Die Veranstaltung war ein gelungenes Event mit guter Beteiligung. Die Wasser-, Literatur-, Musik- und Kunstfachleute (zu gleich in ihren Genres "Transformationsspezialist:innen") haben verschiedene Perspektiven auf das Thema Wasser allgemein und auf die Elbe speziell aufgezeigt - die gerade den niedrigsten Pegelstand anzeigt, der bislang registriert wurde. Es entwickelten sich Gespräche zwischen den Fachleuten und dem Publikum. Das Hörspiel " Der Elbe-Ebbe-Algorithmus" war ein guter Einstieg. Wer es sich in Ruhe anhören möchte (16 Minuten) hier geht es zum Hörspiel.
Zuschauer und Zuschauerinnen fragten, ob das eine regelmäßige Veranstaltung wird. Vielleicht einmal im Jahr, um auf den niedrigen Elbpegel hinzuweisen der uns leider erstmal erhalten bleiben wird. Mal sehn. Danke an alle Beteiligten, ins besondere auch an die Hilfe im Hintergrund von Ulf, Hartwig und Wolfgang. Unsere Gruppe hat den Arbeitstitel "Glaswurzler" mit dem Motto "Transparenz von unten!"Transformation in Echtzeit verfolgen: Hoffnungen, Skepsis, Freude und Sorgen begleiteten die geplante Ansiedlung der Magdeburger Intel-Chip-Fabriken. Das ist Geschichte. Aber die Transformation geht weiter. Seit Januar 2023 kommentiere ich den Transformationsprozess im Kontext der Ereignisse in Politik, Wirtschaft und Umwelt, mal journalistisch, dann wieder satirisch oder in kleinen Storys. Ich danke Albrecht Franke für die Unterstützung bei der Abfassung der Texte.
Sonntag, 9. August 2026
Mittwoch, 20. Mai 2026
# 100 Eisenbahntheater über die Stahlindustrie - Transformationen
Gerne veröffentliche ich hier die Pressemitteilung dieser Theater-Company, auch mit Blick auf Magdeburg. Zum dritten Mal gastiert diese zugfahrende Truppe mit Blick auf Transformationen in der Industriegesellschaft im Magdeburger Wissenschaftshafen.
"HÜTTENWERK - Eisenbahntheater über die Stahlindustrie/ Aufführungen mit dem Ozeanblauen Zug Ende Mai in Magdeburg
Das Letzte Kleinod realisiert im Frühjahr 2026 ein Eisenbahntheater über die Stahlindustrie. Das dokumentarische Theaterprojekt HÜTTENWERK erzählt von der Entwicklung der Stahlindustrie in Ost und West. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die in der Stahlindustrie gearbeitet haben. Einige Interviews wurden in Salzgitter, weitere in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) geführt, die Vorstellung basiert auf diesen Erzählungen. HÜTTENWERK wird vom 29. bis 31. Mai 2026 in Magdeburg aufgeführt. Bereits zum vierten Male gastiert der Ozeanblaue Zug des Theaters in Magdeburg, diesmal wieder im Wissenschaftshafen.
Das Erz kam per Eisenbahn aus der kasachischen Steppe, die Kohle aus Polen. Auf den Kränen, Lokomotiven und am Hochofen arbeiteten oft Frauen, die für die Stahlindustrie der DDR unentbehrlich waren. Von Eisenhüttenstadt ging der Stahl in die Fabriken und Häfen des Westens, um gegen Devisen verkauft zu werden.
Im Frühjahr 2026 fährt der theatereigene Zug mit sechsachsigen Flachwagen durch Deutschland, beladen mit tonnenschweren Brammen, Stahlträgern und Coils. Auf und in den Waggons gibt das Eisenbahntheater HÜTTENWERK Einblick in die damalige Vorzeigeindustrie der DDR und die Verbindungen zum Westen. Die Geschichten werden mit Schauspielenden in einer Szenerie aus Stahl gespielt, die auf Eisenbahnwagen zu den Aufführungsorten fahren. Auf Drehgestellflachwagen werden Coils (Rollen von gewalzten Blechen) und Brammen (Stahlblöcke für die Weiterverarbeitung zu Blechen) angeordnet und mit Licht und Schauspiel in Szene gesetzt. Der Stahl wird von mehreren Stahlwerken zur Verfügung gestellt.
Bereits Anfang April 2026 begannen erste Proben in Salzgitter und Eisenhüttenstadt. Darstellende erhielten einen Einblick am Hochofen, in der Stranggussanlage, bei Kran- und Lokführern und an den Bändern. Ab Mai 2026 reist der Ozeanblaue Zug mit der Vorstellung HÜTTENWERK nach Frankfurt (Oder), Magdeburg, Gräfenhainichen, Salzgitter, Duisburg und Brake.
Das Theaterprojekt wird an Industriestandorten gespielt, an denen Stahl produziert oder umgeschlagen wird, die Vorstellung wird im weltweit einzigartigen Theaterzug auf Gütergleisen gespielt. Das Publikum erlebt die Vorstellung als Stationentheater an und in verschiedenen Waggons.
HÜTTENWERK
Eisenbahntheater über die Stahlindustrie Wissenschaftshafen, Niels-Bohr-Straße 51, 39106 Magdeburg
Freitag, 29.05.2026 um 19:00 Uhr
Samstag, 30.05.2026 um 19:00 Uhr
Sonntag, 31.05.2026 um 19:00 Uhr
Tickets: www.das-letzte-kleinod.de
Die Vorstellung dauert ca. 90 Minuten, findet unter freiem Himmel statt und ist nicht barrierefrei.
