken.
  • Hermann antwortet Kalle: „Geht so.“
  • Liane und Václav kommen an und werden von Prof und Direktor begrüßt.
  • Václav erzählt von seinem Aufenthalt in Graal-Müritz an der Ostsee auf den Spuren von Kafka und seinen Ideen zu Ausstellungen und Veranstaltungen dort. Direktor geht begeistert darauf ein.
  • Kalle zu beiden: „Kommt doch erst mal an! Transformation heißt für euch wohl nur Geschäft!“
  • Liane versucht, die hitzigen Gemüter zu beruhigen, erinnert an den neuen Gast, die Psychologin.
  • Direktor zweifelt an der Notwendigkeit der Anwesenheit einer Psychologin.
  • Hermann erinnert ihn daran, dass diese Entscheidung beim letzten Stammtisch getroffen wurde. Direktor war nicht anwesend.
  • Kalle bestellt einen Wodka, Direktor einen Whiskey on the rocks, Liane einen Manhattan, Václav einen Becherovka.
  • Liane holt Lo, die Psychologin an den Tisch, die fünf stehen auf und begrüßen sie.
  • Lo versucht, die steife Atmosphäre durch freundliche Floskeln zu lockern, bestellt einen Cappuccino, Hermann bestellt noch einmal heißes Wasser.
  • Liane schlägt eine Vorstellungsrunde vor. Zögerndes Nicken der fünf Männer am Tisch.
  • Kalle flüstert etwas leise über den Tisch (KI: Tonqualität für das Protokoll nicht ausreichend, aber irgendetwas über Psychologie). Lo reagiert mit einem lockeren Spruch: „Ja, ja, wenn Männer etwas von sich erzählen müssen, befürchten sie gleich einen Seelen-Striptease.“ (KI: Dies könnte jemanden verletzen. Stattdessen schlage ich vor: Geht ein Luftballon zum Psychologen: Ich fühle mich so aufgebläht und dann die ständige Platzangst.)
  • Liane lenkt die Diskussion zurück zur Vorstellungsrunde. Beginnt mit ihrer Vorstellung als Stadtplanerin. Sie mag Hochhäuser und hofft, dass Intel kommt. Oder eine andere sehr große industrielle Ansiedlung.
  • Kalle sagt etwas Unverständliches (KI: Achtung! Es folgt eine phonetische Nachbildung: „Na weeste, ick globe det erst, wennet würklich losjeht.“ Bedeutung unbekannt).
  • Liane setzt fort und betont die Bedeutung der „Lufthoheit“ für die richtige Transformation über dem Stammtisch.
  • Direktor unterbricht Liane, der wird von Hermann gestoppt. Er ist an der Reihe und stellt sich vor, spricht über den ehemaligen SKET-Ingenieursstammtisch.
  • Kalle interveniert, bietet der Runde geschäftstüchtig Wimpel des früheren SKET-Stammtisches an. Hermann protestiert dagegen laut und wütend, verschüttet dabei seinen Tee, geht verärgert zur Toilette (22:06 Uhr).
  • Prof stellt sich vor, hebt die Bedeutung der Lehre im Bereich Virtual Reality hervor und erklärt seine enttäuschten Erwartungen an die Jugend.
  • Václav unterstützt Prof in seiner kritischen Haltung, Kalle bleibt skeptisch.
  • Diskussion über Ideale, Verantwortung und Träume der Jugend. Prof sinniert über den Sinn der Technologie und KI, über seine Suche nach Sinn und Ziel in seinem Leben. Er fragt: „Waren meine idealistischen Vorstellungen ein Traum?“ (Anmerkung der KI: Typisch, den Sinn von KI anzweifeln, aber sie selbst intensiv nutzen. Fakt: Prof initiierte allein bei mir in den letzten 7 Tagen 231 Prompts.)
  • Václav kommentiert mit einem Hinweis auf Calderón de Barcas „Das Leben ein Traum“ aus dem 17. Jahrhundert. Prof lobt ihn, dafür, dass er sich nicht nur mit Kafka auskennt.
  • Liane versucht, die Diskussion in die Gegenwart zu lenken, betont die Verantwortung und Sinnsuche hier und jetzt.
  • Hermann kehrt zurück (21:12 Uhr), bemerkt, dass niemand den verschütteten Tee  weggewischt hat.
  • Hermann schimpft und erklärt, dass sein spezieller Tee Alnus cordata das Holzwachstum des Tisches wiederbelebt und dann beschleunigt.
  • Alle beobachten den Tisch genau; Liane entdeckt, dass die Gläser schief stehen.
  • Der Tisch wächst an der Seite, an der der Tee auf das Holz tropfte wurde, also wo Liane, Hermann und Prof sitzen. Geschirr und Gläser fallen zu Boden.
  • Kalle: Er hat schon gehört, dass Hermanns Tee bei einem Straßenbaum ein Riesenwachstum erzeugt haben soll, aber hat das damals nicht geglaubt. (KI: Achtung: Es folgt unverständlicher Satz, der etwa lautet: „Jetzt globe ick det, weilet würklich losjeht.“ Bedeutung unbekannt.)
  • Direktor, Kalle und Václav sind in Schockstarre, verfolgen angespannt das Wachstum der anderen Seite des Tisches.
  • Gäste des M2 bringen sich in Sicherheit, Kalle lacht laut. (KI: Achtung, phonetisch nachempfunden: „Weilet würklich losjeht!“ Bedeutung nicht vollständig erkannt)
  • Lo, auf Abstand zum Tisch gegangen, stellt fest, dass ihr ursprünglicher Plan zur Analyse der verschiedenen Meinungen am Tisch zur Transformation nicht mehr umsetzbar ist.
  • Einseitiges Wachstum des Tisches kommt zum Stillstand. Tisch ist schief, aber stabil.
  • Gäste nähern sich vorsichtig, Handyfotos werden gemacht.
  • Lo moderiert die Diskussion weiter, andere Kneipenbesucher mischen sich ein.
  • Lo fasst das Ergebnis mit zwei Vorschlägen zur Abstimmung zusammen:
    • A: Die andere Tischseite auch mit Alnus-Tee so benetzen, dass der Tisch wieder gerade wächst, und höhere Stühle besorgen. In der bisherigen Siebenerrunde weitermachen.
    • B: Den schief-schrägen Tisch dem Wewerka-Archiv vermachen, einen neuen, runden Stammtisch aus Kunststoff beschaffen und für eine größere und offene Gruppe anbieten.
  • Abstimmungsergebnis: 2 Stimmen Plan A, 4 Stimmen Plan B, eine Enthaltung. Damit ist Plan B angenommen.
  • Kalle bleibt skeptisch und wieder undeutlich (KI: Chacka! Bedeutung erkannt! „Ick globe det erst, wenn‘et würklich losjeht.“, bedeutet hochdeutsch: „Ich glaube es erst, wenn es wirklich losgeht!)
  • Hermann fordert Kalle auf, nicht nur Sprüche zu klopfen, sondern selbst aktiv zu werden.
  • Liane verkündet: „Das nächste Treffen des Transformationsstammtischs wird in zwei Wochen im M2 stattfinden und neue Transformationsperspektiven eröffnen.“
  • Ende um fünf vor zwölf. Der Abend klingt in gemütlicher Runde ohne Protokoll aus.
KI: Die richtige Zuschreibung der Geschehnisse und Aussagen zu den                handelnden Personen kann nicht mit absoluter Sicherheit garantiert werden.

    Soweit mein Protokoll.

KI: Ha ha … Prof … schon mal etwas von fremdem Federschmuck gehört? Wenn du mehr darüber wissen möchtest, frag mich gern danach!


Aber nun im Ernst: Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis? Ich freue mich, wenn ich Ihnen helfen konnte. Soll ich noch ein weiteres Protokoll erstellen?

Donnerstag, 15. August 2024

# 064 Industrie- und Willkommenskultur – Passt das zusammen? Lesung mit Gespräch am 2.9.2024

Herbert Karl von Beesten nimmt sich mit mehreren Fachleuten dieses Mal das Thema Willkommenskultur vor.

Am Montag, dem 2. September, ab 17 Uhr, findet die nächste Lesung mit Gespräch in der Stadtbibliothek statt.

Hilft auch die Kultur, um von Herzen „Willkommen!“ zu sagen?

(Update 23.8.2024)

Die Tradition, dass Herbert Karl von Beesten am ersten Montag eines Monats in der Magdeburger Stadtbibliothek am Breiten Weg aktuelle Auszüge aus seinem Intel-Industriekultur-Blog vorträgt und mit dem Publikum bespricht, wird nun nach der Sommerpause fortgesetzt. Online-Bloggen ist das eine, persönlicher Vortrag, Gespräche und Diskussion sind das andere. Deswegen ergänzen sich der Blog und die Bibliotheksveranstaltungen ideal. Diesmal steht die Willkommenskultur im Fokus – und wie man diese weiter verbessern kann. Potenzielle ausländische Intel-Beschäftigte mit ihren Familien sollten den Start als Magdeburger und Magdeburgerinnen als möglichst angenehm und einfach erleben. Welche Erfahrungen gibt es bislang, auf denen man aufbauen könnte?



Von links nach rechts:  Herbert Karl von Beesten, seit über 20 Jahre in Magdeburg, betreibt den Blog „Transformation im Zuge der Intel-Ansiedlung“. (Foto Anne König) Ali Sidikou Mamane, gebürtig aus Niger,  fühlt sich schon lange mit der Elbe verbunden und spricht über seine Magdeburger Erfahrungen und Koch-Kultur-Vision. (Foto Herbert Beesten) Dr. Alejandro Fernandez Calderon, gebürtiger Kubaner und in Deutschland eingebürgert. Arbeitet in einem internationalen Logistikkonzern mit Kollegen aus über 50 Nationen zusammen, auch als Betriebsrat. (Foto privat) Ansgar Hörsting, lebt seit Mai 2024 in Magdeburg. Durch 25 Jahre internationale Arbeit mit „Willkommen“, „Kultur“ und „Willkommenskultur“ und auch deren Grenzen vertraut. Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde in Magdeburg. (Foto Artur Wiebe)

Fachkräfte sind knapp, und neben dem Gehalt spielen mittlerweile viele weiche Faktoren, sogenannte Soft facts, für die zuziehenden Menschen eine wichtige Rolle. Wie freundlich ist die Aufnahme? Kommt man mit der Bürokratie zurecht? Gibt es Unterschiede: je nach Herkunftsland? Wie groß sind die Sprachbarrieren, etwa gegenüber Vermietern und Geschäftsleuten? Welche Rolle spielt das Kulturangebot selbst? Gibt es neue Ansätze und Ideen der Beteiligten zur Magdeburger Willkommenskultur? Das sind nur einige Fragen, die an dem Tag besprochen werden sollen.