Buch und Regie Jens-Erwin Siemssen
Ensemble Kristina Günther, Lisa Indorf, Sophia Hahn, Anna Pasieka, Jens-Uwe Richter, Oliver Walter, Margarita Wiesner"
Mittwoch, 13. Mai 2026
# 099 Wasserstandsmeinungen – Ein öffentliches Programm am Domfelsen
2. August 2026 · 13:30–16:00 Uhr · Magdeburg
Am 2. August lädt das Format „Wasserstandsmeinungen“ zu einem vielseitigen Nachmittag am Domfelsen ein. Zwischen Musik, Literatur, Wissenschaft und persönlichen Perspektiven entsteht ein offener Raum für Austausch über die Elbe, ihre Bedeutung und unsere Beziehung zum Fluss.
Programmübersicht
14:00 Uhr Begrüßung und Einführung in das Programm
14:05 Uhr Public Hearing des Hörspiels „Elbe‑Ebbe‑Algorithmus“
14:20 Uhr Wasserstandsmeinung von Prof. Karsten Rinke
14:30 Uhr Wasserstandsmeinung vom Landwirt Jörg Claus
14:40 Uhr Zwischenmusik von Rashid Aliyev
14:50 Uhr Literarischer Beitrag der Stadtschreiberin Anne Hahn: Die Elbe in ihrem Roman
15:05 Uhr Mia und Arne, zwei junge Leute berichten über ein Brunnenprojekt in Afrika
15:15 Uhr Wasserstandsmeinung von Paul Dörfler
15:25 Uhr Spontaner Publikumschor (Elbelied) oder Performance „Ich, der Fluss“
15:45 Uhr Musikalischer Ausklang mit Rashid Aliyev
16:00 Uhr Ende der Veranstaltung
Begleitangebote
- Offenes Malerei‑Angebot
Getränke und Speisen durch die benachbarte Gastronomie
Möglichkeit zum Austausch mitgebrachter Speisen
Über die Wasserstandsmeinungen
Die Wasserstandsmeinungen sind kurze Impulse aus unterschiedlichen Perspektiven – Wissenschaft, Landwirtschaft, Umwelt- und Naturbewegung. Sie greifen Gedanken aus dem Hörspiel auf, kommentieren, widersprechen, erweitern und laden das Publikum zum Weiterdenken ein.
Im Anschluss an die Beiträge sind persönliche Gespräche ausdrücklich erwünscht.
Public Hearing mit „WASSERSTANDSMEINUNGEN“
· Ölpreis auf über 100 US-Dollar je Fass gestiegen!
· Der Elbpegel nach 2025 auf neuem Allzeittief?
Wasser. Ein emotionales, alltägliches, politisches und zugleich
existenzielles Thema – besonders in Magdeburg. Auch wenn Intel Geschichte ist:
Fragen nach Veränderung, Bewahrung und Transformation bleiben. Und Wasser ist
eines der Themen, das früher oder später wieder auf dem Tisch liegt.
Dieser „Tisch“ wird am Sonntag, dem 2. August 2026, im
Rahmen eines Kulturprogrammes „gedeckt“:
„Wasserstandsmeinungen“ – Ein
Sonntagsnachmittagsvergnügen
Nicht (nur) fiktional katastrophal,
sondern auch positiv konstruktiv!
Einladung
an Magdeburg, gemeinsam über Wasser, Wandel und Zukunft ins Gespräch zu kommen.
Mit der Gruppe von Mitstreitern ist es mir ein Anliegen, „Transparenz von unten“ zu unterstutzen: Besser verstehen, besser leben, miteinander
ins Gespräch kommen. Mit „Wasserstandsmeinungen“ starten wir ein neues Format,
das in Zukunft in unregelmäßiger Folge auch andere Themen aufgreifen wird.
Worum geht es?
Im Sommer 2026 planen wir eine offene Sonntagsnachmittagsveranstaltung.
Ein Ort zum Zuhören, Mitreden, Mitmachen – draußen, ohne Eintritt, ohne
Anmeldung, mit Picknick, Musik und Kunst.
Wir möchten einen Raum
schaffen, in dem spontane Gespräche entstehen – auch zwischen Menschen
mit gegensätzlichen Ansichten. Wenn Fachleute anwesend sind, können
Hintergründe erklärt, Schwellen abgebaut und Widersprüche sichtbar gemacht
werden. Kein Eintritt – Keine Anmeldung.
Der Ablauf (Stand Mai 2026):
Termin: Sonntag, 2. August 2026, 13:30–16 Uhr.
Ort: Elbtreppe am Magdeburger Domfelsen, Schleinufer 30.
Vorläufiges Programm:
- Public Hearing: Hörspiel „Der Elbe-Ebbe-Algorithmus“ (ca. 15 Minuten) – Mithören als Impuls (Zum Hörspiel )
- Wasserstandsmeinungen zu der Frage: Wie könnten sich die Wasserstände am Domfelsen in 10 bis 20 Jahren entwickeln? Kurzbeiträge von Fachleuten:
- Prof. Rinke, Gewässerforscher.
- Jörg Claus, Landwirt.
- Paul Dörfler, Biologe.
- Vertreter der Trinkwasserversorgung Magdeburg (angefragt).
- Aus literarischer Perspektive unserer Stadtschreiberin Anne Hahn.
- Junge Leute erzählen von einem Brunnenprojekt in Afrika.
- Anschließend entwickeln sich vielleicht Gespräche in Kleingruppen. → Mitreden.
- Musik: Live
Looping Improvisation von Raschid Aliyev, vielleicht ein Chor. → Mitsingen.
- Kunst: Malerinnen
und Zeichner arbeiten live am Elbufer an Elbemotiven. → Mitmalen.
- Picknick / Cake Sharing: Wer möchte, bringt Kaffee und Kuchen mit. → Mitessen.
Gefördert durch den Fachbereich Kulturförderung der Landeshauptstadt Magdeburg und der WoBau.
Montag, 30. Juni 2025
# 097 Intel update Ende Juni 2025 - Aus der Presse
Die Strömung ist abgerissen.
Der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper berichtete
auf einer Veranstaltung im Mai 2025, dass auf allen Ebenen die Intel-Mitarbeiter,
mit denen er damals verhandelt hat, nicht mehr bei Intel tätig sind.
Die Magdeburger „Volksstimme“ stellt Anfang Juni 2025 in
einer Schlagzeile fest: „Intel: Der Letzte geht von Bord - Mit Christoph Schell
verlässt ein weiterer Manager des Magdeburger Projekts den Chipkonzern.“
Nachwehen
Die Nabu gewinnt Klage gegen das Land - Hamster-Beseitigung auf
Intel-Gelände ist rechtswidrig, so das Verwaltungsgericht. Das Land prüft eine
Berufung, sieht aber deswegen die Ansiedlung nicht gefährdet. (Mitteldeutsche
Zeitung)
Management-Chaos bei Intel: Intel krempelt seine
Führungsebene um. Chief Strategy Officer Safroadu Yeboah-Amankwah verlässt das
Unternehmen zum 30. Juni – ein weiterer Baustein in der umfassenden
Neuausrichtung. Die Führung will die Organisation verschlanken und Hierarchien
abbauen. Parallel dazu steht ab dem 15. Juli eine neue Entlassungswelle an. Das
Ziel: Komplexität reduzieren und den Ingenieuren mehr Freiraum geben. Doch die
Frage bleibt, ob diese Maßnahmen ausreichen, um Intel wieder konkurrenzfähig zu
machen. (www.Boerse-express.com)
Widersprüche
| aus finanznachrichten.de |
Intel Aktie: Scherbenhaufen oder Neustart? Der Chipgigant
Intel gerät immer tiefer in die Krise. Während die Konkurrenz davonzieht,
kämpft das Unternehmen mit einem Führungswechsel, massiven Entlassungen und dem
Verlust des wichtigen China-Geschäfts. Kann Intel die Wende noch schaffen –
oder ist der einstige Branchenprimus endgültig abgehängt?
Trumps Zickzack-Kurs lähmt die Chipindustrie: Wegen
der erratischen Politik des US-Präsidenten werden Investitionen aufgeschoben.
Dabei dürstet die Welt nach Halbleitern. Droht die nächste Lieferkrise wie nach
der Corona-Pandemie? (Handelsblatt.de)
Zweitgrößter Chipausrüster der Welt sucht in Dresden
Kooperationen: „Europa ist führend bei lokaler KI“, sagt der Chef des
US-Chipzulieferers Applied Materials vor einem Top-Treffen an der Elbe – wo
sich die Milliarden-Investitionen inzwischen häufen. (Handelsblatt.de)
Das Dresdner Start-up will nach rbb-Informationen über vier Milliarden Euro in den Bau eines Halbleiterwerks investieren. Neben Frankfurt sind nach rbb-Informationen auch Leipzig und Magdeburg im Rennen. Zunächst war von Pirna statt Leipzig die Rede gewesen. (rbb.de)
Funken KI-Hoffnung: Große Hoffnung ruht auf dem neuen
Intel-Chef Lip-Bu Tan, der den angeschlagenen Chip-Hersteller wieder zurück in
die Erfolgsspur führen soll. Laut Bloomberg soll im Rahmen einer
Turnaround-Maßnahme eine neue technische Leitung ernannt werden. Mit dem neuen
Personal könnte dem Unternehmen das KI-Comeback gelingen. (deraktionaer.de)
Freitag, 23. Mai 2025
# 093 Intel – Hintergrundrauschen im Mai 2025
Was tut sich auf dem Intel-Grundstück auf dem „Eulenberg“?
| Stimmung in der verlassenen Baumschulensiedlung auf dem Intel-Gelände |
Intel beauftragte eine Gesellschaft mit der
landwirtschaftlichen Nutzung ihres Geländes. So soll dort Mais angebaut werden,
um eine Wiederbesiedlung der Fläche durch geschützte Feldhamster-Populationen
zu verhindern. Es bleibt abzuwarten, ob und welche Tierarten sich dort trotzdem
ansiedeln werden.
Gibt es Alternativen
zu Intel?
Auch wenn sich das Kernareal von ca. 400 Hektar weiter im
Besitz von Intel befindet, schauen sich die Stadt Magdeburg und das Land
Sachsen-Anhalt nach potentiellen großen und mittleren Ansiedlungen für die
insgesamt ca. 1.000 Hektar große Fläche um. So zum Beispiel auf internationalen
Immobilien-Messen. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze forderte
mehr Rüstungsindustrie in den ostdeutschen Bundesländern („MDR“), und ich
vermute, dass er dabei auch an den Eulenberg gedacht haben könnte. Immerhin kann
Magdeburg hier an eine Tradition anschließen, die auch von Intel in einem
gewissen Maße weitergeführt worden wäre.
Wie „tickt“ Intel
selbst?
Ob Intel nun kommt oder nicht – und die Intel-Entscheidung
bis Oktober 2026 noch aufgeschoben wird, ist nicht abzusehen. Der Konzern wird
abhängiger von den wirtschaftlichen und politischen Randbedingungen in seinem
Stammland Amerika werden. Die eigene wirtschaftliche und technologische Krise
dauert an: 20% des Personals stehen zur Disposition. Investitionen werden
gestreckt. Der Börsenkurs könnte eine Übernahme und dann die Aufteilung des
Konzerns begünstigen. Der neue Intel-CEO, Tan Lip-Bu, ist nicht unumstritten („Handelsblatt“).
Die Politik, auch Ministerpräsident Reiner Haseloff, forderte eine baldige Entscheidung
vom neuen CEO („Volksstimme“). Im Prinzip „sitzt“ Intel ohne zeitlichen Bauzwang
auf dem Gelände. Magdeburg hat nur ein Vorkaufsrecht, vermutlich zu dem Preis,
den auch ein potenzieller Käufer zahlen würde. Welche Flexibilität Stadt und
Land innerhalb eines solchen Vorgangs haben, wird sich möglicherweise zeigen,
wenn eine Offenlegung der Verträge erfolgt. Die aufwendige Genehmigung für die
Errichtung der zwei Chip-Fabs, erteilt im September 2024, läuft nach einer
Frist von zwei Jahren aus und müssten erneuert werden. Eine Genehmigungsverfahren
für den eigentlichen Betrieb der Chip-Fabriken ist meines Wissens von Intel
noch nicht in Gang gesetzt worden.