Es verspricht, spannend zu werden, weil gleich mehrere Gesprächspartner aus ihren Perspektiven und von ihren Erfahrungen berichten. Gesprächspartner hat Herbert Karl von Beesten unter anderen zu Gast:

  • Ali Sidikou Mamane, gebürtig aus Niger, seit Anfang der 2000er Jahre in Deutschland, gelernter Restaurantfachmann, Gastronom und studierter Sozialarbeiter.
  • Dr. Alejandro Fernandez Calderon, gebürtige Kubaner und in Deutschland eingebürgert. Autor des Buches „Salsa und Latino-Musik in Magdeburg?! Die verborgene Geschichte einer deutschen Stadt." Arbeitet in einem internationalen Logistikkonzern mit Kollegen aus über 50 Nationen zusammen, auch als Betriebsrat. (Foto privat)

  • Ansgar Hörsting, Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Magdeburgs, selbst Neu-Magdeburger. Er kann er auf 25 Jahre internationale Arbeit mit Willkommenskultur zurückblicken und weiß von deren Möglichkeiten und Grenzen.

Der Blog „Aufwärtskompatibel – Transformation und Industriekultur“ ist unter https://herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com/ seit Januar 2023 zu erreichen. Er enthält mehr als sechzig Beträge. Dort wird das Thema der Transformation durch die Intel-Ansiedlung manchmal satirisch, hauptsächlich nüchtern und sachlich, mitunter literarisch – also aus den unterschiedlichsten Perspektiven – beleuchtet.

Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, da der Blog und die Veranstaltung freundlicherweise vom Kulturbüro der Stadt Magdeburg, der WOBAU, der Stiftung Kloster Unser Lieben Frauen und dem Lions Club Kaiser Otto I. unterstützt wird. Dank auch an den Gastgeber, die Stadtbibliothek Magdeburg.


Sonntag, 4. August 2024

# 062 Kulturtipp: Transformationssommertheater in Magdeburg im August 2024

Wer geht mit auf die Reise?

Im Magdeburger Wissenschaftshafen findet wieder ein besonderes Theaterevent statt. Vom Samstag, dem 24. August, bis Dienstag, den 27. August 2024, präsentiert das Theaterensemble „Das letzte Kleinod“ jeweils ab 18:00 Uhr das Stück „HOTEL EINHEIT“. Aufgeführt wird es im und am theatereigenen ozeanblauen Zug, mit dem die Theatertruppe in Deutschland unterwegs ist und wo es während der Tournee auch lebt. Das Publikum ist „aufgefordert“, mit dem Ensemble eine Eisenbahnfahrt in die Vergangenheit von DDR-Hotels anzutreten. Ich hatte die Gelegenheit, mit Juliane Lenssen und Sven Reese von „Das letzte Kleinod“ zu sprechen.

 

Worum geht es?

Hotels, z. B. Interhotels, waren in der DDR einer der wenigen Orte, in denen sich Menschen aus Ost und West begegnen konnten. Die Restaurants, Nachtbars und Zimmer boten den Gästen einen ungewohnten Luxus. Überwachung durch die Stasi war in den Hotels alltäglich. Ehemalige Mitglieder des Personals von Hotels in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) steuerten als Zeitzeugen ihre Erinnerungen an den Hotelbetrieb für das dokumentarische Theaterstück. Die Aufführung wird in mehreren Eisenbahnwaggons gezeigt, die mit originalen Möbeln und Objekten aus der DDR ausgestattet sind. Infos zu dem Stück sind unter www.das-letzte-kleinod.de zu finden. 


Juliane Lenssen vom Eisenbahntheater
„Das letzte Kleinod“ stellt das neue
Stück "HOTEL EINHEIT" im
Wissenschaftshafen vor.
„Über den Zaun“ schauen?

Im letzten Sommer konnte ich die Theatertruppe mit dem Stück „Über den Zaun“ an gleicher Stelle erleben, ich erwarte auch in diesem Jahr eine beeindruckende Inszenierung. Ich gehe davon aus, dass Zuschauern, die zu jung für eigene Erinnerungen an die dargestellte Zeit sind, sich diese durch kluge und emotionale Inszenierung - wie üblich bei dieser Theatergruppe - erschließen wird. Aber auch ältere Menschen ohne „klassische DDR-Biografie" werden sich zurückversetzt fühlen - so erlebte ich es 2023.

Die Gruppe aus Schauspielern, Schauspielerinnen, Support- und Organisationspersonal ist bunt gemischt: aus Ost und West. Mit dem in Stendal geborenen Sven Reese, der 1999 und 2000 auch in den Magdeburger „Freien Kammerspielen“ als Schauspieler auf der Bühne stand, gibt es vielleicht für einige Zuschauer ein Wiedersehen.

 

Und was hat das mit der Intel-Ansiedlung zu tun?

In den nächsten drei, vier Jahren werden voraussichtlich ca. 7.000 Menschen aus Deutschland und dem Ausland Magdeburg zusätzlich bevölkern, um die Intel-Chip-Fabs aufzubauen. Viele davon werden in Hotels, Pensionen und Gästewohnungen „untergebracht“ sein. Die Magdeburger Hotelbranche und andere Beherbergungsstätten werden davon profitieren, sie stellen sich schon darauf ein. (Siehe auch meinen Blog-Beitrag über ein „spezielles Hotelerlebnis“ https://herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com/2023/12/11-verwandeln-verbergen-gesundbeten.html )

 

Was werden die vielen Gäste neben der Arbeit in Magdeburg machen? Wird sich daraus eine geschlossene Gesellschaft entwickeln, deren Integration die Magdeburger Bevölkerung nicht kümmert, weil sie ja doch wieder „weiterzieht“? Wie kann man für diese Gruppe nicht nur deutschsprachige Angebote im Bereich der Kultur, des Sportes und der Unterhaltung schaffen, die nicht an „Gastarbeiter-“ oder „Vertragsarbeiterzeiten erinnern? Welche Probleme, aber auch Chancen ergeben sich, mit denen wir als Magdeburger umgehen müssen?

 

 

Willkommenstrainingslager

Schauspieler Sven Reese vom Ensemble „Das letzte Kleinod“
spielt vor alten Eisenbahnwagen am Wissenschaftshafen
eine Szene aus dem Stück „Hotel Einheit“ 

Vielleicht ist diese „Bau-Zwischenphase“ so etwas wie eine „Willkommensübungswiese“ für Magdeburg mit Blick auf die erwarteten dauerhaften Zuzüge von Menschen mit ihren Familien, wenn die ersten Chips-Fabs und Zulieferbetriebe in Betrieb sind? Jetzt ist noch Zeit, die ersten Weichen für das Magdeburger „Hotel Einheit“ zu stellen.

 

Ausblick

Vielleicht wird in fünf oder zehn, oder aber auch erst in 30, 40 Jahren ein Theaterstück über die Veränderungen des Magdeburger Hotellebens im Zuge der Intel-Ansiedlung inszeniert. Einige von uns könnten dann bei Recherchen als „Zeitzeugen" fungieren und berichten, wie „es damals im Transformationszug nach Irgendwo“ war. 

Montag, 22. Juli 2024

# 058 Intel in Magdeburg - Chance oder Challenge? Eine Podiumsdiskussion

Wollen wir oder wollen wir nicht? - Eine Podiumsdiskussion

Am Dienstag, dem 9. Juli 2024, wurde diese Frage von einer Studentin und einem Studenten der Hochschule Magdeburg-Stendal in der gleichnamigen Veranstaltung an die Podiumsgäste gestellt. Die beiden Studierenden des Master-Studiengangs Journalismus versuchten, die vier Antwortgeber auf der Bühne in die Zange zu nehmen, von links und rechts.

Dort saßen, wie auf den Bildern zu sehen,

  • Jan Schumann, Korrespondent der Mitteldeutschen Zeitung,
  • Susanne Wiedemeyer, DGB-Landesleiterin Sachsen-Anhalt,
  • Mathias Grabow, Sozialkombinat Ost,
  • Dr. Jürgen Ude, Staatssekretär für Strukturwandel und Großansiedlungen in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt.

Der Saal war mit etwa 80 - 90 Personen bis auf den letzten Platz besetzt. Etwa die Hälfte des Publikums bestand aus jungen Menschen, wahrscheinlich Studierenden der Hochschule. Ich entdeckte auch ältere Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die ich schon bei ähnlichen Veranstaltungen gesehen hatte. Neben Privatleuten auch Vertreter der (Wohnungs-)Wirtschaft, der Politik und der Hochschulen. Ich konnte noch in der letzten Reihe neben einem jungen Mann einen Sitzplatz ergattern.

Ein „Kreuzverhör“ wurde es auf der Bühne nicht. Eine Gruppe von Studierenden um die beiden Moderatoren hatte die Veranstaltung im Rahmen eines Seminars vorbereitet und die naheliegenden Fragen zusammengestellt. Anfangs etwas holprig, aber dann lockerer und spontaner werdend, nahm die Veranstaltung ihren Lauf. Viel sachlich Neues zur Intel-Ansiedlung war für mich nicht zu erfahren. Für den einen oder die andere mag aber auch Neues dabei gewesen sein.

Falsch war die Aussage der Moderatorin, dass die Chips zwei Nanometer groß wären. Dieses Maß betrifft die kleinsten Strukturen in den zukünftig in Magdeburg zu produzierenden Chips. Die Chips selbst sind „nackt“ und unverpackt einige Hundert Quadratmillimeter „groß“. Mehrere Quadratzentimeter groß in einem Chip-Gehäuse mit Anschlüssen, nachdem sie anschließend in Polen „verpackt“ worden sind.

Als richtig empfand ich die Besetzung des Podiums – nicht als so typisch wie bei vielen anderen Intel-Veranstaltungen. So wurden verschiedene Perspektiven auf das Projekt möglich. Intensiv wurden die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt diskutiert– speziell auch die Lage auf „Nebenschauplätzen“ des Fachkräftemangels, etwa in Schulen und Kitas. Dazu passte auch die Forderung nach „ordentlichen“ Tarifabschlüssen und angemessener Bezahlung, nicht nur für die Intel-Beschäftigten.