Was ist mit dem runden
Tisch zur Transformation? geworden?
Es haben sich in den angekündigten Treffen (erstes Treffen) insgesamt 12 Personen zusammengefunden. Den größeren Teil der Teilnehmenden
kannte ich schon von meinen Veranstaltungen aus dem letzten Jahr (2024) in der
Stadtbibliothek, andere folgten den von mir platzierten Einladungen in der
Magdeburger „Volksstimme“.
| KI-generiertes Bild mit MS-Creater Wie weiter? |
Resümee:
Die Intel-Ansiedlung wird immer unwahrscheinlicher. Es wird spannend werden zu sehen, welche Ansiedlungen dort ihre Heimat finden werden. Das Areal am Eulenberg bietet dafür viele Möglichkeiten, und es ist zu hoffen, dass die damit verbundenen Transformationen transparent den Magdeburgern und Magdeburgerinnen kommuniziert und auch von ihnen mitgestaltet werden können. Da hätte dann ein Transformationsstammtisch wieder eine konkrete Aufgabe.
Montag, 31. März 2025
# 090 Einladungen: „Intel – da war doch … und dann …?“ Herbert Karl von Beesten und der Transformationsstammtisch stellen sich vor.
Im Rahmen der Landesliteraturtage 2025 und zugleich anlässlich der Nacht der Bibliotheken am Freitag, 4. April 2025 in der Zentralbibliothek erfolgt um 17:30 Uhr zuerst der Blick zurück: „… da war doch was …" ein Rückblick mit „Best-of-Artikeln“ aus dem Intel-Blog seit 2023 mit eher literarischen Texten (Parabel, Satire, Essay) … und dann … Vorstellung des neuen Transformationsstammtisches.
Früher oder später geht es auf dem Magdeburger Eulenberg mit einem großen oder mehreren kleinen Leuchtturmprojekten weiter. Bis dahin wird sich der TranformationRoundTable, wie der Stammtisch auch genannt wird, mit den Mühen der Ebene der Transformation beschäftigen. Was haben die Protagonisten dieser Runde vor? Wer kann noch mitmachen? Diese Fragen sollen beantwortet werden.
Die Gruppe trifft sich zu ihrem 3. Treffen schon am Montag wieder, den 7. April 2025, ab 17:00 Uhr in der Stadtbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109 im Seminarraum 3. OG. Das ist eine offene Runde und neue Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind gerne gesehen.
Mittwoch, 26. März 2025
# 088 TRT - Transformation-Roundtable am 10.3.2024
Protokoll: TRT - TransformationRoundTable am 10.3.2024 von 17:00 bis 18:30 Uhr im kreALTiv-Labor, Brandenburger Str. 9, Magdeburg.
- 10 Personen stellten sich gegenseitig vor, mit ihren Interessen und Ideen. Die sind vielseitig und in einer Art Brainstorming kamen folgende Ideen/Anregungen zusammen:
- Energie sparen / Warum wird die Tangente beleuchtet? /PV-Anlagen
- Campingplatz mitten in der Stadt oder auf der Elb-Insel
- Infragestellung/Veränderungen des Konsums, was können wir uns noch leisten? (Graswurzelbewegung, Nachhaltigkeit, Steinzeit 2.0)
- Kreislaufwirtschaft
- Wandel in der Industrie. Was passiert mit dem Intel-Gelände. Welche Firmen passen?
- Attraktivere Innenstadträume – Transformation von der Einkaufscity zu anderen Schwerpunkten?
- Ulrichplatz-Bebauung
- Wir wollen uns auf erste Themen konzentrieren und recherchieren mit Fokus auf den Stadtteil „Altstadt“ auf Veränderungen/Transformationspotenziale. Dabei kann die Broschüre „Rahmenplan Innenstadt Magdeburg 2035+“ (Herausgeber Landeshauptstadt Magdeburg) als Orientierung dienen. Hier der Downloadlink dazu: Broschüre_in_einer_Auflösung_von_200_dpi_30_MB_hochwertige_Bildschirmpräsentation_oder_Ausdruck_.PDF .
- Die Themen sind:
- „Schwamm-Stadt – Wasser“
- Energie
- Beim nächsten Treffen am 7.4.25 um 17 Uhr in der Stadtbibliothek (HKvB klärt Raum) werden die Erkenntnisse ausgetauscht. HKvB wird etwas zum Thema „Promenadologie“ und den Gedanken dazu von Lucius Burckhardt erzählen Lucius Burckhardt – Wikipedia.
- Unsere Gruppe hat die Möglichkeit, sich innerhalb des Vortrages von HKvB am 4.4.2025 ab 17:30 anlässlich der „Nacht der Bibliothek“ in der Bibliothek sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Felix und Max wollen dabei sein.
Mittwoch, 12. März 2025
# 087 Transformationen am Magdeburger Stammtisch - im März 2025
Ein Stammtisch in
Magdeburg im Winter 2021: In einem Magdeburger Kulturzentrum
kann sich wieder eine kleine, engagierte Runde von Menschen treffen, auch, um
über die lokale Politik zu diskutieren. Die Stimmung ist gedrückt. Die Corona-Wirren
stecken noch in den Knochen, gescheitert ist die Bewerbung zur Kulturhauptstadt
Europas. Die Inflation steigt. Einige am Tisch müssen am nächsten Morgen wieder
sehr früh raus, damit sie als Pendler noch rechtzeitig vor den Staus Wolfsburg erreichen
können. Andere fragen nach den Verdienstmöglichkeiten der Pendler und bedauern,
dass solch lukrative Jobs in Magdeburg leider rar sind. Woher soll das Geld
kommen für den viel teurer gewordenen Tunnel in der Innenstadt? Seit fast 10
Jahren wird daran gebaut, die Fertigstellung steht noch in den Sternen. Es geht
nicht voran. Magdeburg eben. Wo bleibt der Optimismus, wo die Zuversicht?