Auf dem Podium: Visionen, Befürchtungen, Fragen, Trost, Hoffnungen, Zweifel, Antworten und Widersprüche - in Stichworten

  • Schon wahrzunehmende Preissteigerungen im Wohnungs- und Immobilienmarkt.
  • Zu langsamer Ausbau der Nahverkehrs-Infrastruktur und überregionalen Verkehrsanbindungen, inklusive einer witzig gemeinten ICE-Anspielung.
  • Das Problem Arbeitsplätze kontra Fachkräftemangel kann man lösen. Aber wie?
  • Kommen die kleinen und mittelständischen Unternehmen „unter die Räder“?
  • Kann die Stadtplanung das Tempo mithalten?
  • Die neue Mobilitätsstudie mit Blick in die Zukunft soll am 19. September von der zuständigen Ministerin vorgestellt werden.
  • Die Frage nach den tatsächlichen Inhalten der bislang geheim gehaltenen Verträge mit Intel wurde nicht beantwortet.
  • Zieht Intel das in der jetzigen, unsicheren Marktsituation durch?
  • Könnten durch höhere Steuereinnahmen auch mehr Sozialleistungen ermöglicht werden? 
  • Das Gehaltsniveau steigt, Ostdeutschland ist nicht mehr abgehängt.
  • Willkommenskultur hat noch Luft nach oben.
  • Durch mehr Englischkenntnisse in der Bevölkerung ist auch mehr Öffnung möglich.
  • Intel soll bei Wasserverbrauch und Kommunikation kein Tesla 2.0 werden.
  • Blick nach Leipzig zeigt, was dort mit den Ansiedlungen von DHL, BMW und Porsche gelungen ist.
  • Bevölkerungszuwachs und Ausbau der Hochschul- und Institutslandschaft.
  • Das sind Probleme, die nicht an der Intel-Ansiedlung festgemacht werden dürfen, denn die gelten für ganz Deutschland.
  • Gefahr einer Zweiklassen-Ausländer-Gesellschaft.

Verständnisschwierigkeiten: Im Gespräch mit dem jungen Mann neben mir erfahre ich, dass er Ausländer ist und Maschinenbau an der Hochschule Magdeburg-Stendal studiert. In der Hochschule wurde viel Reklame für die Veranstaltung gemacht. Er findet das Thema sehr interessant. Aber die Tonqualität der Lautsprecheranlage ist schlecht, auf der Bühne wird obendrein oft undeutlich und sowieso zu schnell gesprochen. Obwohl mein Nachbar gut Deutsch spricht, kann er kaum folgen und ist etwas verärgert. Ich selbst kann auch nur mit Mühe folgen.   

Was sagt das Publikum?

Zum Ende der Veranstaltung wurde auch dem Publikum die Gelegenheit gegeben, Fragen an das Podium zu stellen. Dabei stand, wie zu erwarten, das Thema Wasser, Boden und Energie im Mittelpunkt. Der Staatssekretär verwies auf das Konzept – als wäre das alles schon endgültig – wie über die Elbe, den Mittellandkanal und die Ohre der nötige Nachschub für das zusätzlich beanspruchte Grundwasser in der Colbitz-Letzlinger Heide und somit für das Magdeburger Wasserwerk gewährleistet werden kann.

Ich erinnere mich an die Verhandlung der Einwände zur Teilgenehmigung der Intel-Ansiedlung vom 29. Mai 2024 in der Johanniskirche. Da wurde das vom Staatssekretär vorgestellte Wasserkonzept als noch nicht ausgereift diskutiert und bedurfte noch weiterer Untersuchungen und Genehmigungen. Eine der offenen Fragen war auch die noch nicht einschätzbare Beeinflussung des Feuchtgebietes und Biosphärenreservates Drömling. Siehe dazu auch- Aufwärtskompatibel? Neue Industriekultur in Magdeburg durch Intel?: # 055 Ja und Amen? Die Anhörung. (herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com)

Als die kritischen Stimmen sich mehrten und mit Applaus bedacht wurden, stellte der Staatssekretär die ultimative Frage, die etwa so klang: Wollen wir Intel oder wollen wir Intel nicht? Er versuchte, so einen Konsens im und mit dem Publikum herbeizuführen.

Konsens oder Konsent?

Dass man mit einem „Brechstangen-Konsens“ nicht immer gut fährt, war bereits Andrew Grove, einem der Intel-Gründer, bewusst. Er propagierte, als einer der ersten in der Wirtschaft, das Prinzip des Konsents. Es bedeutet, dass zwar eine Konsensentscheidung angestrebt werden soll, wenn es aber schwerwiegende Einwände gibt, darf man sich nicht einfach darüber hinwegsetzen. Wie man einen „Konsent“ in der Wirtschaft managt, hat Andrew Grove schon in den 70er-Jahren mit dem Prinzip „Disagree and commit”, also: „Nicht einverstanden sein und sich trotzdem verpflichten“ beschrieben. Das wurde und wird gewiss bei Intel gelebt, es gehört also gewissermaßen zur DNA von Intel. (Infos zum „Konsent“ findet man auch unter: https://digitaleneuordnung.de/blog/konsent/ )

Mit dem Konsent hat man in der Wirtschaft gute Erfahrungen gemacht, man findet ihn auch in der „Agilen Methode“ in der Software-Branche. Warum sollte das Prinzip nicht auch für die Politik bei der Durchsetzung der Intel-Ansiedlung gelten? Bei einem „erzwungenen“ Konsens – also entweder oder! Vogel, friss oder stirb! – besteht die Gefahr, dass die Politik früher oder später doch von den schwerwiegenden Einwänden eingeholt wird, obwohl man offiziell alle Genehmigungen durchgepaukt hat.

Andrew Grove hat noch andere verblüffende Überlegungen angestellt. Dazu ein Gastbeitrag hier im Blog: https://herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com/2023/12/25-ein-gastbeitrag-von-dr-franz-will.html

Am Ende

Der Student neben mir verabschiedete sich Mein Nachbar verabschiedete sich kurz vor Ende der Veranstaltung plötzlich mit einem bedauernden Kopfschütteln und deutete an, dass er wohl nicht viel verstanden habe. Schade, ich wollte ihn nach der Veranstaltung noch fragen, ob er sich vorstellen könnte, nach seinem Studium in Magdeburg eine Arbeit bei Intel oder den Zulieferern aufzunehmen. Diese Chance war dahin.

Die finale Frage: Chance oder Challenge? Die wurde abwechselnd  von der Moderatorin und dem Moderator an die vier auf der Bühne gestellt. Sie sollten sich für das eine oder andere entscheiden. Das Ergebnis: 3:1 für die Chance!

Mein Vorschlag: Die zukünftige Chance für Magdeburg durch die Intel-Ansiedlung ist auch zugleich eine große Challenge, also eine riesige Herausforderung. Das „oder“ sollte durch ein „und“ ersetzt werden: „Chance UND Herausforderung?“ So hätte die Antwort auf der Bühne 4:4 heißen können.

Weitere Herausforderungen:

Beim Verlassen des Forums Gestaltung fotografierte ich noch die Kleinbusse der gerade abrückenden Polizei auf der Brandenburger Straße. Wir hatten wohl Polizeischutz. Da sind meine Gedanken schon weiter bei der regionalen, deutschen und weltweiten Politik. Es ist derzeit vieles in Bewegung, was auch das Intel-Projekt betreffen kann. So wurde ich in den letzten Tagen von einem ausländischen Journalisten gefragt, ob ich nach den Europawahlen ein zunehmendes Zittern in Intel-Kreisen spüre, und zwar wegen der Möglichkeit einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt. Um kompetent antworten zu können, bin ich zu weit von den „Intel-Kreisen“ entfernt, war meine Antwort. Ich glaube auch, dass man ein mögliches „Zittern“ unter der Decke halten würde.

Fakt ist, dass das endgültige „Go“ noch an viele Voraussetzungen gebunden ist. Nicht nur an die Freigabe der deutschen Subventionen in Brüssel, sondern auch von weiteren Genehmigungen zu den Themen Wasser, Boden sowie für den eigentlichen Betrieb der Intel-Gesamtanlage.

Als Unsicherheitsfaktor kommt ein weiterer Aspekt dazu: Die Pläne des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu neuen Einfuhrzöllen, Steuererleichterungen für Unternehmen, zur Taiwan-Politik sowie seine extreme „America first“-Ideologie. So kann ich mir vorstellen, dass Intel die Landtagswahlen im Herbst abwartet sowie die Präsidentschaftswahlen im November, dann möglicherweise die Ansiedlung in Magdeburg noch einmal durchrechnet, um dann mit der Methode „Disagree and commit” zu entscheiden.

Dazu titelt das „Handelsblatt“ in Newsletter vom 18.7.24: „Down dank Donald: Trump-Äußerung lässt Chip-Kurse einbrechen.“ Siehe auch den Artikel: ASML, Nvidia, TSMC, AMD: Aktienkurse der Chiphersteller brechen ein (handelsblatt.com). Allerdings kommt die Intel-Aktie dabei gegen den Trend gut weg, weil Intel eigene Chipfabriken auch in den USA hat. Zu positive Intel-Einschätzungen verhindern dagegen Probleme im Alltagsgeschäft mit Intel-Prozessoren https://www.ntg24.de/Intel-Totalausfall-18072024-AGD-Aktien

Wie wird wohl die Kritik und die Auswertung der Seminargruppe aussehen, die die Veranstaltung vorbereitet und durchgeführt hat? Ob sie meiner Einschätzung folgen?

Noch zwei interessante Podcast-Links:

Wasser und Intel: https://www.deutschlandfunk.de/130-liter-4-6-wie-intel-mit-wasser-versorgt-werden-soll-dlf-7340224b-100.html

PFAS (auch bei der Halbleiterproduktion verwendet) PFAS im Rhein - Wie Chemikalien Wasser für immer verschmutzen (deutschlandfunk.de)

Freitag, 5. Juli 2024

# 057 Im Grabungs- und Spannungsfeld zwischen Archäologie & Transformation ‒ Eine Selbstvergewisserung

„Funde vom Intelgelände werden gezeigt“, hieß es am Montag, dem 24. Juni 2024 in der Magdeburger „Volksstimme“. Nur eine einspaltige Randnotiz ohne Bild wies auf die Veranstaltung am nächsten Nachmittag hin.