Der Stammtisch im Sommer 2022: Intel will eine riesige Chip-Fabrik in Magdeburg bauen! Hoffnung! Bei einigen Euphorie. Es passiert etwas, Veränderungen stehen an, gut bezahlte Arbeitsplätze sind möglich. Magdeburg kann es doch. Silicon-Hill am Eulenberg. 400, 600, 1.000 Hektar Industriegebiet. 3.000, 10.000, 15.000 Arbeitsplätze. 10, 20, 30 Milliarden Investition, Rückenwind aus Berlin: Endlich ein ostdeutscher Leuchtturm von internationalem Format. Autobahnring, Ausbau der Nahverkehrsinfrastruktur, ICE-Züge im Hauptbahnhof. Der Tunnel ist fast fertig. Der FCM ist aufgestiegen. The sky is the limit! Aber auch Zweifel, Bedenken: Haben wir genug Wasser, was passiert mit den guten Bördeböden, Mieten und Immobilienpreise werden steigen. Woher die Energie? Stehen so viele Arbeitskräfte überhaupt zur Verfügung? Trotzdem Optimismus und Zuversicht!
Der Stammtisch im Frühjahr 2025: Intel kommt doch nicht. Enttäuschung am Tisch, bei einigen eher Aufatmen. Das beinahe inflationär zu nennende Anwachsen der Stimmen für Rechte, die Haushaltsprobleme in Stadt und Land und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Kulturszene werden diskutiert. Dann der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt. Schlimm. Wird die Sanierung der Stadthalle rechtzeitig bis 2027 abgeschlossen sein? Und zu welchen Kosten? Einige am Tisch müssen am nächsten Morgen wieder sehr früh raus, damit sie als Pendler noch vor den Staus Braunschweig erreichen können. Anderen reichen zwei Bier, mehr kann man sich bei den Preisen und den Magdeburger Verdienstmöglichkeiten nicht leisten, mäkeln die anderen. Die Stimmung: Magdeburg kann es nicht. Die Mieten und Nebenkosten sind gestiegen, trotzdem. Von den 500 Milliarden werden wir hier bestimmt wenig sehen, wenn überhaupt, heißt es. Es geht nicht voran! Wo bleibt der Optimismus, wo die Zuversicht?
| Konstruktiv
in die post-intel Ära: Der Nukleus des „anderen“ Round Table |
Sonntag, 2. März 2025
# 086 Intel, Tesla oder TSMC - Wasser oder Arbeitsplätze? Neue Theaterproduktion in Magdeburg regt brisante Debatte an. Die "Volksstimme" berichtet:
Ich konnte leider nicht selbst die Vorstellung besuchen, deswegen hier der Bericht der Volksstimme.de – abgerufen 2.3.2025
(Von Konstantin Kraft Aktualisiert: 11.02.2025, 07:24)
| Der Bürgermeister (vorne) sieht sich nicht nur gegenüber dem Stadtrat (hinten) in Erklärungsnot. Die Fabrik braucht immer mehr Wasser, daür leiden die Menschen unter Durst. Foto: Gia Huy Dinh |
Die neue
Stückentwicklung „Und sie träumten von der Sonne“ der Gruppe „bühnenfrei“ aus
Magdeburg beleuchtet die Schattenseiten großer Industrieansiedlungen. Intel
wird zwar nicht direkt genannt, aber zwischen den Zeilen scheint vieles durch –
bis zum bitteren Abgesang.
Magdeburg -
Neu-Olvenstedt. Am Anfang ist die Euphorie. „Ey, sie kommen“, schallt es in
Freudenschreien von der Bühne herab. Dazu erklingt das Lied „Love is in the
air“ (Liebe ist in der Luft).
Statt „Ey, sie
kommen“ könnte es auch „Chip, Chip, hurra“ heißen. Aber in der neuen Produktion
„Und sie träumten von der Sonne“ der freien Theatergruppe „bühnenfrei“, die am Wochenende
ihre Premiere im Familien- und Jugendzentrum (FaJu) in Neu-Olvenstedt gefeiert
hat, bleibt dieser Bezug abstrakt.
Es ist nie
direkt von Intel oder Tesla die Rede, die sich ansiedeln
wollen, sondern von der „Fabrik“.
Allerdings
kann vieles, was von dem mitreißend spielenden Laienensemble dargestellt wird,
als eine Allusion auf Ansiedlungsprozesse großer Industrieunternehmen im ostdeutschen
Raum gesehen werden.
Und – so viel
sei schon vorweggenommen – von der Ekstase der ersten Szene wird am Ende nichts
mehr übrig sein. Aus dem Traum von der Sonne wird ein Albtraum vom fehlenden
Wasser.
Symbol für Strukturwandel
Schauplatz der
fiktiven Handlung, die von der Theatergruppe komplett selbst entwickelt wurde,
ist die Kleinstadt Bad-Neustadt. Wo genau diese liegt, bleibt offen.
Man erfährt
jedoch, dass Potsdam und Berlin nicht allzu weit entfernt sind, weil die
jüngste Tochter des Bürgermeisters mehrfach vergeblich versucht, dorthin zu
flüchten. Das Bühnenbild – eine Bushaltestelle – wirkt da symbolhaft. Hier sind
alle abfahrbereit, aber keiner kommt wirklich weg.
Der besagte
Bürgermeister – „Demokrat und Familienvater“ – heißt Bernd Schlother und wird
von Stefan Kolata verkörpert. „Hinter uns liegen Jahre der Stagnation“, sagt er
in seinem Einstiegsmonolog.
Die Fabrik,
die nun kommen soll, verspricht Wohlstand und Tausende Arbeitsplätze.
Strukturwandel für die Stadt. „Das ganze Land spricht über uns.“ Und auch die
Bürger sind in Jubelstimmung. Die Bäckerin, vorher fast pleite, verkauft jetzt
„süße Törtchen in Laptop-Form“.
Doch die
Fabrik ist nicht einfach da und betriebsbereit. Sie braucht eine Baugenehmigung
– das geht dank der kooperativen Behörden im Schnellverfahren – und sie braucht
finanzielle Unterstützung. Konkret braucht sie Subventionen, die wiederum aus
Steuergeldern stammen.
Hier ist dann
auch Bad-Neustadt gefragt. Bei einer Sitzung des Stadtrats wird unter anderem
eine Erhöhung der Hundesteuer sowie der Parkgebühren – außer vor dem Rathaus –
beschlossen. Die Mehreinnahmen aus dem Geldbeutel der Bürger sollen die Fabrik
bei ihrem Aufbau unterstützen.
Erste Zweifel
werden laut. Frank Wilke (gespielt von Yona Dehoop) – parteiloser Stadtrat und
langjähriger Freund des Bürgermeisters – meldet sich zu Wort und mahnt vor den
wahren Kosten, die mit der Ansiedlung einhergehen. Er bleibt dabei noch im
Ungefähren und wird vom Bürgermeister mit „Wir schaffen das“ zurechtgewiesen.
Es wird heiß in der Stadt
Wenig später
erfährt das Publikum, was es mit den Andeutungen von Wilke auf sich hat. „Es
geht um unser Wasser“, sagt der promovierte Biologe. Er hat gerade ein Buch
über eine Flussmuschel im heimischen Gewässer veröffentlicht. Nun soll ein
Gutachten über die „Fabrik und ihre Folgen“ erscheinen.
Was genau
dieses zum Inhalt haben könnte, wird nicht gleich gesagt. Aber es wird gezeigt.
Nach der Pause ist es heiß in Bad-Neustadt. 38 Grad. Die Einwohner ächzen unter
den Temperaturen und unter dem Wassermangel.
Die private
Entnahme musste gedrosselt werden, um die Abläufe in der Fabrik nicht zu
gefährden. Maria Schlother (gespielt von Martha König), die Frau des
Bürgermeisters, versucht, ihre geliebten Rosen zu retten. „Alles verdorrt,
jeden Tag ein bisschen mehr.“ Schließlich muss sie resignieren. „Alles
verendet, alles tot, tot.“
Für die
Schüler fällt der Unterricht aus. Hitzefrei. Ein allgemeiner Durst breitet sich
in der Bevölkerung aus. Es fühlt sich an, als hätte man Sand geschluckt. Eine
Flasche Trinkwasser wird für 7 Euro verkauft.
Auftritt des
Transparenzbeauftragten Smith der Fabrik, gespielt von Leon Junghans. Er
fordert noch mehr Wasser, um die Produktion aufrecht zu halten. Der
Bürgermeister stimmt zu. Es dürfe jetzt – so kurz vor dem Start – nicht alles
den Bach runter gehen. Die Ansiedlung der Fabrik ist sein politisches
Lebensprojekt. „Schlimmer ist, wenn es gar keinen Bach mehr gibt“, kontert
Wilke.
Bei der
Eröffnungsfeier kommt es zur Konfrontation – statt auf der Bühne geschieht dies
mitten im Publikum. Das Gutachten zur Fabrik und ihren Folgen liegt inzwischen
vor.
„Bad-Neustadt
wird austrocknen“, klagt der Wissenschaftler. Doch das will keiner hören. Die
Bürger schimpfen Wilke als „Verräter“ und treiben ihn fort. Die Fabrik hat
Priorität. „Wir brauchen jetzt Kundschaft, jetzt Arbeit, jetzt Hoffnung“, heißt
es.
Abend bleibt in Erinnerung
Also bleibt
die Fabrik, doch der Durst der Bevölkerung wird immer schlimmer. Eine neue
Filteranlage soll helfen, die das Wasser aus der Produktion neu aufbereitet.
Der Bürgermeister trinkt davon und übergibt sich.
Dazu stimmt er
einen bitterbösen Abgesang an, der nachhallt. Es ist eine Abwandlung vom „Lied
der Partei“ aus DDR-Zeiten. Er singt: „Die Fabrik, die Fabrik, die hat immer
recht.“ Was nutzen Tausende Arbeitsplätze, wenn die Bevölkerung dafür Durst
leiden muss?
Das neue Stück
„Und sie träumten von der Sonne“ von der Theatergruppe „bühnenfrei“ (Regie hat
die Leiterin Angela Mund geführt) zeigt die Schattenseite von technologischen
Großansiedlungen.
Das Thema
könnte kaum aktueller sein, gerade für Magdeburg. Bei aller politischen Brisanz
wartet der Abend aber zugleich mit grotesk-komischen Szenen auf.
Für
Zwischenapplaus sorgte etwa die Pantomime einer „Brandmauer“ oder der Tanz der
Wirtschaftsbeigeordneten Liebeknecht (gespielt von Anja Kreft) mit dem
Transparenzbeauftragten der Fabrik.
Auch dank der
immensen Spiellaune des ehrenamtlichen Ensembles bleibt dieser Theaterabend
lange in Erinnerung.
Freitag, 31. Januar 2025
# 083 Transformation durch Kultur - C the unseen im Januar 2025

Mir fällt ein Gespräch mit einer Kollegin ein. Sie ist
etwa so alt wie ich, und sie erinnerte sich an fahrende Züge. An einen
Sonderzug gar. Nach Karl-Marx-Stadt im Mai 1967. Es war warm zum Pfingsttreffen
der FDJ, es gab wohl noch den Optimismus des Aufbruchs, der Jugendlichkeit. Der
Sonderzug bestand aus Güterwagen, trotzdem empfand man die Mitfahrt als
Auszeichnung. Achtzigtausend oder neunzigtausend junge Menschen, atemlos
gewissermaßen bei der Abenteuersuche. Es gab den „Oktober-Klub“ zu sehen, man
sang mit, war fröhlich. „Ich war nicht mehr dort, seit Karl-Marx-Stadt wieder
Chemnitz heißt“, schloss sie.