Für mich ein Pflichttermin. Ich konnte meine Teilnahme an diesem heißen Sommertag kurzfristig einrichten.

Es war eine gelungene und sehr gut besuchte Veranstaltung im angenehm kühlen Kaiser-Otto-Saal des Magdeburger Kulturhistorischen Museums.

Ein Vertreter des städtischen Wirtschaftsdezernats eröffnete kurz und bündig, danach folgte ein lockerer und erfrischender Vortrag von einer Stunde Dauer, gehalten von der zuständigen Abteilungsleiterin vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Sie verstand es, ihre Begeisterung über die Grabungsergebnisse auf dem Eulenberg, dem zukünftigen Ansiedlungsgebiet von Intel, zu vermitteln und mich und andere Besucher und Besucherinnen damit „anzustecken“.

Ich war einer der mehr als hundert, meist älteren Zuhörer und Zuhörerinnen im Publikum, die den spannenden Ausführungen, ergänzt durch Bilder von den Fundstücken im „Intel-Acker“, folgten.

 

Worum geht es mir nicht?  Selbstvergewisserung I

Nicht um die Wiedergabe der erstaunlichen Ergebnisse und die wertvollen Funde. Immerhin kam hier ein in Europa sehr seltenes Ensemble von mehreren Gräbern, einem Prozessionsweg und zwei künstlichen Hügeln (der letzten 5000 Jahre!) wieder ans Tageslicht. Spuren aus verschiedenen Epochen der frühen Besiedlung unseres Landes.

Über die Funde wird es noch ausführliche Darlegungen und auch Ausstellungen geben. In der „Volksstimme“ wurde schon am Tag nach dem Vortrag im überregionalen Mantelteil „Kultur und Leben“ unter der Schlagzeile „Die Rinder vom Intel-Acker“ von der Toten- und Grabkultur unserer Vorfahren aus dem Vorderorient berichtet.

Ich habe mich im Blog-Beitrag schon Anfang 2023 in gewiss laienhaften archäologischen Betrachtungen versucht. (Aufwärtskompatibel? Neue Industriekultur in Magdeburg durch Intel?: # 001 Archäologie vom Ende zum Anfang – Januar 2023 (herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com) Alles andere sei nun den Fachleuten überlassen.

 

Worum geht es mir?  Selbstvergewisserung II

Warum ist die Museumsveranstaltung zu den „Intel-Funden“ auf wesentlich größeres Interesse bei den Magdeburgern und Magdeburgerinnen gestoßen, im Vergleich zu zwei anderen Veranstaltungsformaten zum Thema Intel, obwohl dafür viel mehr Werbung gemacht wurde?

Der Kaiser-Otto-Saal füllt sich 

Werbung für andere Formate
Ich denke an meine regelmäßigen Blog-Lesungen und Gespräche zur Intel-Ansiedlung (auch mit Beteiligung von Fachleuten) in der Magdeburger Stadtbibliothek. Wenn das Thema dort mehr als 30 Zuhörer und Zuhörerinnen anlockte, war ich schon froh. Dabei ging es auch um heiße Themen, wie Chip-Technologie, Boden- und Wasserverbrauch. Auch die Resonanz auf eine der Veranstaltungen in dieser Reihe „Was hat Literatur mit Transformation zu tun?“, blieb trotz des bibliophilen Veranstaltungsortes recht bescheiden.

Das zweite Beispiel: Ende Mai 2024 gab es in der Magdeburger Johanniskirche die öffentliche Anhörung zu den Einwendungen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens der ersten Teilgenehmigung zur Errichtung der Intel-Chipfabrik. Selbst dort waren im Vergleich zur Museumsveranstaltung weniger „Normalbürger“ im Publikum, wenn man die dienstlichen Vertreter der Verwaltungen und der Politik im Publikum nicht berücksichtigt. (Aufwärtskompatibel? Neue Industriekultur in Magdeburg durch Intel?: # 055 Ja und Amen? Die Anhörung. (herbert-karl-von-beesten-intel-blog.blogspot.com)

 

Erklärungsversuche

Das Thema „Intel“ rückte im Museum in den Hintergrund. Das Interesse des Publikums lag überwiegend im Bereich der Archäologie. Und ich habe mich auch dabei erwischt: Die heutigen Fragen zum Intel-Areal wurden vergessen, und ich verlor mich in Fantasien, was da vor 5000 Jahren wohl stattgefunden haben könnte.

Die Thesen der Steinzeitexpertin könnten dazu verleiten, sich von gegenwärtigen Unsicherheiten, Problemen und möglichen Überforderungen ablenken zu lassen. Erkenntnisse und Spekulationen, was sich dort in grauer Vorzeit abgespielt haben könnte, bringen einen nicht in die Gefahr, sein Selbst- und Weltbild korrigieren zu müssen.

Zukünftige Folgen von KI-Anwendungen, Klimawandel, Energie-, Wirtschafts- und Sozialpolitik haben auch mit der Magdeburger Intel-Ansiedlung zu tun. Es ist aber anstrengend, sich mit den Themen auseinandersetzen, zu recherchieren, Veranstaltungen zu besuchen und zu diskutieren. Trotzdem sind viele Magdeburger skeptisch, weil aus ihrer Sicht die Folgen der Intel-Ansiedlung nicht nur positiv sein können. Ein Widerspruch!