„C the unseen“ passt, denke ich. Aber kein Sonderzug nach
Chemnitz, kein RE nach Leipzig, nur Nebel. Unplanmäßig sind wir in Halle, von
dort mit der S-Bahn nach Leipzig, endlich den RE 6 Richtung Chemnitz erwischt.
Im Vorbeifahren lerne ich mir bislang unbekannte Ortsnamen kennen: Großpösna,
Otterwisch ... Reisen bildet. Ein gutes Omen: Blauer Himmel in Chemnitz, C sees
the sun. Bunter Empfang. Menschen, Hinweisschilder, Alte, Junge, Programmflyer,
Familien. Philipp zu seinem, ich erstmal zu meinem Hotel, Rucksack abwerfen.
Schwarzer Block? Demo vor meinem Hotel, junge Menschen aus
der Antifa-Bewegung, Basswummern, Parolen gegen die Rechten. Am Telefon der
Kollege: Die Braunen marschieren gerade vor seinem Hotel. Polizisten müssen
sich an dem Katz-und-Maus-Spiel beteiligen. Bunter und größer: Die dritte Demo
kommt mir entgegen: Alt, Jung, Familien, Lachen, Luftballons und bunte Fahnen,
Kinderwagen, Lieder, Transparentaufschriften fordern Zusammenhalt.
Die Fröhlichkeit der Menschen in der Innenstadtstadt lässt
die Demos vergessen. Volksfest mit Musik, auch Infostände, Bühnen, Tanz und
Sport, Sanitäter, Nachmittags-Outdoor-Rave, Bier, Würstchen, Polizei, Döner,
Straßenkünstler, Sportlerinnen auf Bühnen. Große Monitor-Wände, die die
Eröffnungsfeier aus der Oper live übertragen. Davor geduldige Schlangen an den
Bierbuden, die Menschen reden miteinander, haben wache Augen, manche lächeln.
Wir behalten die gestylten Plaste-KUL-TUR-BECHER als Souvenir.
Wir sichern uns Stehplätze vor der großen Bühne. Noch fast
zwei Stunden bis zur Show, die Sonne sinkt, es geht auf null Grad zu, der Platz
füllt sich. Wie in sich ruhend das Karl-Marx-Monument, in C liebevoll „Nischel“
genannt, in dezentem grau-weißen-Licht, die überdimensionale Showtreppe steht
ihm bis zum Hals, wie Schweiß von der Denkerstirn perlt ihm helle
Taubenscheiße. Der Riesenkopf, der sich „Das Kapital“, ausdachte, wie
eingefangen unter dem Halbrund des transparenten Bühnendachs. C „The Capital of
Culture“. Es dämmert. Rechts und links der Bühne Batterien von Scheinwerfern,
die Lichtfächer in den Dunst stanzen. Im Hintergrund dezente
Elektro-Lounge-Musik. Warmhalten und die Logistik klären! Wo sind die
Toiletten? Noch einen heißen Kinderpunsch, Glühwein, eine Bratwurst oder
Falafel. Oder doch ein Bier? Es wird voller, enger. Mäntel und Jacken gehen auf
Tuchfühlung.
„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, uns warmhalten,
vielleicht eine Aktion mit den Leuten um uns herum?“, versuche ich meinen
Kollegen zum Mitmachen zu motivieren. „Es dauert noch eine halbe Stunde, bis es
losgeht.“ „Du hast doch bestimmt schon eine Idee, oder?“, vermutet er. Der Ball
ist wieder bei mir. Hinter uns ist eine
gut gelaunte Frauen-Clique in fast aufgekratzter und übermütiger Stimmung.
Einiges habe ich von ihren Gesprächen mitbekommen, manches wegen ihrer
sächsischen Aussprache nicht. Ich spreche sie an, ob sie mitmachen würden, die
anderen zum gemeinsamen Aufwärmen zu bringen. „Jetzt gehts los! Jetzt gehts
los!“, skandieren wir, klatschen im Takt mit. Leider steckt es andere nicht an, aber wir kommen ins Gespräch und "outen" uns als
Magdeburger. "Wir wären auch gern Europas Kulturhauptstadt geworden, aber
ihr habt das Rennen gemacht. Herzlichen Glückwunsch, wir wünschen euch ein
schönes Jahr!" „O je,
bei euch ist ja das Schreckliche passiert, schlimm.“ Die erste Reaktion. Ja,
schlimm.
Es sind begeisterte Chemnitzerinnen, sie schwören auf
europäische Verständigung. Ich lerne, dass zu Karl-Marx-Stadt-Zeiten die
Abkürzung KMS sächsisch so vernuschelt wurde, dass „CMZ“ als vernischeltes
„Chemnitz“ verstanden werden konnte, wenn man wollte. Aber die Frauen stehen zu
ihrem Karl. Auch wenn seine Ideen vom Sozialismus inzwischen Patina
angesetzt haben: Sie hatten etwas! Nur was daraus gemacht wurde ... Ich
glaube, sie mögen ihren „Nischel“.
Wir erzählen von unseren Städten und finden Gemeinsamkeiten in Größe, Struktur, Geschichte. C und MD haben beide keinen regulären ICE-Anschluss. Das solidarisiert.
Nun wie vorher wieder die gediegene Lounge-Musik, der
Marx-Kopf wieder in stabilen Grautönen, die Scheinwerfer wieder Richtung Himmel
ausgerichtet. Soll C jetzt auch von oben gut sichtbar sein, denke ich. Die
Menschen bleiben noch am Platz, müssen wohl wie wir dieses
60-Minuten-Power-Feuerwerk in den Köpfen abkühlen, sacken lassen. Es wird
geredet, gelacht, die Ess- und Trinkbuden werden belagert. Wir verabschieden
uns von der netten Frauengruppe, die weiterziehen will. „Kommt unbedingt
wieder, es gibt so viele tolle Sachen in Chemnitz und Umgebung zu entdecken“,
motivieren sie uns für ein Wiedersehen im „Unseen“.
Wir lassen uns im Gewühl treiben zwischen Techno auf dem
Marktplatz, Rave in einem kleinen Park, zwischen Elektro auf Bühnen und den
Gassen mit Straßenmusikern.
Zwischenmahlzeit, asiatisches Schnellrestaurant,
Glückskeksbotschaften: „Dein Leben wird durch Eindrücke und Bekanntschaften
bereichert“ und „Sie können Ihrem Traum begegnen“. Philipp und ich erkundigen uns nach Traum-Events oder Begegnungsmöglichkeiten
in Clubs für die Nacht. Aber die sind überfüllt. In der „Open Oper“ gerade
Ende des Swing-Konzerts, aber noch rappelvoll. Kein bekanntes Gesicht. Meine
Euphorie nimmt ab. Die Beine schwer. Zurück ins Hotel.
Rückzüge und Rückblicke
Der Alltag holt uns am Sonntag mit
Bahn-Resilienz-Roulette auf dem Rückweg ein. Verspätung fürchtend, nehme ich
einen früheren und pünktlichen Zug nach L, um dort sicher den Anschluss nach MD
zu erreichen. Im Abteil komme ich mit einem älteren Paar, das mit großen
Koffern unterwegs ist, ins Gespräch. Ob sie auch bei der Eröffnung gewesen
sind? „Klar, wir waren gestern auch dabei, das wollten wir nicht verpassen, wir
haben unsere Kreuzfahrt ab Hamburg dafür extra später terminiert. „Und: Wie
fanden Sie es?“ „Einfach toll, wir waren begeistert!“
Phillip nimmt in C den späteren, von uns ursprünglich
geplanten Zug nach L, der auch pünktlich ist. Gemeinsam und pünktlich, positiv
für die Verspätungsstatistik und meinen Bahn-Optimismus, geht es von L weiter
nach MD.
Am Montagmorgen sehe ich auf der Titelseite der
Magdeburger „Volksstimme“ ein Bild von der Bühne mit dem „Nischel“, darunter in
gleicher Größe ein Bild von der Demonstration der rechtsextremistischen Gruppierung
„Freie Sachsen“. Das ergibt ein falsches Gesamtbild.
Bad news bleiben schlechte Nachrichten, sie helfen nur bei
der Pflege von Narrativen, wie etwa: „Der Osten ist mehrheitlich
rechtsradikal.“ Hier wäre mehr Sorgfalt vonnöten gewesen. Schade.
Ich reihe meine Erfahrung mit der Stimmung in C in andere
persönliche Erlebnisse ein: Etwa meinen Besuch der Olympischen Spiele 1972 in
München und in Jahr 2000 auf der Expo in Hannover, mein Dabeisein, als R.E.M.
auf dem Magdeburger Domplatz zum 1200. Stadtjubiläum spielten, mein Miterleben
des Public-Viewing-Sommermärchens 2006, meine Reisen in die
Kulturhauptstadtregion Ruhrgebiet 2010 und zur Expo in Mailand 2015. „Und
zwischen 1972 und 2000 gab es kein wichtiges Erlebnis für dich?", würde
Philipp mich fragen, da er doch in diesem Zeitraum in Magdeburg geboren
wurde. Doch, doch, würde ich antworten, zum Beispiel, der Mauerfall 1989.
Der gehört auch in die Reihe als Beginn einer Transformation, auch in die von
C.
Chemnitz, wir sehen uns!
Video von unserem Besuch unter
Fotos von Herbert Karl von Beesten
und Philipp Schmidt
Sonntag, 26. Januar 2025
# 081 Bericht über das erste Treffen der „Transformationsrunde“
Ziel dieses ersten Treffens war es, sich gegenseitig
kennenzulernen und Optionen für die Arbeitsweise der Gruppe zu erkunden. Es
folgt eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte von Max Heywood.
- Die Gruppe war sich einig, dass engagierte Bürgerinnen und Bürger eine wesentliche Rolle dabei spielen, Veränderungen voranzutreiben, indem sie ihre Anregung weitergeben und ihre Resignation überwinden. Es wurden mehrere Interessensgebiete identifiziert: Strukturwandel, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, Natur, Bildung, Kultur, Sport, Wohnraum, und Gentrifizierung, u.a. Die Gruppe zählte auch einige der verschiedenen Initiativen auf, die sich in den letzten Jahren mit der Zukunft in Magdeburg befasst haben, darunter: Der Rahmenplan Innenstadt, die regionale Entwicklungspläne, das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 2030+, Klimabündnis Magdeburg und die Zukunftswerkstatt Region Magdeburg 2030. Die Gruppe einigte sich darauf, im Sinne einer aktiven Bürgerbeteiligung auf diese Initiativen zurückzugreifen und darauf aufzubauen.
- Logistisch gesehen wird sich die Gruppe monatlich treffen und etwa vierteljährlich öffentliche Veranstaltungen mit Gastrednern organisieren, die in der Bibliothek in Magdeburg stattfinden.
- Jede öffentliche Veranstaltung wird sich auf ein bestimmtes Thema konzentrieren, um eine vertiefte Diskussion zu ermöglichen. Über Thema und Format der ersten öffentlichen Veranstaltung wird auf der nächsten Sitzung entschieden.
- Die Teilnehmer werden auch über einen endgültigen Namen für die Gruppe nachdenken und diesen vorschlagen.
- Kurze Zusammenfassungen der Diskussionen werden über den Blog von Herbert Karl von Beesten und die sozialen Medien verbreitet.
- Das nächste Treffen findet am 10. März 2025 um 17 Uhr in Magdeburg, kreALTtiv-Labor, Brandenburger Str. 9, 1.OG im Raum 1.15 statt. Bitte kontaktieren Sie Beesten@herbertbeesten.de oder max.heywood@magdeburg-international.de für weitere Informationen und um Ihr Interesse an einer Teilnahme zu bekunden.