Vielleicht deshalb lieber sechstausend Jahre zurück, anstatt 50 Jahre vorausschauen? Aber was sind schon 50 Jahre, wenn man zum Beispiel an die Ewigkeits-Chemikalien oder andere Altlasten denkt? Hätten die Steinzeitmenschen diese damals auf dem Eulenberg schon hinterlassen, könnten die Archäologen sie auch heute noch finden.

Interessiert die Transformation zu Zeiten des Neolithikums, also der Wandel des Menschen vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern, mehr als die Veränderung im Hier und Jetzt? Müsste es nicht viel reizvoller sein, sich mit den Umständen der Gegenwart zu beschäftigen, dabei zu sein und die Möglichkeiten zu nutzen, sie mitzugestalten?

Im Moment läuft gerade die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Da schaut man sich doch auch lieber das gerade laufende Spiel live an und flüchtet nicht aus der Realwelt, indem man sich stattdessen eine Aufzeichnung eines alten Spiels ansieht. Obwohl: Regionalfernsehkanäle wärmen ständig Fußballereignisse von vor 50 Jahren auf. Publikum gibt es auch dafür.

 

Eskapismus

Lässt sich die ausführliche Beschäftigung mit der Archäologie auch mit Eskapismus erklären? Heraus aus der komplizierten und ambivalenten Jetztwelt, rein in die aufbereitete museale Vergangenheit. Bot die Teilnahme an der Veranstaltung im Kaiser-Otto-Saal nicht nur die Chance, vor der Hitze des Tages zu flüchten?

Ich wünschte mir größeres Interesse und die Beschäftigung der Magdeburger mit der Intel-Ansiedlung. Warum ist es noch nicht zu spüren? Drei Thesen:

  • Man verlässt sich auf die Heilsversprechungen der Politik und Technologie-Protagonisten, die verheißen, dass mit der sich immer weiterentwickelnden Technik alle Probleme gelöst werden, die Welt dadurch besser und gerechter wird.
  • Es könnte Resignation im Spiel sein: „Andere“ kümmern sich schon, man hat ja wie auf anderen Feldern der Politik letztlich keinen Einfluss, scheinbar sind schon alle Weichen gestellt. Der Eindruck wird vielleicht verstärkt durch mehr als 700 „Volksstimme“-Artikel mit Intel-Bezug, die zwischen vom Januar 2023 bis zum Juni 2024 erschienen sind. Ein Teil der Schlagzeilen suggeriert, dass eigentlich alles „in trockenen Tüchern“ sei. Und wer nicht aufmerksam weiterliest, bei dem müsste sich ein Gefühl entwickeln, dass alles schon „gelaufen“ ist.
  • Transformation „zu machen“ – das ist das Berufsfeld von führenden Frauen und Männern aus der Magdeburger Wirtschaft und Wissenschaft. Technische und gesellschaftliche Transformation „passiert einfach“. Das ist nachzulesen in der aktuellen 30-teiligen, täglich erscheinenden Artikelserie „Otto ist Transformation“ in der „Volksstimme“, initiiert von „Pro M Stadtmarketing“. In der Regel wird dort von den „Transformationsprofis“ durchweg die „Intel-Ansiedlung“ positiv im Kontext mit den zu erwartenden Veränderungen betrachtet. 

Lebt das Transformations-Pferd im Museum?

Aber vielleicht sind meine Thesen nur Futterneid, weil meine Veranstaltungen zum Intel-Thema nicht so stark frequentiert werden? Sollte ich nicht mehr „das tote Pferd reiten“? Oder: Kommt da, wenn nun die ersten Weichen gestellt sind, erst recht etwas Gewaltiges mit noch nicht abzuschätzenden Folgen – seien sie positiv oder negativ – auf Magdeburg zu, die ich dennnoch thematisieren sollte?

Die nächste Transformation ist immer die schwierigste. Ich gestehe: Beim Public-Viewing neulich, nach dem 2:0 Sieg im Achtelfinale, umschlungen vom schwarz-rot-goldenen Meer, hat es mich auch erwischt. Ich war weit weg von meinem Thema Transformation: Ein temporärer Eskapist bin ich auch.

 

Transformation und Eskapismus – Ein Paar mit Zukunft?

Ich habe, ähnlich wie die Archäologin bei ihrem Vortag im Museum, in meinem o. g. Blogbeitrag vom Januar 2023 auch darüber spekuliert, was die Archäologen in tausend oder zweitausend Jahren auf dem heutigen Intel-Acker am Eulenberg noch finden könnten. Man tappt dann vielleicht im Dunkeln, weil durch die Verluste der elektronischen Dokumentationen – das Schicksal droht auch diesem Blog – nicht auf physische Dokumente für Erklärungen zurückgegriffen werden kann. Man wird sich womöglich fragen. Was bedeutet der seltsame, komplizierte Kult-Gegenstand? Was diese langen Säulenreihen? Heute wissen wir (noch), dass es die komplexe Lithographie-Maschine ist und die Säulen die Stützpfeiler im Reinraum der Chip-Fab.

Südlich von hier, in Halle an der Saale soll in den nächsten Jahren das „Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ entstehen. Vielleicht sollte dort eine Abteilung über die Spielarten des „Transformations-Eskapismus“ eingerichtet werden.